Agatha Christie: "16 Uhr 50 ab Paddington"

Mrs. Elspeth McGillicuddy beobachtet auf einer Zugfahrt einen Mord in einem vorbeifahrenden Zug. Eine Frau wird erbarmungslos erdrosselt. Sie meldet es dem Schaffner, aber dieser glaubt ihr kein Wort und ist der Meinung sie habe das nur geträumt. Mrs. McGillicuddy, von den Ereignissen völlig verstört, meldet ihrer Freundin Miss Jane Marple, einer Hobbydetektivin, das Geschehene. Ms. Marple glaubt ihr sofort und die beiden versuchen die Polizei in St. Mary Mead, Marples Wohnort, davon zu überzeugen, dass der Mord wahrhaftig geschehen ist. Aber auch diese sind abgeneigt es zu glauben.

Miss Marple findet unterdessen heraus, dass die Leiche in der Nähe von Brackhampton auf dem Anwesen Rutherford Hall zu finden sein könnte. Daraufhin nimmt sie mit Lucy Eyelesbarrow, einer landesweit bekannten Hauswirtschaftlerin, Kontakt auf. Diese soll dort arbeiten und gleichzeitig in ihrer Freizeit nach Hinweisen und Beweisen suchen, die belegen, dass hier ein Mord geschehen ist.

Auf dem Anwesen Rutherford Hill leben Mr. Crackenthorpe und seine Tochter Emma. Seine 3 Söhne, Alfred, Harold und Cedric, und sein Schwiegersohn Bryan Eastley kommen nur zu besonderen Anlässen dorthin. Sein Enkel Alexander verbringt seine Ferien immer auf dem Anwesen und ist zusammen mit einem Freund eine große Hilfe für Lucy. Unter dem Vorwand Golf zuspielen durchkämmt Lucy das gesamte Gelände und findet eine Puderdose. Miss Marple zieht zu einer Tante in Brackhampton um in Lucys Nähe zu sein und um ihr bei den Ermittlungen zu helfen.

Dr. Quimper, Mr. Crackenthorpes Hausarzt, ist sehr an Emma interessiert und täglich im Hause um nach dem Familienoberhaupt zu sehen. Nach ein paar Tagen auf dem Anwesen findet Lucy in einer Scheune in einem Sarkophag eine Frauenleiche. Sie informiert sofort Ms. Marple und die Polizei, die gleich darauf Scottland Yard einschalten. Daraufhin beginnen die Verhöre aller Familienmitglieder, die sofort angereist kommen.

Emma äußert den Verdacht, dass die ermordete Frau Martine sein könnte, die Witwe ihres im 1. Weltkrieg gefallenen Bruders ist, von der sie vor kurzer Zeit einen Brief bekommen hat. Kurz darauf wird die gesamte Familie mit Arsen vergiftet, aber nur Alfred stirbt daran. Auch Harold wird kurze Zeit später Tod aufgefunden. Er hat vergiftete Tabletten geschluckt.

Daraufhin taucht die Mutter von Alexanders Freund auf, der den Sommer auf Rutherford Hall verbracht hat und stellt sich als Martine vor, die Witwe des toten Bruders. Da Scottland Yard es für sehr wahrscheinlich hielt, dass die Tote Martine war, stehen sie erneut vor der Frage, wer die Tote ist.

Ms. Marple lädt ihre Freundin Elspeth nach Brackhampton ein und zusammen besuchen sie das Anwesen. Durch Zufall ist Dr. Quimper auch dort, der an diesem Tag Geburtstag hat. Spontan wird ein Geburtstagskaffee veranstaltet. Da Ms. Marple schon eine Ahnung hat, wer der Mörder ist, versucht sie sich in eine ähnliche Position zu bringen, wie die Frau, die erdrosselt wurde. So täuscht die vor eine Fischgräte verschluckt zu haben, Dr. Quimper springt auf, um ihr zu helfen und in dem Moment fängt Mrs. McGillicuddy an zu schreien und allen ist vor Augen geführt worden wer der Mörder ist.

„16 Uhr 50 ab Paddington“ ist ein klassischer britischer Krimi, der durch kleine typisch britische Gewohnheiten, z.B. die Teezeit, einen unverwechselbaren Charme erhält. Agatha Christie schrieb das Buch 1957 und es wurde unter den Titeln „4:54 from Paddington“ in Amerika und unter dem Titel „4:50 from Paddington“ in Großbritannien veröffentlicht. In Deutschland kam das Buch 1960 auf den Markt. Der Roman wurde 1961 von MGM verfilmt. Margaret Rutherford spielte hier die Rolle der Ms. Marple. 1988 wurde der Roman von der BBC verfilmt und Joan Hickson spielte die Ms. Marple. Agatha Christie war nicht sehr begeistert von der MGM-Verfilmung, da Margaret Rutherford nicht ihrem Bild der Miss Marple entsprach. Christie beschreibt Miss Marple in ihrem Buch als schmächtig und gebrechlich, während Margaret Rutherford weder schmächtig noch gebrechlich war. Außerdem wurden für die Verfilmung Rollen gestrichen und neue geschrieben. Die Rolle des Mr. Stringer gab es im Buch zum Beispiel gar nicht und die Rolle der Elspeth McGillicuddy wurde komplett gestrichen. Die zweite Verfilmung konnte Agatha Christie leider nicht mehr erleben, denn sie starb 1976, aber der Drehbuchautor T.R. Bowen hielt sich streng an die Romanvorlage und Agatha Christie schätzte Joan Hickson als Schauspielerin sehr. Daher wäre sie mit dieser Verfilmung wohl zufrieden gewesen.

Leider habe ich das Buch erst gelesen nachdem ich den Film mit Margaret Rutherford gesehen habe. Auch wenn große Unterschiede vorhanden waren, fand ich das Buch sehr spannend und es ist eins meiner Lieblingsbücher geworden. Miss Marple ist einfach eine Person, die man gern haben muss. Es war auch sehr interessant, wie sich Agatha Christie die Handlung und die Charaktere gedacht hat und wie sie für die MGM-Verfilmung umgeschrieben und verändert wurden. Der Schreibstil von Christie ist unverwechselbar und meiner Meinung nach auch nicht kopierbar.

(Merle Muth 2009)

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