Kressmann Taylor: Adressat unbekannt


Sensationeller Fund!

Eine Schachtel mit einem Briefwechsel zwischen dem Juden Max Eisenstein und dem Deutschen Martin Schulse aus den Jahren 1933-34 wurde an diesen Wochenende in der alten Galerie Eisenstein gefunden. Die Finderin ist eine Verwandte von Max Eisenstein und ist sehr erfreut über ihren Fund. In einem Interview erzählte sie uns von ihren langen Recherchen nach der Verbindung von Max Eisenstein und Martin Schulse. Mit diesem Fund hat diese endlich das Verbindungsstück gefunden: Max Eisenstein und Martin Schulse haben zusammen die Galerie Schulse-Eisenstein in San Francisco, Amerika gegründet. Die Familie Schulse kehrt dann aber wieder in ihr Heimatland Deutschland zurück. Schnell haben sie sich dort ein Ansehen aufgebaut, mit ihren Geld aus Amerika sind sie sehr vermögend. Die ersten Briefe, die sie mit den Eisensteins austauschen, sind noch voll Freundschaft und Wärme. Mit jedem Brief ändert sich aber die Haltung von Martin gegenüber Max. Grund dafür ist der Nationalsozialsozialismus, Hitler hat die Macht ergriffen und will das Land zu neuer Größe führen. Dafür muss aber erst der Schandfleck von Juden verschwinden.

Die Juden werden verfolgt, weggesperrt und systematisch ermordet. Max, der viele Geschichten von anderen Juden gehört hat, stirbt fast vor Angst um seine jüngere Schwester, die Schauspielerin in Deutschland ist. Er bittet Martin, um ihrer einstigen Freundschaft Willen, sich nach ihr zu erkunden. Martin lehnt es aber ab, aus Angst, dadurch sich und seine Familie zu schädigen; er bittet Max auch, ihm nicht weiter zu schreiben, weil alle Briefe kontrolliert werden. Kurz danach erreicht Max der Brief mit der Mitteilung, dass seine Schwester von SA Mitgliedern, bei Martins Anwesen ermordet wurde. In tiefer Trauer und wahrscheinlich auch Hass sind die nächsten Briefe an Martin mit Sinnlosen Texten beschrieben. Die Deutschen vermuten aber verschlüsselte Botschaften und Martin fleht Max an, mit seinen Briefen aufzuhören, um seiner Familie willen. Als Antwort bekommt er aber nur noch mehr Briefe. Am 3 März 1934 kommt der letzte Brief, den Max Eisenstein abgeschickt hatte, mit dem Poststempel „Adressat unbekannt“ zurück. Martin Schulse und seine Familie sind tot.






Wenn Sie selbst die Briefe gerne lesen möchten, kaufen sie sich das Buch. In „Adressat unbekannt “ (5,99€, ISBN 9783499230936) sind alle Briefe enthalten, zusammen mit einem Nachwort von Elke Heidenreich. Kathrine Taylor veröffentlichte das Buch unter dem Namen Kressmann Taylor.

  1. Rebekka Koesling, 16.02.2012, 20:59

Vorgestellt von Mareike Berg

„Adressat unbekannt“ - mit diesem Vermerk kommt der letzte Brief des Juden Max Eisenstein an seinen ehemaligen Freund Martin Schulse zu Max zurück und genau so endet auch der faszinierende Briefroman von Kressmann Taylor. Aber nun von Anfang an: Eisenstein und Schulse sind sehr gute Freunde und betreiben als Geschäftspartner eine Galerie in den USA. Der Deutsche Schulse kehrt 1932 mit seiner Familie nach Deutschland zurück und fortan betreiben die beiden einen häufigen Briefwechsel. Zu Beginn ist dieser sehr herzlich, doch schon nach wenigen Briefen wird die Veränderung Schulses deutlich, der sich immer mehr den Nazis und Hitler zuwendet. „Max, mein teurer alter Gefährte“ wandelt sich zu „Heil Hitler“. Als Schulse auch noch den Tod von Eisensteins Schwester, mit der er sogar einmal eine Affäre hatte und der er immer sehr verbunden war, durch die SS mitverschuldet, beginnt sich Eisenstein aus den USA an seinem ehemaligen Freund zu rächen. Er schreibt ihm regelmäßig weitere Briefe über angeblich getätigte gemeinsame Käufe und Ausstellungen von Bildern, obwohl Schulse ihn bittet, dies zu unterlassen, da es streng verboten war, mit Juden Kontakt zu haben oder gar Geschäfte mit ihnen zu tätigen. Schließlich kommt am 18.3.34 ein letzter Brief mit dem Vermerk „Adressat unbekannt“ an Eisenstein zurück – Martin Schulse ist tot.

Der Briefroman, zeugt trotz seiner lediglich 55 Seiten von unübertrefflicher Spannung und verdeutlicht die Kraft der Worte, denn nur durch verfasste Briefe rächt sich Eisenstein an einem Nazi und das ganz ohne Gewalt. Wenige Monate reichen aus, um eine tiefe Freundschaft zu zerstören und es ist erschreckend und grausam, wie schnell die Propaganda der Nazis die Denk- und Verhaltensweisen der Menschen verändert hat und sie die Augen vor den grausamen Verbrechen geschlossen haben. Es ist bewundernswert, wie Kressmann Taylor dies auf nur wenigen Seiten und lediglich in Briefform verarbeitet. Der Roman hat auch heute nicht an Aktualität verloren, denn immer noch herrscht weltweit Fremdenfeindlichkeit und Hass gegenüber Ausländern und Andersgläubigen. Kurzum: Ein Roman, der in jedes Bücherregal gehören sollte!

Mareike Berg, 2015

Kressmann Taylor, Adressat unbekannt vorgestellt von Lisa Boob



Die beiden Freunde Max Eisenstein und Martin Schulse führten für einige Zeit zusammen die Kunstgalerie Galerie Schulse-Eisenstein in San Francisco.
Martin ist mit seiner Familie zurück nach Deutschland gezogen und lebt jetzt in einem großen Haus in München. Max dagegen ist in den USA geblieben und kümmert sich weiter um die gemeinsame Galerie.
Am 12. November 1932 sendet Max den ersten Brief nach Deutschland an Martin und so halten die beiden weiter Kontakt.
Mit dem Aufstieg Hitlers verändert sich die Freundschaft zwischen den beiden, denn Max ist Jude und Martin verlangt, dass sein früherer guter Freund ihm nicht mehr schreiben soll.
Max schreibt weiter und wendet sich in seiner Verzweiflung um seine kleine Schwester an Martin. Griselle ist Schauspielerin und befindet sich in Berlin. Max fürchtet um ihr Leben, da sie offen zugibt Jüdin zu sein.
Am 8. Dezember 1933 erhält Max eine Antwort von Martin, in welcher er berichtet wie Griselle ums Leben kam und bittet ernsthaft darum, dass Max ihm nicht mehr schreibt.
Max aber hört nicht auf zu schreiben und Martin empfängt Briefe aus denen klar wird, das er zu einem Juden Kontakt hat und sogar mit ihm Geschäfte macht.
Beides ist strengstens Verboten und so kommt es das Max den letzten Brief mit dem Stempel Adressat unbekannt zurück bekommt.


Ein meiner Meinung nach unglaublich guter, wenn auch kurzer Briefroman.
Fesselnd, spannend und aufwühlend zugleich. Gut zu lesen und man erkennt, wie schnell es geht nur mit Briefen innerhalb weniger Monaten eine Freundschaft zu zerstören.
Max schafft es, nur durch Worte in einigen Briefen und ohne Gewalt einen Nazi in den Tod zu treiben und sich so an ihm zu rächen.
1938 erschien dieser Roman erstmals und ist auch heute noch aktuell. Ich denke dieses Buch sollte eigentlich in jedem Bücherregal zu finden sein.

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