Aladin und die Wunderlampe

vorgestellt von Vanessa Stahlberg

Der Zauber des Orients, welcher sich besonders in den märchenhaften Erzählungen aus „1001 Nacht“ entfaltet, hat mich schon im Kindesalter in seinen Bann gezogen. Deshalb möchte ich die wohl schönste und bekannteste Geschichte aus dieser Märchensammlung vorstellen: „Aladin und die Wunderlampe“. Es gibt mehrere Übersetzungen und Hörbuchfassungen des Märchens, doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie verzaubern große und kleine Leser/Zuhörer und versetzen diese in eine wundersame Welt aus 1001 Nacht.

Die im Folgenden erzählte Geschichte ist Produkt meiner Fantasie und dient lediglich zur Wiedergabe des Inhalts.

Eines Abends, viele Jahre nach der Hochzeit Aladins und Badrulbudurs, sitzt die Prinzessin zusammen mit ihren zwei Söhnen Bahir und Jamaal vor dem Kamin im Schlafgemach des prunkvollen Palastes und erzählt ihnen vom Kennenlernen ihrer Eltern.

„Kinder, nun seit ihr alt genug, um von der abenteuerlichen Geschichte eures Vaters zu erfahren. Aber schweigt still und erzählt niemandem davon, sonst widerfährt dieser Familie großes Unglück!“

Als die Kinder nicken, fährt sie fort.

„Ihr müsst wissen, dass euer Vater Aladin nicht immer dieser angesehene Mann war, der er heute ist. Seinen Reichtum hat er einem Wunder zu verdanken.“

Die Kinder beäugen sie mit großen Augen.

„Vor langer Zeit lebte Aladin mit seiner Mutter in China, der Hauptstadt meines Vaters, dem Sultan. Sein Vater, ein Schneider verstarb früh, sodass die Familie in Armut lebte. Aladin hatte kein Handwerk gelernt und wurde deshalb einen Taugenichts geschimpft. Eines Tages suchte ihn ein Zauberer aus dem fernen Afrika auf und gab sich als sein Oheim aus. Er beschenkte Aladin und seine Mutter großzügig und versprach ihm zu einem eigenen Gewerbe zu verhelfen. Dazu kleidete er euren Vater in die prächtigsten und teuersten Gewänder, die ihr euch vorstellen könnt. Einmal haben die beiden einen langen Spaziergang bis zu den Bergen außerhalb der Stadt gemacht. An einer abgelegenen Stelle machten sie ein Feuer und der Zauberer hat mit einem Zauberspruch die Erde vor ihnen aufgetan.“

Bahir, der kleinere der beiden Brüder fragt seine Mutter neugierig: „Warum hat er das getan?“

Ruhig fährt Badrulbudur fort: „Sichtbar wurde eine Steinplatte auf der ein Ring angebracht war. Der Zauberer befahl Aladin die Platte mit bloßen Händen anzuheben und die sich darunter befindende Treppe hinab zu steigen.“

„Aber war das nicht gefährlich?“, unterbricht sie nun Jamaal.

„Ganz wohl war ihm bei der Sache nicht“, fährt seine Mutter fort „aber er trug einen Ring des Zauberers am Finger, der ihn beschützen sollte. Aladin tat also wie im geheißen und kam in eine Höhle voller Gold und Silber. Er hatte jedoch die Anweisung des Zauberers, welche besagte, dass er all die Reichtümer nicht berühren dürfe und lediglich eine alte Lampe mit hinaus bringen solle, genauestens zu befolgen. Und so kam er zu einer Tür, die in einen prachtvollen Garten führte, wo in einer Nische eine brennende Lampe stand. Aladin löschte die Lampe, kippte das Öl weg und stahl auf dem Weg zum Ausgang der Höhle noch ein paar Edelstein-Früchte von den Bäumen. Als er jedoch am Eingang angekommen war, wollte der Zauberer ihn nicht heraus lassen und ihm nur die Lampe abnehmen. Als sich euer Vater weigerte, ihm die Lampe auszuhändigen, sperrte ihn der Zauberer in der Höhle ein.“

„Und was machte der Zauberer dann?“

„Er verschwand, nachdem er Aladin verfluchte, sodass euer Vater 2 Tage in der Höhle saß und sich bereits mit seinem Schicksal abgefunden hatte als er zufällig an dem Ring rieb und ein Dschinn, der Diener des Ringes, erschien. Der Dschinn befreite ihn aus dieser misslichen Lage und zauberte ihn zurück in die Stadt. Daheim erwartete ihn seine sorgenvolle Mutter, welcher er die ganze Geschichte erzählte. Zusammen beschlossen sie, die alte Lampe zu putzen und anschließend zu verkaufen. Als Aladins Mutter mit einem Tuch über die Lampe rieb, erschien auf einmal ein weiterer Dschinn, der Diener der Wunderlampe. Mit Hilfe des Flaschengeistes war ihr Lebensunterhalt gesichert und so lebten sie viele Jahre sorglos.“

„Und was geschah dann?“, fragt Jamaal.

„Durch einen Zufall erblickte mich euer Vater beim Baden und schenkte mir sein Herz. Er schickte seine Mutter zu uns in den Palast, um bei meinem Vater für Aladin zu werben. Sie überreichte dem Sultan im Namen eures Vaters eine Vase voller Edelsteine. Doch diese Brautgabe war meinem Vater nicht wertvoll genug für die Hand seiner Tochter und so stellte der Großvisir Aladin vor eine unerfüllbare Aufgabe. Er sollte dem Sultan 40 große Becken aus gediegenem Gold, randvoll gefüllt mit Edelsteinen in den Palast bringen. 40 schwarze Sklaven, welche von 40 prächtig gekleideten weißen Sklaven begleitet werden, sollten die Becken tragen. Bereits am nächsten Tag kam Aladin dieser Bedingung nach. Mein Vater war begeistert und versprach Aladin meine Hand. Am nächsten Tag ritt Aladin auf einem prächtigen Pferd, bekleidet mit prachtvollen Gewändern und in Begleitung seiner Mutter sowie einiger Sklaven zum Palast meines Vaters. Er bat ihm um den Bau eines prunkvollen Palastes auf der freien Fläche vor dem seinigen.“

„Und hat ihm der Sultan diese Bitte erfüllt?“

„Ja, das hat er und schon am nächsten morgen stand auf dem einst freien Platz ein ansehnlicher Palast. Mithilfe des Lampengeistes hatte Aladin innerhalb einer Nacht ein Wunder vollbracht. Euer Vater wurde zum beliebtesten Mann der Stadt und das Volk schätzte ihn für seine freigiebige Art. Ihr müsst wissen, dass euer Vater Gold unter den Armen in der Stadt verteilt hat.“

„Das ist eine schöne Geschichte“, seufzt einer der Jungen.

„Und sie ist noch nicht zu Ende“, fährt Badrulbudur fort. „Der böse Zauberer war nämlich aus Afrika angereist und wollte Aladin die Wunderlampe stehlen. Mit einer List ist es ihm tatsächlich gelungen euren Vater zu berauben.“

„Wie hat er das geschafft?“, will Jamaal wissen.

„Als Händler verkleidet brachte er eines der Dienstmädchen dazu die alte Lampe gegen eine neue, glänzende einzutauschen. Um sich an eurem Vater zu rächen rief er den Flaschengeist und befahl ihm, mich und das Schloss nach Afrika zu bringen. Der Sultan und sein Visir glaubten an Zauberei und wollten Aladin vor Sorge um seine Tochter köpfen lassen.“

„Und was passierte dann?“, fragt diesmal Bahir.

„Mein Vater gewährte ihm eine Frist von 14 Tagen um mich wiederzufinden. Mit Hilfe des Dieners des Ringes reiste Aladin nach Afrika, wo sein Palast stand.“

„Konnte der Dschinn den Palast nicht einfach wieder zurück nach China zaubern?“, fragt Jamaal.

„Nein, mein Kind. Ein Dschinn kann nicht das Werk eines anderen Geistes sabotieren.“

„Und wie hat sich Aladin die Lampe zurück geholt?“, fragt Jamaal.

„Wir haben uns heimlich getroffen und uns eine List überlegt, wie wir dem Zauberer die Lampe abnehmen konnten. Ich sollte den Zauberer verführen und ihm beim Abendessen ein Pulver in seinen Wein geben. Ich tat wie mir geheißen und nachdem der Bösewicht seinen Wein getrunken hatte fiel er augenblicklich vom Stuhl. Ich rief Aladin herbei, er nahm dem Zauberer die Lampe ab, welche dieser immer bei sich trug und schlug ihm mit einem Schwert aus Gold den Kopf ab. Mit Hilfe des Lampengeistes brachten wir den Palast zurück nach China, wo mein Vater bereits auf uns wartete und Aladin um Verzeihung bat. Vater organisierte ein zehntägiges Freudenfest. Nach dem Tod des Sultans wurde Aladin sein Nachfolger und seither leben wir glücklich zusammen.“

Die letzten Worte hatten die Kinder gar nicht mehr mitbekommen, denn sie waren vor lauter Erschöpfung in den Armen ihrer Mutter eingeschlafen.

Ende gut, alles gut!

Vanessa Stahlberg, 18.02.2014, 22:01

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