Kamo no chomei: Aufzeichnungen aus meiner Hütte

Japan, 1212, der buddhistische Mönch Kamo no Chomei hat sich in seine kleine selbstgebaute Hütte zurückgezogen. Er wird Zeuge von vernichtenden Naturgewalten, die Japan immer wieder heimsuchen. Wie zum Beispiel einem großen Erdbeben im Jahre 1185, von dem Kamo no Chomei in seinem Text berichtet. Der Mönch lässt den Leser an seinen politischen Beobachtungen und Überlegungen zum Buddhismus teilhaben.

Auch die Hütte spielt eine wichtige Rolle. Zuerst beschreibt Kamo no Chomei wie leicht sie auf und ab zu bauen ist, denn sie ist nicht als etwas Beständiges oder als prunkvoller weltlicher Besitz gedacht. Doch am Ende wird klar, dass er sehr an seiner Hütte hängt, und dass er es so trotz seiner Absicht nicht komplett schafft, sich allem weltlichem Besitzes zu entsagen.

Mit knapp 50 Seiten sind die „Aufzeichnungen“ relativ kurz und gehört zu den bekanntesten, klassischen Texten aus dem japanischen Mittelalter. Genau das macht den Text auf der einen Seite so interessant, aber auf der anderen, gerade für Menschen aus dem westlichen Kulturkreis, schwer zu verstehen, da man mit dem geschichtlichen Hintergrund nicht so vertraut ist. Abhilfe schafft hier allerdings das wunderbare Nachwort der Neuauflage des Inselverlages von 2011. Es ist beinahe so lang wie der übersetzte Text. Die Übersetzerin Nicola Liscutin ordnet den Text nicht nur historisch, sondern auch biografisch ein und informiert umfassend über den Buddhismus im Mittelalter. Dies macht sie so hervorragend, dass man selbst als ehemalige Japanologiestudentin, wie in meinem Fall, etwas lernen kann.

- Maythe Thiedemann, 19.10.2013

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