Aug in Auge (Tschingis Aitmatow)

In „Aug in Auge“ wird die Geschichte eines Deserteurs erzählt, die Geschichte seiner Frau und die Geschichte des Dorfes, in dem sie lebt. Es ist Krieg, alle Männer aus dem Dorf wurden eingezogen. Nur die Alten und Kinder sind bei den Frauen geblieben. Essen ist nicht viel vorhanden, Grundnahrungsmittel werden rationiert ausgegeben. Wenn der Postbote kommt, warten viele auf Nachricht ihrer Männer oder Väter. An Sejdes Hof und dem der Nachbarin ist der Postbote immer häufiger vorbeigeritten, um die verzweifelten Blicke nicht ertragen zu müssen. Denn die Beiden bekommen keine Briefe mehr. Ismail aber, Sejdes Mann, ist des Nachts aus dem Zug gestiegen, zu ihr geschlichen und wird jetzt in den Bergen versteckt. Sejde schätzt sich trotz aller Umstände glücklich, in diesen Zeiten ihren Mann bei sich zu wissen. Als herauskommt, dass er desertiert ist, und sie zur Polizei zitiert wird, bestreitet sie etwas zu wissen. Immer wieder bringt sie ihm Essen von der spärlichen Ration, die sie zur Verfügung hat. Immer ängstlicher wird sie, wenn andere mit ihr sprechen. Was, wenn sie sich verrät, wenn sie etwas falsches sagt? Ismail währenddessen verändert sich zusehends, kann der Welt nichts Gutes mehr abgewinnen, kümmert sich nur noch ums Essen und nicht um seine Frau.

Auf der Suche nach Literatur für meine Leseliste habe ich die Schränke meiner Familie durchwühlt. Unter anderem stieß ich dort auf Bücher von Tschingis Aitmatow. Und zwar jede Menge davon. Dshamilja mag zwar sein bekanntestes Werk sein, hat mich inhaltlich aber nicht angesprochen. Also habe ich mich nach den Klappentexten orientiert als erstes für „Aug in Auge“ entschieden. Die knapp über hundert Seiten waren erstaunlich schnell gelesen, hatte ich doch einen eher schwierig zu lesenden Text erwartet. Stattdessen konnte ich eine spannende Geschichte vorfinden, die sprachlich einfach schön geschrieben ist. Russisch kann ich zwar nicht, aber wenn der Übersetzer seine Arbeit gut gemacht hat, kann ich Aitmatow einen einfachen aber leicht poetischen Stil unterstellen, der den Inhalt vor dem inneren Auge lebendig werden lässt. Mir hat es gefallen.

Iris Ruch

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