Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Vorgestellt von Svenja Simon

 

 

Gen = Wurzel, Quelle, Ursprung
Genbaku = Atombombe
Genki = voller Leben

 

Ich gab meinen Hauptcharakter den Namen >Gen< in der Hoffnung, dass er eine Wurzel und
Quelle der Kraft für eine neue Generation der Menschheit sein kann – einer Generation, die die
verbrannte Erde von Hiroshima barfuß betreten, die Erde unter den nackten Füßen spüren kann und
die Kraft hat, >Nein< zu sagen zu nuklearen Waffen. Ich selbst versuche, mit Gens Stärke zu leben
– das ist mein Ideal und ich werde dieses in meiner Arbeit weiter fortführen“

Keiji Nakazawa, 1987

 

Handlung

Der Manga zeigt das Leben der sechsköpfigen Familie Nakaoka und im Besonderen das ihres
Sohnes Gen in den letzten Tagen vor dem Atombombenabwurf auf ihre Heimatstadt Hiroshima in
erbarmungslosen Zeichnungen.

 

Die  Familie Nakaoka  leidet großen Hunger. Die schwangere Mutter verzichtet auf das Essen, das
ihr Körper und ihr ungeborenes Kind dringend benötigen, da sie nicht mit ansehen kann, wie ihre
restlichen Kinder vor Hunger weinen.

 

Gen´s Bruder Akari wird auf das Land geschickt um dort vor den Angriffen der in der Propaganda
der Regierung betitelten „englischen Hunde“ und „amerikanischen Teufeln“ sicher zu sein, wird
dort aber jeden Tag von Lehrern wie von Dorfbewohner geschlagen und gepeinigt. Zudem muss er
bis zum Rande der Erschöpfung auf den Feldern arbeiten und erhält kaum Nahrung.

 

 Gen´s Vater stellt während des Krieges öffentlich seinen Pazifismus zur Schau, womit er sich
gegen das kaiserliche Regime und dessen Haltung zum Krieg auflehnt. Die Regierung weiß, dass
der Krieg kaum noch zu gewinnen ist, sträubt sich aber gegen diesen Gedanken und übt mit der
Bevölkerung, wie Gen´s Vater sagt: „Lieber mit Bambusstöcken gegen mit Maschinengewehre
bewaffnete Gegner zu kämpfen“. Daraufhin wird er als Verräter angesehen. Seine Familie wird aus
der Gesellschaft ausgeschlossen und leidet zudem unter den Schikanen und körperlichen
Übergriffen der anderen Bewohner.

 

Um dem Leiden und dem schlechten Ruf seiner Familie ein Ende zu bereiten, meldet sich der
älteste Bruder Koji zum Militärdienst. Er kommt schnell hinter die Lügen der Regierung und merkt,
dass sein Vater die Wahrheit gesagt hat: Es ist ein sinnloser, nicht mehr zu gewinnender Krieg, in
dem junge Männer als Kanonenfutter dienen sollen. So wie auch er…...

 

Die Flugzeuge der Sondereinheit wurden um alle unnötigen Teile wie Maschinengewehre
erleichtert. Da sie nicht lebendig zurückkamen, sparte man den Treibstoff für den Rückweg.
Dagegen wurde ein schwerer Sprengkörper montiert“

 

Am 6. August 1945 um 8:15 Uhr wird die Atombombe über Hiroshima abgeworfen. Gen und seine
Mutter müssen mit ansehen wie sein Vater, Schwester und sein jüngerer Bruder in den brennenden
Trümmern ihres Hauses umkommen. Durch den Schock setzten bei seiner Mutter die Geburtswehen
ein und sie gebärt ein Mädchen namens Tomoko. Der Erste Band endet damit, dass seine Mutter die
kleine Tomoko in den „brennenden“ Himmel hochhält und ruft „Wenn du einmal groß bist, darfst
du nie zulassen, dass so etwas noch einmal geschieht! Hast du verstanden?“.

 

Der Manga
In Japan wurde ab 1973 1 ½ Jahre lang in jeder Ausgabe des Magazins „Shonen Jump“ ein Kapitel
von „Barfuss durch Hiroshima“ veröffentlicht. 1975 erschien die Serie erstmals in Buchform in 10
Sammelbänden, die sich mehr als 6 Millionen mal verkaufte. Die Neuauflage erschien später in 8
Bänden

 

„Barfuss durch Hiroshima“ wurde in Deutschland erstmals 1982 vom Rowohlt Verlag veröffentlicht
und war damit der erste Manga auf dem deutschen Markt. Allerdings wurde die Reihe wegen
schlechten Absatzzahlen bereits nach dem ersten Band wieder eingestellt. 60 Jahre nach dem
Atombombenabwurf begann der Carlsen Verlag mit einer erneuten Veröffentlichung des Werkes in
diesmal vier Bänden. Die Süddeutsche Zeitung brachte am 4. Februar dieses Jahres eine
Graphic-Novel-Edition von dem Kriegs-Drama-Manga heraus. Diese Sonderausgabe umfasst die
erhältlichen Sammelbände „Kinder des Krieges 01“ und „Der Tag danach 02“.

 

Inzwischen wurde der Manga in vielen Ländern der Erde veröffentlicht, sodass er in nahezu allen
Weltsprachen gelesen werden kann. Zum jetzigen Zeitpunkt existieren zudem zwei
Realverfilmungen, ein Kinderbuch in Romanform, ein Bilderbuch, eine Oper sowie ein
Zeichentrickfilm.

 

Der Autor
Keiji Nakazawa wurde damals, obwohl er sich nur 1,4 km vom Ground Zero entfernt aufhielt, wie
durch ein Wunder gerettet, verlor jedoch einen Teil seiner Famile. Dieser Manga basiert lose auf
den persönlichen Erlebnissen Keiji Nakazawas, die er nach dem Tod seiner  an den Spätfolgen
leidenden Mutter,  ungefähr 20 Jahre nach  dem Atombombenabwurf  als Manga zu Papier brachte.
Nakazawa selbst leidet unter Diabetes, seit dem jungen Erwachsenenalter ist er zudem an Leukämie
erkrankt. Auch diese Erkrankungen werden auf den Bombenabwurf zurückgeführt und gehört so
auch zu den  Hibakushas – den Atombombenopfern.

(Svenja Simon, 2012)

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