Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses

Ich werde nicht da sein
Ich werde mich erheben und untergehen
Begrabt mein Herz am Wounded Knee.
Stephen Vincent Benet

Sioux, Navajos, Comanchen, Ottawas, Sauks, Shawnees, Choktaws, Apachen, Yumas, Cherokees, Senecas, Pequots.
Das sind nur einige wenige Indianerstämme die auf dem amerikanischen Kontinent lebten. Mit der Eroberung des amerikanischen Westens wurden die meisten Stämme komplett ausgelöscht.

Dieses Buch beschreibt das Eindringen der Weißen aus der Sicht der Opfer. Es schildert die Zerstörung der Kultur und Zivilisation der Indianer. Sie mussten sich 20 Millionen weißen Einwanderern stellen. Diese rodeten ihre Wälder, verschmutzten die Flüsse, rotteten die Büffelherden aus und nahmen den Indianern Stück für Stück ihren Lebensraum.
Mit unvorstellbarer Grausamkeit wurden den Indianern die Lebensweise der Weißen aufgezwängt.
Sie wurden in Reservate vertrieben oder abgeschlachtet (man kann es leider nicht anders ausdrücken), Frauen und Kinder wurden häufig gefangen genommen und als Sklaven verkauft.
Jedes Zugeständnis das Indianern zufiel, wurde wieder zunichte gemacht. Beispielsweise sollte ein Indianerland geschaffen werden. Kein Weißer sollte je einen Fuß auf dieses Land setzen. Doch bevor dieses Gesetz in Kraft treten konnte, kam ein neuer Schwarm weißer Siedler und besetzte das Land. Die Grenzen wurden zuerst verschoben und schließlich komplett aufgehoben.

Die ersten weißen Siedler die nach Columbus kamen wurden am Anfang durchaus freundlich aufgenommen. Man brachte ihnen das Überleben bei. Die Weißen waren unwissend und kamen den Indianern wie hilflose Kinder vor. Diese sahen in den Indianern aber nur Wilde. Auch später konnten viele Stämme die Übermacht der Europäer nicht glauben. Sie waren zuversichtlich das es ihnen nicht wie den anderen Stämmen ergeht und zogen bereitwillig in den Krieg. Das Ende kennen wir alle.

Es gibt leider nur sehr wenige verlässliche Dokumente über die Eroberung des amerikanischen Westens, wie die Indianer sie erlebt haben. Das liegt zum Teil an den Übersetzungen und auch an den Ängsten der Indianer.
Dee Brown nutzte für seine Recherchen unter anderem die Protokolle der offiziellen Verhandlungen mit zivilen und militärischen Vertretern der amerikanischen Regierung.
Es ist ein Buch das erschüttert, ohne Beschönigungen wird von der grausamen Eroberung berichtet. Es ist ein Buch das immer noch aktuell ist, denn die Geschichte wiederholt sich wieder und wieder. Die Völker und die Gründe eines Krieges sind andere, aber das Leiden der zivilen Personen und insbesondere der Kinder ist überall gleich.
Es ist kein literarischer Text sondern ein sachlicher Bericht. Der Leser erfährt die Geschichte einiger Stämme und wichtiger indianischer Persönlichkeiten, wie Sitting Bull, Crazy Horse oder Big Foot. Trotzdem denke ich das jeder einmal dieses Buch gelesen haben sollte.

Es war der vierte Tag nach Weihnachten im Jahr des Herrn 1890. Als die ersten zerfetzten und blutenden Indianer in die mit Kerzen beleuchtete Kirche getragen wurden, konnten jene, die bei Bewußtsein waren, die weihnachtlichen Tannenzweige sehen, die an den Dachbalken hingen. Über den Altar und über die Kanzel war ein Tuch gespannt, auf dem die Worte standen:
FRIEDE AUF ERDEN UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN.

Annika Kreusel, 15.02.2014, 23:40

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