Beowulf

Vorgestellt von Stefanie Holzknecht

Übertragen von Gisbert Haefs

Beowulf ist ein altenglisches Heldenepos und entstand vermutlich zwischen 650 und 700 n. Chr. . Der von einem unbekannten Dichter verfasste angelsächsische Text ist in Stabreimen geschrieben und umfasst 3.182 Verse. Die mir vorliegende Version wurde von Gisbert Haefs ins deutsche übertragen und ist die erste vollständige Prosafassung dieses Werkes.

Die Geschichte um Beowulf und seine Taten spielt in Dänemark und Schweden und gliedert sich in zwei Teile. Ersterer berichtet von Beowulfs Heldentaten in Dänemark, wie er dem Dänenkönig Hrothgar gegen das Ungeheuer Grendel beisteht. Grendel, „ein grässlicher Unhold, der in der Finsternis dräute,…“, überfällt immer wieder die Dänen und tötet diese auf grausamste Art und Weise. Beowulf tötet das Ungeheuer und kurz danach auch die auf Rache sinnende Mutter Grendels. Der zweite Teil spielt fünfzig Jahre später und erzählt vom Kampf gegen einen Feuer speienden Drachen, der das Land verwüstet und bei dem Beowulf sein Leben verliert.

Auffallend am Text ist, dass er immer wieder durch christliche Einschübe gestaltet ist. So auch bei der Beschreibung Grendels:

„Lange hatte er elend unter den Ungeheuern gelebt, jenen aus Kains Sippe, die der Schöpfer verflucht und verbannt hat. Der Ewige hatte dies als Vergeltung für den Mord an Abel festgesetzt. Schlimm erging es Kain, dem die Fehler nur dieses Eintrug: Fern von den Menschen vertrieb ihn Gott wegen der Tat.“

Gleich zu Beginn des Epos schreibt der Dichter auch die Gründe für diese Einschübe auf.

„Es ist die zweite Fassung. Die erste hat der Abt schaben lassen. Er sagte nicht mehr als: “Was hat das mit Christus zu tun?“ (…) Ferner mag es dich zu lesen erheitern, daß der Sänger in Hrothgars großer Met-Halle die Schöpfungsgeschichte singt.“

Auch vor dem historischen Hintergrund erklären sich diese Einschübe. Ca. ab dem 6. Jhd. begann die Christianisierung der angelsächsischen Völker und damit waren religiöse Zitate und Begebenheiten in Texten immer häufiger zu finden. Die Geschichte um Beowulf ist aber auch unter Vernachlässigung dieser Passagen gut zu lesen. Grendel kann auch wunderbar als Troll, ganz in germanischer Tradition, verstanden werden. Ein Interesse des Lesers um diese Zeit vorausgesetzt, wird einem auf unterhaltsamer und nachhaltiger Weise das gesellschaftliche Leben eröffnet. Heldentum, Mut und Treue waren die wichtigsten Inhalte dieser Zeit.

„Zu wenig ehrenhafte Beschützer scharten sich um den Fürsten, als diese schlimme Zeit für ihn kam. (…) Jedem aus eurer Sippe wird auf immer das Landrecht entzogen, sobald die Landsleute in der Ferne von eurer treulosen Tat erfahren.“

Die Geschichte von Beowulf und seinen Taten hat auch immer wieder Einfluss auf Literatur und Film. So übernahm z. B. J.R.R. Tolkien in seinen Mittelerderomanen Namen und Motive, insbesondere für die Beschreibung der Kultur Rohans. Bekannte Serien wie Star Trek: Raumschiff Voyager bedienten sich auch immer wieder aus diesem Epos und erst 2007 kam eine vollständig animierte Version „Die Legenden von Beowulf“ ins Kino.

Gilbert Haefs gelingt es eindrucksvoll die Stimmung der Zeit in seinem Prosawerk einzufangen. Mit einer durchgehend antiquierten und damit sehr treffenden Sprache ist ihm eine lesenswerte Version eines über 1500 Jahre alten Textes gelungen. Der Tonfall und die Sprache vermitteln ein gewisses Gefühl für die damalige Zeit. Haefs selbst erwähnt, dass er auch in Versform, aber in moderner Sprache, hätte schreiben können, doch wer läse schon freiwillig Versepen. Vor allem in diesem Punkt ist dem Autor meines Erachtens recht zu geben, denn mit seiner Fassung hat er allen Lesern ein Zugang zu diesem alten Epos verschafft und ich kann es mit voller Überzeugung weiterempfehlen

Stefanie Holzknecht

Vorgestellt von Christin Möller

Schauplatz dieses Epos ist hauptsächlich Dänemark, aber am Rande auch Südschweden.

Es beginnt mit der Aufzählung der Vorfahren des Dänenkönigs Hrothgar, der für seine ruhmreichen Krieger die prachtvolle Festhalle Heorot errichten lässt. Doch in der Nacht eines jeden Festes kommt das Ungeheuer Grendel, der die Fröhlichkeit nicht erträgt, und tötet auf grausame Weise einen der Krieger. In seiner Verzweiflung lässt Hrothgar die Halle schließen und fleht die Götter um Hilfe an. Diese erscheint in Gestalt Beowulfs und dessen Krieger. Sie öffnen die Halle wieder, feiern ein Fest und legen sich auf die Lauer für Grendel. Dieser kommt und wird von Beowulf tödlich verwundet. Daraufhin will Grendels Mutter ihren Sohn rächen, doch auch sie wird von Beowulf erschlagen. Mit kostbaren Schätzen beladen, die er als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung von Hrothgar erhalten hat, reist Beowulf in seine Heimat zurück, wird dort ebenfalls als Held gefeiert und schließlich zum König ernannt, als der Alte stirbt. Viele Jahre verteidigt er sein Königreich erfolgreich gegen seine Feinde, als ein Drache Land und Leute bedroht. Beowulf, mittlerweile ein alter Mann, zieht ein letztes Mal los, um das Ungeheuer zu töten. Dies gelingt ihm auch, aber er wird dabei selbst tödlich verwundet und stirbt. Das Epos endet mit seiner feierlichen Verbrennung.

Die Geschichte Beowulfs ist das älteste vollständig erhaltene germanische Heldenepos, das uns in die Zeit der Völkerwanderung führt, in der geschichtliche Überlieferung und märchenhafte Erzählung noch nicht voneinander zu trennen sind.

Es zählt mit seinen 3182 Stabreimzeilen zu den größten Schätzen altenglischer Literatur und die einzige existierende Handschrift, aufgezeichnet um das Jahr 1000, wird in der British Library in London aufbewahrt.

Das Epos selbst soll in den Jahren 725-730 entstanden sein. Eine Zeit, in der sich die Angelsachsen bereits offiziell zum Christentum bekannten, die Vereinigung christlicher und germanischer Auffassungen jedoch noch nicht vollzogen war. Dies wird im Beowulf besonders deutlich, da sich beide Ideale und Vorstellungen in ihm wiederfinden lassen.

So stellt Beowulf selbst das Idealbild eines germanischen Kriegers dar und mit ihm die Tugenden des Mutes, der Kühnheit, der Entschlossenheit, der Treue, der Ehre und auch die der Rache. Gleichzeitig werden die christlichen Tugenden der Mäßigung, der Selbstlosigkeit, der Hingabe und der Nächstenliebe gepriesen. Gegenüber stehen sich der germanische Schicksalsglaube und der christliche Gottesglaube.

Die Gemeinsamkeit besteht in der Unterteilung zwischen Gut und Böse oder auch Gott und Teufel. Beowulf symbolisiert das Gute und Grendel und dessen Mutter, sowie der Drache das Böse.

Der Verfasser dieses Werkes ist unbekannt, wie auch zum Beispiel der Autor des mittelhochdeutschen Nibelungenliedes.

Aufgrund der angewandten stilistischen Mittel wird davon ausgegangen, dass der Verfasser sich bestens mit der antiken und germanischen Dichtung auskannte und auch ansonsten ein belesener Mann war, der sich klassischer Quellen, wie zum Beispiel Vergils Aeneis und Homers Odyssee & Ilias, bedient hat. Aber auch die Bibel hatte einen großen Einfluß das Werk. So wird Grendel als ein Abkömmling Kains dargestellt. Des Weiteren ist er auch mit den Riesen der Edda vergleichbar.

Eine weitere Verknüpfung besteht in der Bezeichnung der Menschenwelt. In der Edda namentlich als Midgard bekannt, im Beowulf als Mittelerde, welchen Tolkien für seinen Herr der Ringe übernahm.

Die gesamte Atmosphäre im Beowulf ist sehr ernst und düster und hervorgehoben werden Kummer, Trauer und Sorgen der Personen. Besonders das Ende ist von Pessimismus geprägt. Dies spiegelt wahrscheinlich die Stimmung wider, die im England des 8.Jahrhunderts geherrscht hat.

An dieser Stelle möchte ich jedem Interessierten den Film „Der 13. Krieger“ empfehlen. Er übernimmt den Inhalt zwar nicht 1 zu 1, ist aber stark an ihn angelehnt und gibt die beschriebene Atmosphäre und den Zeitgeist wieder.

Lesenswert ist dieser Stoff aus dem Legenden sind auf alle Fälle, aber es ist keine leichte Lektüre und man sollte sich Zeit dafür nehmen. Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt, da ich auf eine sehr poetische Art und Weise einen Einblick in das damalige Leben bekommen habe.

(Christin Möller, 2009)

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