Reinaldo Arenas, Bevor es Nacht wird


In seiner Autobiographie beschreibt Reinaldo Arenas eindrucksvoll sein Leben in Kuba, bis hin zu seiner Flucht nach Amerika. Angefangen bei seiner Kindheit, die er zusammen mit seiner Mutter, der Vater hat beide sitzen lassen, auf dem Land verbringt.

Meine Kindheit war, glaube ich, unvergleichlich schön, weil sie sich im absoluten Elend, aber auch in absoluter Freiheit abspielte; im Wald inmitten von Bäumen, Tieren, Gespenstern und Menschen, denen ich völlig gleichgültig war.

Er entdeckt schon früh seine Homosexualität aber auch seine Liebe zum Schreiben, dies wird allerdings nur von seiner Lehrerin gewürdigt. Später zieht die ganze Familie gezwungenermaßen in die nahegelegene Stadt Holguín um. Aber das Leben wurde dort immer unerträglicher und Reinaldo entschloss sich mit vierzehn Jahren fortzugehen und sich den Rebellen von Fidel Castro anzuschließen. Kurze Zeit später wurde dann die Regierung von Bastita gestürzt und Fidel Castro zog in Havanna ein. Zuerst waren Reinaldo und die anderen Kubaner voller Begeisterung, allerdings sollten sie schnell merken, dass sich langsam eine neue Terrorherrschaft ankündigte. Reinaldo Arenas ging nach Havanna um dort zu studieren und fängt mit dem Schreiben an, mit der Zeit spitz sich allerdings die politische Lage immer weiter zu, denn die Diktatur fängt an „Jagt“ auf Schwule und Regimegegner zu machen. So kann er sich nicht öffentlich zu seiner Homosexualität bekennen und als oppositioneller Schriftsteller ist er gezwungen heimlich literarische Treffen zu veranstalten. Er versucht auch mit Hilfe von Freunden seine Manuskripte außer Landes zu bringen und dort zu veröffentlichen.
In einer verzweifelten Situation versucht er schwimmend eine amerikanische Militärbasis zu erreichen, dieser Versuch scheitert allerdings und er wird nach endlosen Verhören ins Gefängnis gesteckt. Hier werden die Menschen unter den schrecklichsten Bedingung festgehalten, Reinaldo versucht zu fliehen, seitdem ist er auf der Flucht und versucht noch dringender nach Amerika zu gelangen. Diese Versuche scheitern allerdings und er findet sich in einer Art Arbeitslager wieder, dort will ihn die Regierung rehabilitieren. Reinaldo wird dann entlassen.

Auf der Mauer meinem Zimmer gegenüber hingen mehrere Transparente mit der Aufschrift:
SOLLEN DIE HOMOSEXUELLEN DOCH GEHEN,
SOLL DER ABSCHAUM DOCH GEHEN.
Genau das wollte ich ja, aber wie? Der Irrwitz war, daß die Regierung uns einerseits beleidigte und schrie, wir sollten gehen, uns andererseits aber nicht gehen ließ.[…] weder Personen mit Hochschulabschluss durften ausreisen noch Schriftsteller, die wie ich Bücher im Ausland veröffentlicht hatten.

Später kann er unter glücklichen Umständen doch noch fliehen und lebt seitdem im Exil, erst in Miami und anschließend in New York. Später diagnostiziert man bei ihm Aids und 1990 beging er Selbstmord.

Ich kannte Kuba eigentlich nur aus dem Geschichtsunterricht in Zusammenhang mit dem Kalten Krieg, diese Buch hat mir Kuba erst wirklich nahe gebracht. Reinaldo Arenas schreibt so farbig und emotional, dass man einerseits für Kuba ins schwärmen kommt, andererseits wird einem vor Augen geführt, was es bedeutet in einer Diktatur zu leben, besonders als Oppositioneller. Fällt ein Mensch nur ein wenig aus dem Raster, wird er sogleich von der Regierung schikaniert, verfolgt und ins Gefängnis gesteckt. Ich finde dieses Buch sehr facettenreich, es beinhaltet so viele verschiedene Themen, dass es einfach nie langweilig wird zu lesen.
Allerdings gibt es in meinen Augen auch einen kleinen Kritikpunkt an diesem Buch, denn besonders in dem Abschnitt seiner Kindheit, finde ich, beschreibt Reinaldo Arenas einige sexuelle Passagen, von denen es relativ viele gibt, ein wenig zu detailiert. Auch wenn alles so statt gefunden hat, hätte er uns ruhig ein paar Information vorenthalten können.

(Sandra Benthien, 2008)

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