Hermann Melville: Billy Budd

Vorgestellt von J. Rupp

Herman Melville war ein Schriftsteller des 19. Jahrhundert. Er wurde in New York City im Sommer 1819 geboren und starb am 1891. Mister Melville, wie ihn vermutlich seine Schüler nannten, war ursprünglich Lehrer, das aber nur drei Jahre lang. Danach verschlug es ihn auf die See und heuerte auf dem Walfänger Acushnet an. Schnell merkte er, dies ist nicht die richtige Umgebung für ihn. Ebenfalls waren die Zustände an diesem und an mehreren anderen Schiffen unzumutbar, sodass er sich schon bald nur dem Schreiben widmete. In „Redburn“ verarbeitet er seine Erfahrungen auf hoher See. „Moby Dick“ war sein bedeutenstes Werk. Hier möchte ich aber „Billy Budd“ vorstellen, welches lange verschollen war und erst 1924 wiederentdeckt wurde. Wer dieses Buch liest, darf sich wie ein echter Lektor fühlen und Mister Melville in Gedanken Verbesserungsvorschläge senden, denn es ist nur ein Manuskript.

Diese Geschichte findet im Jahre 1797 statt und spielt hauptsächlich auf dem englischen Kriegsschiff Indomitable. In „Billy Budd“ dreht sich alles um, oh Wunder, Billy Budd. Unser Protagonist ist ein junger, gut aussehender Matrose und wird bewundert von seinen Kameraden. Er trägt den Spitznamen Baby, weil er nie jemandem etwas Böses will, blendend schön, zuvorkommend und daher allseits beliebt, hat er doch einen Makel. Genauer gesagt zwei. Nummer 1: Wenn er aufgeregt ist, oder in Bedrängnis gerät, fängt er an zu stottern. Nummer 2: Er ist so lieb und naiv, dass er das Böse nie kennengelernt hat. Die Kombination aus beiden Fehlern wird ihm später zum Verhängnis.

Der Gegenspieler des lieben, unschuldigen Babys ist der Bootsmann John Claggart: Er gibt sich ihm zwar freundlich gegenüber, ist aber in Wahrheit furchtbar eifersüchtig. Dies geht soweit, dass er zum Kapitän Vere geht und ihm eine Lügengeschichte erzählt. Nämlich, dass Billy in Wahrheit eine Meuterei anzettelt und nur so tut als sei er nett um sich in Sicherheit zu wiegen. Kapitän Vere glaubt ihm zunächst nicht, bestellt sich dann aber doch die beiden zu sich und befielt Claggart seine Beschuldigungen gegenüber Billy zu äußern.

Der naive Billy „Baby“ Budd kann vor Schreck gar nicht sprechen. Sein alter Sprachfehler tritt wieder stark auf und er bringt keinen Ton raus. Nach einer Weile der gequälten Stille, schlägt er John Claggart zu Boden. Der Schlag ist tödlich. Das dies eine Affekthandlung ist, war Kapitän Vere und auch dem berufenen Kriegsgericht völlig klar. Aber aus der ständigen Angst vor einer Meuterei, fühlen sie sich gezwungen an ihm ein Exempel zu statuieren und sie fällen das Todesurteil. Er wird schon im Morgengrauen erhängt.

Bald darauf gab es ein Gemetzel mit einem anderem Schiff und der Kapitän stirbt dabei. Sein letzten Worte waren: „Billy Budd. Billy Budd.“

Später steht in der Zeitung, Billy Budd habe Claggart erstochen.

J. Rupp, 01.02.2013

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