Francoise Sagan: Blaue Flecken auf der Seele

Blaue Flecken entstehen durch Druck, hinterlässt bedrückt sein – Depressionen – blaue Flecken auf der Seele?

„Blaue Flecken auf der Seele“ zählt zu den unbekannteren Romanen der Francoise Sagan. Berühmt, reich und kritisiert für ihr offene, tabubrechende Art wurde sie 18jährig mit ihrem Debütroman „Bonjour Tristesse“ in Frankreich Anfang der 60er Jahre. Bis zu ihrem Tod 2004 schrieb sie mehr als 40 Theaterstücke und Romane. Ihr Hauptinteresse galt den Abgründen der menschlichen Beziehungen: Leidenschaft, Eifersucht, Tragödie.

In diesem Roman greift sie Figuren ihres früheren Theaterstückes „Schloß in Schweden“ wieder auf. Die Geschwister Eléonore und Sébastien Van Milhelm lässt sie zehn Jahre später im Paris der 70er Jahre erscheinen. Beide sind um die vierzig, sehen bezaubernd aus und wirken auf ihre Umwelt anziehend. Sie lieben das genussreiche Leben ohne die Mittel dafür zu besitzen. Scheinbar sorglos und unbekümmert lassen sie das Leben für sich sorgen sowie diverse Gönner. In Paris angekommen stellt der befreundete Geschäftsmann Robert Bussy den beiden Schweden die Lebensgrundlagen, bis Sébastien in der amerikanischen Clubbesitzerin Nora Jedelmann eine Gönnerin findet, die die Geschwister unterhält, wie auch sie auf gewünschte Weise unterhalten wird. Eléonore bedient sich des aufstrebenden Schauspielers Bruno Raffet. Robert Bussy allerdings hegt innige Gefühle für den von ihm entdeckten Schauspieler Bruno und fühlt sich durch seine auf Sicherheit bedachte Art zu leben, ausgeschlossen aus dem unbeschwerten Kreis. Um seine Einsamkeit zu betäuben und Ruhe zu finden nimmt er Beruhigungsmittel, die ihn nicht wieder aufwachen lassen. Da kippt das unbeschwerte Dasein der sorglosen Drei. Fühlen sie sich doch tief betrübt und verantwortlich für den Tod des Freundes, den sie nicht verhinderten …Traurigkeit, Gewissen hinterlassen blaue Flecken auf der Seele?

Offen und aufrichtig gewährt Francoise Sagan dem Leser Einblick in ihr Leben. Sie lässt uns teilhaben an ihren Gedanken über ihre persönliche Verfassung und die der Pariser Gesellschaft jener Zeit sowie am Entstehungsprozess der Geschichte um das schwedische Geschwisterpaar. Diese fiktive Geschichte bildet scheinbar den roten Faden in den ihre Reflexionen, die in viele Richtungen - von Erotik, Emanzipation, Einsamkeit bis hin zur Politik - kreisen, eingewoben sind. F.Sagan stellt sich zwischen ihre Romanfiguren,vergleicht sich mit deren Verhaltensweisen,greift dabei auf ihr eigenes Leben zurück. So entsteht eine delikate Mischung aus Fiktion und Realität - aus scheinbar oberflächlich angeordneter Handlung und Relexion über das eigene Leben.

Alles liest sich ,als würde man Francoise Sagan -wie einer guten Freundin- bei einem Milchkaffee oder doch eher einem Glas Wein zuhören, während sie sich zwischendurch entschuldigt, um sich den Van Milhelms zu widmen. Menschlich unaufdringlich berichtet F.Sagan von ihrer persönlichen Krise im Frühling 1971 bis 1972 in diesem teils autobiographischen Roman.

LeserInnen, die bei der Auswahl ihrer Lektüre Ablenkung vom realen Leben suchen, würde ich dieses Buch nicht empfehlen, auch weiß ich nicht, ob Männer Interesse daran finden.

Dieses Buch handelt vom Leben und Lieben- das nicht nur Höhen sondern auch die Tiefen kennt.

Mich hat dieses Buch neugierig gemacht, mehr von Francoise Sagan zu lesen, muss ich doch zugeben bisher nur dieses zu kennen.

( Anke Burghardt, 2009 )

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