Walter Farley: Blitz, der Schwarze Hengst

Vorgestellt von Simone Möbius

Blitz der schwarze Hengst mag nicht im engeren Sinne zu den Kinderbuchklassikern der amerikanischen Literatur gehören - aber für mich ist die Geschichte über das prachtvolle arabische Rennpferd und seiner ungewöhnlichen Freundschaft zu dem Jungen Alexander „Alec“ Ramsey immer genau das gewesen.

Der Beginn dieser Geschichte wartet mit den Elementen einer schönen Abenteuergeschichte auf: Alec befindet sich auf dem Ozeandampfer Drake auf dem Rückweg von Indien nach New York, wo er die Ferien bei seinem Onkel verbrachte und Reiten lernte. Der rothaarige Junge trägt stolz das Geburtagsgeschenk seines Onkels in der Hosentasche: Ein graviertes Taschenmesser. Es ist dieses Taschenmesser, dass ihm, ganz im Sinne guter Abenteuermanier, bald darauf das Leben rettet - und der schwarze Araberhengst, der an einem kleinen Hafen von dunkelhäutigen Männern an Bord der Drake gebracht wird. Der Hengst ist ebenso prachtvoll wie wild, doch Alec ist begeistert und beginnt langsam und behutsam sich ihm zu nähern.
Abenteuerlust steckt Walter Farley im Blut. Farley selber nutzte sein erstes Einkommen zum Reisen und verbrachte viel Zeit im Leben in fremden, aufregenden Ländern.

Während des schrecklichen Unwetters, das die Drake zum kentern bringt, sorgt der Junge sich um das Pferd, doch Alec ist kein Held. Angst lähmt ihn und es sind der Zufall und das Pferd die sein Leben retten.
Das Überleben auf der Insel ist das erste gemeinsame Abenteuer der beiden und der Beginn ihrer außergewöhnlichen Freundschaft. Doch Farley hält die Waage: Alec wird kein heldenhafter Survialkünstler, sein Unterstand fängt Feuer. Doch das Feuer wird zufällig von einem Schiff entdeckt. Auch beseitigt das Band zwischen ihm und dem Hengst nicht alle Probleme: Blitz zu bergen und nach New York zu bekommen erweist sich als schwierig und nicht selten gefährlich. Alec muss Verletzungen und Entbeehrungen in Kauf nehmen, denkt allerdings nie groß über diese nach. Er folgt seinem Herzen und dieses sowie hilfsbereite Menschen bringen ihn und seinen neuen Freund schließlich in New Yorks Hafen.
Hier zeigt sich der beinahe kindliche opimistische Geist, der sich im ersten Band der Reihe kontinuierlich aufrecht hält: Alec und Blitz erleben eine Menge und werden immer wieder vor neue Hindernisse gestellt, überwinden diese jedoch alle und begnen keiner ernst zu nehmenden Bedrohung.
Dieser etwas unrealistischer Optimismus passt zur deutlisch spührbaren Begeisterung des Autors und zu seinem Alter. Denn den ersten Band verfasste der pferdenärrische Farley noch in seiner Schulzeit und vollendete ihn mit 18 an der Universität. In späteren Bänden wird er differenziert, mit Farley wird auch Alec erwachsener.

In New York unterläuft der Spannungscharakter der Geschichte eine Wendung: Das Abenteuer tritt in den Hintergrund.
Zunächst muss Alec einen Weg finden Blitz zu behalten, dann machen er und Henry Dailey, ein ehemaliger Jockey und Trainer bei dem Blitz untergebracht ist, sich daran die Idee zu verfolgen die sich von Anfang angedeutet hat: Blitz gehört auf die Rennbahn.
Dies ist sicherlich Farley eigener Affinität zum Pferderennsport verschuldet und unterschied The Black Stallion von anderen Pferdeabenteuergeschichten wie Fury, die sich ebenfalls durch die Faszination eines wilden Hengstes und seiner Freundschaft zu einem Jungen auszeichnen.

Viel geschieht bis es Henry und Alec tatsächlich gelingt Blitz gegen die beiden Champions laufen zu lassen. Der Ausgang dieses Sonderrennens zwischen den beiden umjubelten Siegern und dem unbekannten, belächlten Pferd ist eigentlich von vornehinein klar: Blitz gewinnt. Und bricht einen Weltrekord. Doch Langeweile lässt dieser Umstand nicht aufkommen. Der Autor teilt bisweilen die Unberechenbarkeit seiner vierbeinigen Hauptfigur, wenn auch mit oben beschriebenen kindergerechten Optimismus.
Zudem erzeugt Farleys Schreibstil temporeiche Spannung und kribbelnde Aufregung: Die Geschichte steht nie still, ein Ereignis jagt das nächste, und das Ausrufezeichen darf sich über ungewöhnlich häufige Auftritte freuen. Die schnelle Ereignisabfolge erzeugt Spannung und der Verzicht auf umfangreiche Beschreibungen Spielraum für die eigene Fanatsie des Lesers.
Farley ereicht damit etwas Besonders: Er reißt den Leser mit in seine Begeisterung, in jenes prickelndes Abenteuergefühl, beschwört die Bilder eines prachtvollen schwarzen Hengstes vor dem inneren Auge und erfüllt das Herz mit der Faszination einer ganz besonderen Freundschaft, von der viele Kinder träumen - nicht nur, wenn auch insbesondere Pferdenarren.

Vermutlich ist dieser Begeisterung und Anregung der Fantasie der schnelle Erfolg des Buches zu verdanken: 1944 gewann „The Black Stallion“ den Young Readers Choice Award und bereits 1949 gründete sich der erste Fanclub. Auch die Fortsetzung der Reihe ist teils sicher der zahlreichen Fanpost geschuldet und die Bücher um den Schwarzen Hengst wurden in dn 1940er und 50er auf der New York Times Annual Bestselling Childrens Books Liste geführt.

Walter Farley sagte später Schreiben sei ihm immer ein Herzenswunsch gewesen. Als großen Literaten, gemessen an Schreibstil, Art und Tiefgründigkeit seiner Thematiken ist er allerdings, gerade in den jungen Jahren, nicht zu bezeichnen.
Die Reihe gewinnt an Vielschichtigkeit mit der Verfolgung von Blitz Vergangenheit und Alecs Erwachsenwerden, darauf aber zum Beispiel die komplexe Thematik der fremden arabischen Kultur aufzunehmen verzichtet Farley und driftet eher in die Welt des Mystischen ab. Über die Schwierigkeiten und Brutaliät der Welt des Rennsports erfährt der Leser mehr, der gute Ausgang aber bleibt stete Gewissheit.
Einen Platz zwischen den Kinderbuchklassikern bekommt er bei mir trotzdem. Und vielleicht gerade deswegen. Er schrieb zeitlebends für Kinder, insbesondere die Eignen, und erzählt ihnen Geschichten. Und Geschichten erzählen kann er. Die Kompistion der zahlreichen Storyelemente ist gut. Der Ideenreichtum des Autors scheint unerschöpflich. Charaktere und Ereignisse sind lebendig, Spannung wird stets geschickt aufrecht gehalten und trotz allem Optimismus malt Farley nicht rein schwarz-weiß: Wildheit, Pracht und das außergewöhnliche Können des schwarzen Hengstes bedingen einander, gehören zusammen und verleiten viele dazu ihn als „Teufel“ zu bezeichnen, was wie wir im zweiten Band erfahren die Bedeutung seines eigentlichen Namens entspricht: Sheitan.

Simone Möbius, 23.02.2014

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