Hugh Laurie: Bockmist

Als erstes möchte ich anmerken, dass der Titel „Bockmist“ ziemlicher Bockmist ist. Auch das Coverbild, das der Heyneverlag da benutzt ist – salopp ausgedrückt – „total für'n Arsch“ Stünde der Name des Autors nicht so prominent auf dem Umschlag, mich hätte das Buch nicht angesprochen. Nur weil ich Hugh Laurie als Komiker kennen und schätzen gelernt habe, kam ich überhaupt auf die Idee, den Klappentext zu lesen.

Auf welchen Inhalt schließt man wohl, wenn man nur das Cover sieht?

Ja, genau… Es geht um Thomas Lang, Exsoldat und -Geheimdienstler, der in undurchsichtige, illegale Machenschaften rund um den Waffenhandel verwickelt wird. Die Geschichte beginnt mitten im Geschehen. Der Leser wird direkt angesprochen, soll sich vorstellen, jemandem den Arm brechen zu müssen, und wird gefragt, ob er das schnell oder qualvoll langsam tun würde. Der Fragensteller ist Lang selbst, der einen dann langsam durch eine verworrene Geschichte führt, in der man nie sicher sein kann, wer jetzt auf wessen Seite steht, wem vertraut werden kann. Der lockere Schreibstil steht einer Agentengeschichte vom Feinsten gegenüber. Wer Satiren mag und zur Abwechslung mal keinen überinformierten Alleskönner im Stile eines James Bond, sondern einen extrem unwissenden Helden, der eigentlich dauernd nur reagiert, in Aktion erleben will, kann sich das Buch getrost zulegen. Ehrlich, der Inhalt hat mit dem Cover nichts zu tun.

Vielleicht sollte ich an der Stelle erwähnen, dass der Originaltitel „The Gun Seller“ lautet. Und auch auf früheren deutschen Versionen „Der Waffenhändler“ als Titel zu lesen war. Nebst Bildern, die auch mehr mit dem Inhalt zu tun haben.

Zum Beispiel das Cover, das Random House bei der Neuauflage von 2004 zu bieten hat.

Schlicht, aber doch vielsagend. Der Titel wird perfekt von dem Bild unterstützt. Die Waffe steht für die Waffe, und das Dollarzeichen für das Geld, das der Waffenhändler mit Waffen macht. Herrlich einfach und passend. Außerdem ist die Hauptfarbe angenehmer fürs Auge als das Grellgrün von „Bockmist“ (das wegen der Streifen außerdem sehr an Schmitz' Katze erinnert)

Ein anderes Beispiel wäre das Washington Square Press Cover von 1996

Das sieht zwar etwas reißerisch aus, aber zum Inhalt passt es fast noch besser als das schlichte 04 Cover. Immerhin handelt es sich um eine Parodie eben solch reißerischer Agententhriller. Außerdem haben wir wichtige Informationen zum Inhalt auf dem Cover. Als da wären: der Titel (wie gehabt) und eben Waffen sowie Einschusslöcher, woraus man schonmal schließen kann, dass Gewalt durchaus eine Rolle spielt. Eine blaue Unterhose sagt das nicht so eindeutig…

Dann gibt es da noch eine Version von Rowohlt, erschienen 1999.

Der Titel passt. Und man sieht tatsächlich den Schatten einer Schußwaffe. Hilft doch bezüglich des Inhalts zumindest ein bisschen weiter. Wenn man das so sieht, liest man den Klappentext vielleicht eher.

Und dann ist da noch mein absoluter Favorit Herausgekommen bei Haffmans, 1997

Es ist trivial, es ist leicht überladen, und es zeigt einfach auch verdammt viel, was dann im Buch vorkommt. Wir sehen Lang als einen Ritter in glänzender Rüstung, der eine Prinzessin zu retten versucht (der obligatorische Love-interest). Sein stolzes Ross ist ein Motorrad, Langs bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Im Hintergrund erkennt man noch jede Menge Industrie - boshafte Verursacher von Langs Dilemma, und das nur, weil sie durch illegale Methoden dafür sorgen wollen, dass ihr neuer Kampfhubschrauber - zu sehen rechts oben - an den Mann gebracht werden kann, und möglichst viel Geld bringt.

Iris Ruch

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