J.R.R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann

Vorgestellt von Lena Petersen

Jedes Jahr bekommen die Kinder von J.R.R. Tolkien nicht nur ihren Weihnachtsstrumpf von Father Christmas, also dem Weihnachtsmann, gefüllt, sondern auch mindestens einen Brief von ihm persönlich. Tolkiens Kinder John, Michael, Christopher und Priscilla dürfen sich von 1920 bis 1943 jedes Jahr freuen. „Manchmal fand sich der schneebestäubte Umschlag, der die Marken der Nordpolpost trug, am Morgen, nachdem der Weihnachtsmann dagewesen war, irgendwo im Haus, manchmal brachte ihn auch der Postbote (S. 5).“

In der Weihnachtszeit schreiben die Kinder auch selbst Briefe an den Weihnachtsmann, die sie ihm auf den Kamin legen. Immer wenn gerade niemand im Zimmer ist, verschwinden die Briefe urplötzlich. Anfangs, als es nur den kleinen John gibt, sind die Briefe noch sehr kurz, werden aber von Jahr zu Jahr länger. Auch die Handlung wird immer interessanter und die Personen werden mehr. Mit der Zeit gesellen sich zu dem Weihnachtsmann sein Helfer der Polarbär und sein Sekretär Ilbereth, ein Elbchen. Auch von anderen Wesen wimmelt es bald in den Geschichten. Schnee- Elben, Rote Wichtel, Schneemänner, Drachen, Höhlenbären und die beiden Neffen des Polarbären, Paksu und Valkotukka sind keine Seltenheit. In den Briefen hat auch jeder Charakter seine eigene Handschrift. Der Weihnachtsmann schreibt in einer sehr zittrigen, schwer zu lesenden Schrift, der Polarbär dagegen schreibt wegen seiner großen Pranken sehr dick. Der Polarbär gibt gerne überall seinen Senf dazu und schreibt für den Weihnachtsmann weiter, wenn der gerade keine Zeit mehr hat. Der Weihnachtsmann schreibt den Kindern davon was er bei der Erfüllung seiner anspruchsvollen Aufgabe erlebt, welche Pannen bei den schwierigen Weihnachtsvorbereitungen passieren können und warum es einige Weihnachtsfeste beinahe nicht gegeben hätte.

Tolkien mal von einer anderen Seite, ganz ohne Hobbits, Elben und Zauberer. Trotzdem zeigt dieses Buch über welchen unfassbaren Reichtum an Fantasie Tolkien verfügte. Das Buch wurde nicht von Tolkien persönlich herausgegeben, sondern von seiner Schwiegertochter Baillie Tolkien, der Frau Christopher Tolkiens. Trotzdem sind alle abgedruckten Briefe und Bilder von Tolkien persönlich geschrieben und gemalt. Es ist absolut rührend über diese Briefe die Kindheit der Tolkiens aus einem ganz besonderen Blickwinkel zu beobachten. Von Jahr zu Jahr schreibt der Weihnachtsmann den Kindern was in seinem letzten Jahr passiert ist, gibt dem Leser aber auch viel über die Kinder preis. So erfährt man wie die Kinder älter werden und aufhören an den Weihnachtsmann zu schreiben, aber auch was sie in diesem Jahr geschenkt bekommen haben.

Nicht jeder hat einen Tolkien zum Vater, der über den Zeitraum von mehr als 20 Jahren diese Tradition der Briefe vom Weihnachtsmann aufrecht hielt, bis schließlich auch das letzte Kind zu groß dafür war. Dieses Buch hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, denn diese wunderschön aufgemachte Sammlung lässt uns ein wenig bei den Tolkiens durchs Schlüsselloch schauen. Besonders toll sind auch die fantasievoll gestalteten Bilder, die aus Tolkiens Feder stammen. Auch sie zeigen wie viel Arbeit, Mühe und Liebe in diesen Briefen stecken. Ich kann Tolkiens allgemeine Leistungen als Vater schlecht beurteilen, jedoch erscheint es mir absolut besonders, dass er es geschafft hat, diese Geste über einen so langen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Es ist wirklich sehr gut dafür geeignet um es zur Weihnachtszeit zu lesen, denn weihnachtliche Stimmung kommt durch die festlichen Geschichten sofort auf.

Ein großer Spaß für Groß und Klein.

Lena Petersen (2017)

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