Bunbury (von Oscar Wilde) vs. Vorsicht vor Leuten (von Ralf Husmann)

Ein ungewöhnlicher Vergleich zweier Lügengeschichten

Ich hätte nie gedacht, dass mich ein derartig altes Werk so amüsieren kann. Hätte ich die Zeit, ich könnte es immer wieder lesen und immer wieder darüber lachen. Aus Schulzeiten verband ich eigentlich nie wirklich großes Lesevergnügen mit dem Lesen von Texten so alter Autoren. Gefallen haben mir zwar damals schon einige Bücher, von manchen war ich sogar begeistert, doch nie musste ich wirklich schallend lachen bei derartiger Lektüre.

Bunbury:

Zwei Freunde - John Worthing und Algernon Moncrieff -, der eine begehrt die Nichte des anderen und der andere liebt die Cousine des einen. Beide sind sie großartige Lügner und nennen sich gerne mal „Ernst“, damit sie der Angebeteten gefallen, denn diesen ist der Charakter ihres Geliebten ziemlich egal, solange er nur den Namen „Ernst“ trägt.

Die Oberflächlichkeit der Personen im Buch insgesamt ist sehr erheiternd. Hier einige Beispiele:

„Einhundertunddreißigtausend Pfund! Und in Staatspapieren! Miss Cardew scheint mir eine höchst attraktive junge Dame zu sein, jetzt wo ich sie genauer betrachte! Nur wenige Mädchen besitzen heutzutage wirklich echte Talente…“ ,

„Meine Predigt über die Bedeutung des Manna in der Wüste kann praktisch jedem Ereignis angepaßt werden, freudigen Ereignissen oder… betrüblichen. Ich habe sie bei Erntefesten gehalten, bei Kindtaufen, Konfirmationen, an Bußtagen wie an Feiertagen.“ .

Dieses Buch steckt voll Ironie und Witz:

„Soll das heißen, daß du die ganze Zeit über mein Zigarettenetui gehabt hast?… Seit Tagen bombardiere ich Scotland Yard mit Briefen in der Angelegenheit. Fast hätte ich eine dicke Belohnung ausgesetzt.“

„Was ist Ihr politischer Standpunkt?“ „Ach, ich fürchte, ich habe eigentlich gar keinen. Ich bin Liberaler.“ „Oh, die zählen zu den Konservativen.“

„Nun zu weniger wichtigen Dingen. Leben Ihre Eltern noch?“ „Ich habe beide Eltern verloren.“ „Einen Elternteil zu verlieren mag als Unglück gelten; beide zu verlieren sieht wie Nachlässigkeit aus.“

„Gwendolen, es ist etwas Schreckliches für einen Mann, plötzlich zu entdecken, daß er sein ganzes Leben lang nichts gesagt hat als die reine Wahrheit. Kannst du mir verzeihen?“

Durch die Verstrickungen der Personen untereinander und die zum Teil erfundenen Personen (Bunbury; Ernst(Bruder von Jack)) wird der Plot für den Leser zwar manchmal etwas undurchsichtig, doch dies ist wohl gewollt und tut dem Witz keinen Abbruch.

Vorsicht vor Leuten:

Lorenz Brahmkamp, Sachbearbeiter im Referat Planung und Bauaufsicht der Stadt Osthofen, von seiner Frau verlassen worden, kurz vor der Kündigung stehend, und einige Kilo schwerer, hat einen Plan. Er will seine Frau zurück, seinen Arbeitsplatz sichern und abnehmen, sprich sein Leben ändern. Doch schlägt er einen riskanten Weg ein, um dies zu erreichen. Er lässt sich Lügengeschichten einfallen, mit denen er anderen imponieren will. Im weiteren Verlauf gerät er an Alexander Schönleben, welcher sich als Betrüger entpuppt und aus vorgetäuschten Immobiliengeschäften seinen Reichtum bezieht. Irgendwann steht Lorenz dann vor der Entscheidung bei den Geschäften mitzumachen oder Schönleben auffliegen zu lassen. Zunächst entscheidet er sich dafür, Herrn Schönleben zu verraten, doch weil er ständig gelogen hat, glaubt ihm nun niemand mehr. Also steigt er doch in den illegalen Immobilienhandel mit ein. Hierbei gerät Lorenz Brahmkamp in einen immer stärker werdenden Sog der Lügen.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

In beiden Büchern geht es ums Lügen. Und ich muss sagen, in beiden Büchern sind es großartige Lügner, denen es an Ideen eine Geschichte zu erfinden nie mangelt, und die sich, was das Lügen anbelangt, immer wieder selbst übertreffen. Doch während mich Bunbury das ganze Buch hindurch prächtig amüsiert hat, war Vorsicht vor Leuten schon ziemlich bald ziemlich unlustig. Dieses riesige Lügengespinst, das Lorenz Brahmkamp sich im Laufe der Handlung zusammenspinnt, wird immer unwahrscheinlicher und immer weniger witzig. Als Leser wartet man darauf, dass es irgendwann auffliegt, so wie ein Luftballon schließlich auch irgendwann platzt, wenn man ihn immer weiter aufbläst, doch dies passiert nicht, sodass dieses Gefühl der Überspanntheit gar unerträglich wird. Im Gegensatz hierzu platzt in Bunbury der Luftballon, das Lügengespinst sackt in sich zusammen, es fliegt alles auf. Doch witzigerweise kommt gerade hierbei die Oberflächlichkeit der Charaktere wieder zum Vorschein. Es ist Gwendolyn und Cecily nun doch egal, wie ihre Zukünftigen heißen. Aber damit nicht genug, die vermeintliche Lüge, dass Jack „Ernst“ heiße, ist nun doch die Wahrheit. Es gibt ein Happy End und alle sind glücklich und zufrieden.

An Oscar Wildes Werk Bunbury gefällt mir die Doppeldeutigkeit sehr. Man kann es zur Unterhaltung lesen und sich prächtig amüsieren, gleichzeitig hört man jedoch die Kritik an der Gesellschaft, welche bei aller Ironie mitschwingt, deutlich raus.

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