Prosper Merimee: Carmen

1847 erschien die Novelle des französischen Schriftstellers Prosper Merimee, der zu seiner Zeit zu den Kultiviertesten Menschen Frankreichs gehörte. Kunst, Geschichte, Rechts-und Sprachwissenschaften sowie die Literatur gehörten zu seinen Spezialgebieten. 1844 wurde er in die Academie Francaise gewählt, ein Zusammenschluss besonderer Persönlichkeiten, die unter anderem als Kontrollinstanz, die Entwicklung der französischen Sprache und der Literatur überwachen und lenken sollte.

Carmen bildet die Grundlage für George Bizets gleichnamige Oper, Ballettaufführungen und einige Filmadaptionen.


In der Rahmenhandlung begegnet der im Jahre 1830 durch Andalusien reisende Erzähler einem Unbekannten, der sich bald als gesuchter Räuber und Mörder herausstellt. Da der Unbekannte sich aber freundschaftlich verhält, verhilft der Reisende Ihm zur Flucht vor den Soldaten. Nach einigen Monaten erfährt der Erzähler von der Verhaftung und bevorstehenden Hinrichtung des Räubers Don Joses und besucht ihn im Gefängnis. Dieser wird zum Erzähler seiner Lebensgeschichte:

Der Baske und Unteroffizier Don Jose Lizzarrabengoa begegnet der jungen Zigeunerin Carmen das erste Mal in einer Tabakfabrik in Sevilla. Dort ersticht Carmen aus einem Streit heraus eine Arbeitskollegin. Der Unteroffizier erhält den Befehl sie ins Gefängnis zu bringen. Auf dem Weg dahin lässt er sich von Carmens Worten bezaubern und lässt sie fliehen. Don Jose wird zur Strafe 4 Wochen unter Arrest gestellt. Als er Ihr danach ein weiteres Mal begegnet, verbringt Carmen aus Dank für seine Hilfe eine Nacht mit Ihm und er verliebt sich in die schöne Zigeunerin. Er hofft dass seine Gefühle erwidert werden und ermöglicht Carmen zu liebe einer Zigeunergruppe ihren illegalen Geschäften nachzugehen. Als er dann aus Eifersucht einen Liebhaber von Carmen tötet, muss er aus der Stadt fliehen. Dieses Mal hilft sie ihm bei der Flucht und er schließt sich Carmens Schmugglerbande an. Er gewöhnt sich an das Gaunerleben, vor allem weil Carmen häufig in seiner Nähe ist und ihm ihre Liebe beteuert. Don Jose verfällt Ihr immer mehr und tötet in einem Streit den Anführer der Gruppe, den Ehemann von Carmen. Als er beschließt das Zigeunerleben aufzugeben und ein neues Leben mit Carmen in Amerika anzufangen, gesteht sie ihm dass sie einen anderen Mann liebt. Sie weigert sich ihr freies Leben als Zigeunerin aufzugeben und ignoriert die von Don Jose ausgesprochenen Morddrohungen. Nachdem all seine Bemühungen scheitern ihre Liebe für sich zurück zu gewinnen, tötet er Carmen, stellt sich kurz danach seinen Verfolgern und gesteht seine Tat.


Merimee schafft in dieser kurzen Erzählung eine Frauenfigur der Weltliteratur. Die freiheitsliebende, lebendige, junge und schöne Zigeunerin erzeugt bei den Männern das Gefühl von Machtlosigkeit und das unwirkliche Bedürfnis, Besitz über ihren wilden und flatterhaften Geist zu ergreifen.

Jose wird die Leidenschaft zu Carmen zum Verhängnis und das Machtspiel zwischen Liebe und Eifersucht wird zum zentralen Thema der Geschichte. Durch das Mitgefühl und Verständnis, dass der Leser den Figuren gegenüber empfindet, entsteht eine schnelle Verbindung und Identifikation zu den Protagonisten. Die Verzweiflung Joses, die Freiheitsliebe und der Stolz Carmens lassen den Leser in die Welt der Figuren eintauchen und heben die Tragik in der Geschichte hervor.

Obwohl die Novelle tragisch endet, liest man eine sehr lebhafte und auch spannende Geschichte. Ich würde mich genau so gerne einmal von der musikalischen Version begeistern lassen.

Carmen ist eine besonders facettenreiche Novelle, die es sich lohnt als Leser zu entdecken.

Kim Sarah Kriedemann, 2009

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