Henry Musenge: Changing Shadows

Ich habe es mit eigenen Augen gesehen

Dieses Buch habe ich auf Englisch gelesen, ich bezweifle dass es das Werk in anderen Sprachen gibt. Während meiner Zeit in Sambia habe ich Bücher der lokalen Autoren gelesen. Diese erscheinen meist in der „Kenneth Kaunda Foundation“ (ein ehemaliger Präsident gründete diesen Verlag). Es gibt aber auch eine Art Schulbuchverlag „Zambia Educational Publishing House“, Changing Shadows wird in Sambia seit Jahrzehnten als Schullektüre von den schulpflichtigen Jungen und Mädchen gelesen. In Sambia Bücher zu kaufen ist schwer, denn vorher muss man diese finden und bezahlen können. Die Schulen haben selten eine Bücherrei und die Klassensätze sind in einem sehr schlechten Zustand, ausserdem sind der Druck und die Herstellung natürlich nicht vergleibar mit dem europäischen Standard. Es gibt so gut wie keine Buchläden in den Städten, nur vereinzelt Schreibwarenläden, in einem Geschäft in der Hauptstadt fand ich mein erstes Buch.

Der Autor Henry Musenge wurde 1945 in Mansa geboren, einem kleinen Städtchen unweit meines „Heimatdorfes“. 1945 war Mansa wohl noch ein Dorf mit Lehm- oder gar Strohhütten, denn die Bemba sind ursprünglich Hirten/Fischer und somit wanderndes Volk gewesen, mussten folglich flexibel sein. Musenge arbeitete unter anderem im „National Council for Scientific Research“ und später hielt er gar Vorlesungen in England.

In dem afrikanischen Werk geht es um Mwila, ein Mädchen vom Dorf, dass in Sambias Hauptstadt zieht (Lusaka) um dort zu heiraten , dies tut sie. einen angesehenen, bei der Regierung arbeitenden, Mann. Mwila fühlt sich anfänglich gar nicht wohl im Umgang mit den Kollegen ihres Mannes und deren schönen, modernen Frauen. Die Ängste legen sich aber nach einer „Generalüberholung“ des dörflich gekleideten Mädchens schnell, und Mwila findet sich in Lusaka und in der gehobenen Gesellschaft zurecht. Es ist ein Entwicklungsroman, denn man erlebt mit Mwila wie sie in der großen Stadt aufblüht, ihre Rechte, Freiheit und Mode entdeckt. Später mausert sie sich gar zu einer mutigen Frau, sie trennt sich, nach mehreren Auseinandersetzungen mit ihrem traditionellem Mann, von eben diesem. Sie geht nach England und erlebt dort wieder viel Neues, aber auch Anfeindung. Ausserdemn rutscht sie direkt in die unterste Gesellschaftschicht zurück und muss arbeiten gehen, putzen. Das kennt Mwila nicht, sie hatte in Afrika Angestellte die ihr im Haushalt halfen. Keine schönen Kleider mehr, keine Empfänge, aber dafür gute Freunde und nochmehr Freiheit als in Lusaka.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich war erstaunt dass solch' ein Werk Schullektüre im traditionellen Sambia ist. Junge Mädchen werden heute immernoch unterdrückt und dürfen oftmals nicht zur Schule gehen, wenn das Familienoberhaupt (meist der Vater) bestimmt dass es lieber arbeiten gehen sollte. Jobs als Hausmädchen, Hirtin und Babysitter sind sehr verbreitet. Ganz wenige Mädchen schaffen den Umzug aus dem ländlichen Umfeld in eine Großstadt unbeschadet. Gewalt, Raub und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung und mit den korrupten Polizisten ist in solch' einer Situation nicht zu rechnen. Ausnahmen sind die Regel, nämlich wenn junge Mädchen an ältere Männer als Ehefrau verkauft werden. Dann stehen die Minderjährigen unter Schutz und dürfen, wie Mwila, auf ein besseres Leben in der Stadt hoffen. Ihre Familien auf dem Land sehen sie zwar selten wieder, aber das Wichtigste: Geld wird ins Dorf geschickt. In diesem Buch wird das nicht alles geschildert, ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Habe mit Schulmädchen sprechen können, die den Traum eines Tages in die Hauptstadt zu ziehen aufgegeben haben. Sie blicken einer trostlosen Zukunft entgegen, sie treten in die bäuerlichen Fußstampfen ihrer Eltern. Die Lektüre ermöglicht den jungen Damen der unterentwickelten Dörfer einen Blick in ein Leben, welches möglich wäre. Sie müssen wissen, dass man mit genügend Schulbildung und vielleicht auch etwas Glück, reisen kann, ausbrechen und seinen eigenen Weg gehen sollte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sambia

veröffentlicht in 1984, Neczam (Lusaka), Sprachen: English, Seiten: 320, LCCN: 85595224, LC-Klassifikationen: MLCS 85/13011 (P)

                                                                 Anne-Lene Sembdner 2008
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