Gabriel García Márquez: Chronik eines angekündigten Todes

Vorgestellt von Theresa Vedova

Gabriel Garcia Marquez wurde am 06.03.1927 in Aracataca, Kolumbien, geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern auf, zog aber nach dem Tod seines Großvaters 1935 zu seinen Eltern. Nach seinem Jurastudium arbeitete er gegen Zeilenhonorar bei 'El Heraldo' und wurde Chefredakteur der Wochenzeitung 'Crònica'. Er schrieb an seinem ersten Roman 'Laubsturm', nachdem ihm der Verlag allerdings vom Schreiben abriet. Er wechselte zwischen vielen Zeitungen und gewinnt 1954 mit der Erzählung 'Ein Tag nach dem Samstag' einen nationalen Literaturwettbewerb. 1955 erschien die Reportage 'Bericht eines Schiffbrüchigen' die einen Skandal auslöste, da sie die Regierung des Diktators Rojas Pinilla kompromittierte. Zu seinem Schutz reiste er als Korrespondent nach Europa. Als er nicht mehr für die Zeitung ' El Espectador ' schreiben konnte, da diese vom der Militärregierung verboten wurde, verfügte Gabriel Garcia Máequez über kein Einkommen mehr, sodass er unter jämmerlichen Umständen leben musste. In Paris wurde er 1956 wegen seines ' algerischen Gesichts' und dem ärmlichen Aussehen als ' verdächtiger Araber' verhaftet. 1958 heiratete er Mercedes Barcha Pado mit der er zwei Kinder hatte. Ab 1981 begann sein literarischer Aufstieg. Einige seiner Werke wurden verfilmt, darunter z. B. ' Chronik eines angekündigten Todes' . Er erhielt eine Privataudienz bei Gorbatschow und wurde 1982 mit dem Literatur Nobelpreis geehrt. Vorwiegend lebt Gabriel Garcia Márques in Mexiko.

Einige Werke:

  • 1967 Einhundert Jahre Einsamkeit
  • 1981 Chronik eines angekündigten Todes
  • 1985 Liebe in Zeiten der Cholera

„Entweder du versteckst dich hier, wo du zu Hause bist, oder du gehst mit deiner Büchse auf die Straße.“ (…) „Das sind zwei gegen einen“, sagte Nahir Miguel zu ihm. Santiago Nasar ging hinaus.


Bei der Hochzeit von Angela Vicario und Bayardo San Román, ist das ganze Dorf eingeladen. Es wird bis in die frühen Morgenstunden getrunken und gefeiert. Als der Bräutigam seine Braut in ihr neues Hause bringt, ist dies jedoch der Beginn der tragischen Geschichte. Bayardo muss feststellen, dass seine Frau keine Jungfrau mehr ist. Als er sie zu ihrer Familie zurückbringt, sehen sich ihre Brüder, die Zwillinge Pablo und Pedro Vicario in der Pflicht, die Familienehre wieder herzustellen, indem sie Santiago Nasar, den Mann der ihrer Schwester angeblich ihrer Ehre beraubte, töten. Sie tun dies aber nicht im geheimen, sondern erzählen es jedem den sie treffen, als ob sie davon abgehalten werden wollen. So weiß das ganze Dorf davon, nur Santiago nicht. Er wir aber auch nicht gewarnt, da man es für das Geschwätz von Betrunkenen hält. Als sie bemerken, dass die Brüder die Wahrheit sagen, versammeln sie sich vor dem Haus von Santiago Nasar. Dieser kommt bestürzt und verwirrt aus dem Haus seiner Verlobten gelaufen, wo man ihm gesagt hatte, dass man ihn töten wolle. Doch statt sich dort zu verstecken, war er hinaus gegangen, womit er sein Schicksal besiegelte. Er versuchte in sein Haus zu gelangen, doch seine Mutter hatte die Tür verschlossen, da sie annahm, er wäre schon in seinem Zimmer. Nach vielen Stichen, sieben davon tödlich, schafft er es noch durch die Hintertür bis in sein Haus, wo er in der Küche zusammenbricht. In Angela Vicario entbrennt die Liebe zu Bayardo und sie schreibt ihm 17 Jahre lang Briefe, die aber nie beantwortet werden. Doch dann steht er plötzlich vor ihr. Was aus den beiden wird, bleibt offen. Von der Schuld des Santiago Nasar war man nie ernsthaft überzeugt worden, da man Angela und ihn nie zusammen gesehen hatte.

Zum Buch:

Wer dieses Buch liest, wird merken, wie sehr es an einen Zeitungsartikel erinnert. Der erste Satz „An dem Tag , an dem sie ihn töten sollten, stand Santiago Nasar um fünf Uhr dreißig morgens auf (…)“ zeigt deutlich, das der Ich- Erzähler detailgetreu und objektiv die Geschichte wiedergibt. Er ist in dieser Geschichte eine Nebenfigur, die möglichst viele Beteiligten zu Wort kommen lässt, wobei er auch widersprüchliche Angaben und Gegenstimmen aufführt. Durch einige Zeitsprünge und verschiedenen Aussagen ist es am Anfang etwas schwer den Überblick zu behalten, was sich aber schnell ändert. Außerdem lässt sich dieses Buch nicht so leicht in ein bestimmtes Genre einordnen. Es geschieht zwar ein Mord, doch kann man es deswegen noch lange nicht zu den Kriminalromanen zählen, für eine Chronik ist er nicht chronologisch genug Zusammengefasst. Man kann das Werk jedoch ohne Bedenken der lateinamerikanischen Literaturströmung des „magischen Realismus“ zuordnen. „Man verzichtet hierbei auf die üblich Trennung zwischen dem Rationalen/ Realen und dem Irrationalen/ Fantastischen“. Man begreift mythisches, sowie fantastisches als Teil der Wirklichkeit, als Teil des täglichen Lebens.

In welchem Jahr und wo genau die Geschichte spielt, wird nicht erwähnt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sein könnte. Darauf deutet der Ford Modell T („das meistverkaufte Automobil bis (…) 1972“) und einige Waffen Santioagos, die es erst seit den 1920er/ 1930er Jahren gibt. Der Ort ist ein nicht genauer benanntes Dorf in Nordkolumbien, das an einem Fluss liegt und sich von Landwirtschaft und Handel ernährt.

Santiago Nasar musste sterben, da er die Ehre einer Familie beschmutzt hatte. In der streng katholischen Dorfgemeinschaft, sowie in vielen anderen Ländern und Religionen, kann man diese Ehre nur wiederherstellen, in dem der Mann der dafür verantwortlich ist, bestraft oder getötet wird. Die Ehre der Familie ist die Ehre des Mannes. Sie bezieht sich auf die „sexuelle Reinheit und Tugendhaftigkeit“ der Frauen. Den Männern ist es allerdings gestattet ihre Sexualität vor und während der Ehe auszuleben. Eine verletzte Ehre macht die Frau also zu einer „beschädigten Ware“ und die Brüder, hier Pablo und Pedro Vicario, haben die Aufgabe über ihre Schwester zu wachen nicht erfüllt. Also töten sie Santiago um die Ehre wiederherzustellen. Die Dorfgemeinschaft billigt dies, da auch sie die Ehre der Angela Vicario und der ganzen Familie als beschmutzt ansehen und es das Recht der Familie ist, um die Ehre zu retten. Ob Santioago Nasar wirklich etwas getan hatte, wurde jedoch nicht bewiesen.

Fazit:

Die Geschichte ist an einigen Stellen zwar etwas übertrieben, („Er stolperte auf der letzten Stufe, richtete sich aber sofort wieder auf. „Er war sogar so umsichtig und klopfte mit der Hand die Erde ab, die an den Därmen haften geblieben war“, sagte meine Tante Wene zu mir. (…) “) was allerdings nur zeigt wie genau der Erzähler alles wiedergibt. Es war leicht zu lesen, wenn man bei Namen und Geschehnissen erstmal den Überblick hatte. Die Beschreibungen von Dorf und Menschen, lassen den Leser alles direkt vor sich sehen und eine genaue Vorstellung davon bekommen, was geschehen ist. Ich fand es erschreckend, wie selbstverständlich dieser Ehrenmord von der Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde. Es ist zwar nichts neues das so etwas passiert, früher wie heute, doch das ändert nichts daran, dass es keinen Beweis für Santiagos Schuld gab. Alles in allem habe ich das Buch gerne gelesen, die 120 Seiten haben allerdings vollkommen gereicht.

Theresa Vedova

Vorgestellt von Andrea Gaertner

Angekündigter Ehrenmord

In den frühen Morgenstunden wurde der junge S.Nasar vor seinem Haus erstochen und das ganze Dorf machte sich mit schuldig.
Die Tat spielte sich in einem kleinen Dorf an der Küste ab, in dem am Tag zuvor DAS Ereignis des Jahres, die Hochzeit von Angela Vicario und Bayard San Román, stattfand. Als die Braut nachts von ihrem Mann nach Hause geschickt wurde, da sie nicht mehr unberührt war, betitelte sie S.Nasar als Schuldigen. S.Nasar, ein junger Mann aus dem Dorf, den alle kannten, wurde so zum mutmaßlichen ‚Täter’, dessen Schuld aber nicht als bewiesen galt. Man glaubte einfach der Aussage von Angela Vicario. Die Brüder der Braut sahen es als ihre Aufgabe, durch Rache die Familienehre wieder herzustellen. Seltsam jedoch ist, dass P. und P. Vicario ihre Tat groß und offensichtlich ankündigten, aber keiner die beiden ernsthaft aufhielt oder das Opfer warnte. Für die Polizei war es ein klarer Fall, da die Täter sich selbst stellten und auch genügend Zeugenaussagen vorlagen. Erschreckend ist es dennoch, dass in unserer eigentlich modernen Zeit im ‚Namen der Ehre’ solch schreckliche Taten geschehen müssen.


„Wir haben ihn mit Absicht getötet“, sagte Pedro Vicario, „aber wir sind unschuldig.“
„Vor Gott und den Menschen“, sagte Pablo Vicario. „Es war eine Sache der Ehre.“

Mit diesen Worten lässt Gabriel García Márquez die beiden Mörder ihre Tat rechtfertigen, die für diese unumgänglich war, um die Ehre ihrer Schwester wieder herzustellen. Und „sie würden es aus den gleichen Gründen tausendmal wieder tun“.
G.G.Marquez beschreibt mit diesem eigentlich vermeidbaren Mord, wie stark das Leben in den kleinen Städten und Dörfern in Kolumbien mit der alten Tradition und den christlichen Moralvorstellungen verbunden ist und durch diese bestimmt wird.
Besonders offensichtlich verdeutlicht García Márquez dies mit zwei wichtigen Faktoren: Zum einen durch die Brüder Vicario. Diese sind hin und her gerissen zwischen der Freundschaft mit Santiago Nasar, ihrem Freund, dem sie diese Tat noch nicht einmal beweisen können, und dem Erfüllen der Tradition: die Rettung der Familienehre durch Rache. Zum anderen durch die Dorfbewohner, die dem Mord ‚beiwohnen’ und die Augen vor dem Vermeidbaren verschließen. Sie sind in dem Netz aus ehrbaren Moralvorstellungen und dem krampfhaften Festhalten an der Tradition zu sehr gefangen, um den Mord zu verhindern.

„Trotzdem schien festzustehen, dass die Brüder Vicario alles getan hatten, um Santiago Nasar nicht unverzüglich und ohne Aufsehen zu töten, vielmehr hatten sie alles nur Erdenkliche getan, um von der Tat abgehalten zu werden, und waren gescheitert.“

Der Autor lässt seinen Ich-Erzähler durch die chronologische Wiedergabe des Geschehenen analysieren, wie und warum es möglich war, dass dieser Ehrenmord überhaupt geschehen konnte und sich kein Dorfbewohner den Brüdern in den Weg stellte. Für seine Chronik recherchierte der Erzähler noch ca. 20 Jahre nach der Tat und kann so nebenbei kurz darstellen, wie die Tat der Brüder das Leben der einzelnen erwähnten Menschen nachhaltig beeinflusste. Die Frage, warum Angela Vicario ausgerechnet Santiago Nasars Namen nannte, konnte er jedoch auch bis dahin nicht klären. G. G. Márquez hat trotz des angekündigten Endes einen kurzweiligen und gleichzeitig rasanten und fesselnden Schreibstil. Er nutzt keine langen Beschreibungen und Dialoge, sondern beschränkt sich auf die wichtigsten Fakten und kleinen Ereignisse, die für die Haupthandlung, den Mord an Santiago Nasar, von Bedeutung sind.
Geschrieben hat er den Roman 1981, ein Jahr bevor der den Literatur-Nobelpreis erhielt und es heißt, dass er damit den Tod eines Freundes verarbeitet. Dieser wurde Anfang der 50er Jahre auf ähnliche Art und Weise und unter ähnliche Bedingungen durch einen Ehrenmord getötet.

Meiner Meinung nach gehört G.G.Márquez nicht ohne Grund mit zu den bekanntesten und bedeutendsten Autoren der Welt. Sein Roman lässt sich gut lesen und ich habe bis zum Ende noch gehofft, dass Santiago Nasar auf eine wundersame Weise überlebt. Es ist eine merkwürdige Vorstellung, dass alle aus dem Dorf bescheid wissen und keiner die beiden Mörder mit Überzeugung aufhält. Gleichzeitig ist es erschreckend, wie ein ganzes Dorf sich an einem Mord schuldig machen kann, bei dem das Opfer ohne jegliche Beweise zum Opfer wird und die Bewohner den Mord im Grunde genommen gar nicht gutheißen. Was ich interessant fand, war, dass nur durch kleine Hinweise, wie das Erwähnen bestimmter Automarken, klar wurde, wann die Geschichte spielt. Sie lässt sich so zeitlos lesen und man glaubt nicht, dass so eine Tat zu unserer Zeit wirklich möglich ist, auch wenn man oft in der Realität vom Gegenteil überzeugt wird.

Andrea Gaertner (2009)

Vorgestellt von Hanna Held

Gabriel García Márquez wurde im Jahr 1927 in Kolumbien geboren und starb im April 2014 in Mexiko. Er erhielt 1982 den Literaturnobelpreis und gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller weltweit. Die „Chronik eines angekündigten Todes“ erschien 1981 und wurde in demselben Jahr ins Deutsche übersetzt. Als Chronik bezeichnet man eine geschichtliche Darstellung, in der die Ereignisse in zeitlich genauer Reihenfolge aufgezeichnet werden.

Am Ende der „Chronik eines angekündigten Todes“ heißt es „Sie hörten nicht die Schreie des ganzen Dorfes, das über sein eigenes Verbrechen entsetzt war.“

Doch wie kann es soweit kommen, dass ein ganzes Dorf den Tod eines womöglich Unschuldigen zu verschulden hat? Die Gründe dafür, dass Menschen etwas verschweigen, etwas ignorieren oder über etwas hinweg hören, sind verschieden. Es kann die Angst davor sein, selbst verletzt zu werden. Es kann Unsicherheit sein, die einen zögern lässt. Es kann auch Egoismus sein - der Andere interessiert nicht. Dann gibt es die Menschen, die im Stillen genau das wollen, was passieren wird, wenn sie schweigen. Und es gibt die Menschen, die nicht einschätzen können, was passieren wird. Sie haben nicht die Weitsicht für die Dinge.

Alle diese Gründe treffen auf die verschiedenen Bewohner des Dorfes zu, in dem die Chronik von Márquez spielt. Bis der Leser endlich erfährt, dass Santiago Nasar vor seinen Mördern gewarnt wird, vergehen 114 Seiten. Und immer bangt man mit, ob nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert. Ob nicht doch einer der Bewohner ihn retten kann. Auch wenn ein paar wenige es versuchen, die Umstände lassen es nicht zu. Ein Beispiel dafür ist Clotilde Armenta, sie sieht Pedro und Pablo mit ihren Messern und sagt jedem Bescheid, dass Santiago gewarnt werden muss. Doch keiner der angesprochenen Leute sagt es ihm. Sie selbst kann aus ihrem Laden nicht fort und sieht später mit an, wie die Brüder Santiago töten. Yamil Shaium, ein Freund Santiagos, der einen Laden am Hafen hat, warnt den besten Freund Cristo. Dieser findet Santiago aber nicht mehr rechtzeitig und so kann Yamil nichts mehr tun.

Das Traurigste an der Chronik ist der Umstand, dass die Brüder selbst gar nicht so versessen darauf sind, die Ehre ihrer Schwester wieder herzustellen. Zumindest nicht mit einem Mord. Sie erzählen jedem, der in ihrer Nähe ist, dass sie Santiago töten wollen, damit irgendjemand sie aufhält. Dies geschieht auch, als der Bürgermeister den beiden die Waffen entwendet und sie ins Bett schickt. Pedro war der Bruder, der den Einfall hatte, zu töten. Pablo folgte ihm bis dahin nur. Doch nach der Tat des Bürgermeisters übernahm er die Führung und hatte immer wieder die Ahnung, dass sein Bruder Ausflüchte suchte, um nicht morden zu müssen. Man könnte sagen, dass die Brüder das Schicksal Nasars im Endeffekt in die Hände der anderen Dorfbewohner gelegt haben. Und da sie keiner aufgehalten hat, haben sie die Tat begangen.

Die Chronik war sehr überraschend für mich. Ich hatte erwartet, dass ich die Werke von Márquez nicht mit soviel Gefallen lesen würde. Aber der flüssige Schreibstil und die doch sehr spannende Geschichte, ließen mich über die Seiten fliegen. Auch der Umstand, dass das Ende der Geschichte bekannt ist, hat nichts daran geändert, dass man trotzdem noch mitfiebert und in die Geschichte eintauchen kann.

Hanna Held, 2015

Vorgestellt von Mareike Berg

Wie der Titel schon sagt, wird in diesem Roman von Márquez ein bereits begangener Mord von der Tat bis zurück zum Auslöser beschrieben. Anders als bei einer klassischen Krimminalgeschichte ist von Anfang an klar, wer der Mörder und wer das Opfer ist. Angela Vicario wird nach einer rauschenden Hochzeitsfeier mit dem ganzen Dorf in der Hochzeitsnacht von ihrem frisch angetrauten Ehemann nach Hause geschickt, da sie bereits mit einem anderen Mann geschlafen hat. Ihre Brüder drängen sie dazu, ihnen zu verraten, wer derjenige war, der die Ehre ihrer Familie beschmutzt hat. Sie nennt den Namen Santiago Nasar und so machen sich die Brüder am Tag nach der Hochzeit auf die Suche nach Nasar, um ihn zu töten. Bis zuletzt bleibt allerdings ungeklärt, ob er tatsächlich der „Schuldige“ war.

Die Spannung wird die ganze Geschichte über aufrecht erhalten, da ein ehemaliger Bewohner des Dorfes 25 Jahre später die Geschehnisse nacherzählt und durch Befragungen der Zeugen und Beteiligten viele kleine Puzzleteile zu einem Ganzen zusammensetzt. Sehr erschreckend ist es, dass das ganze Dorf von dem geplanten Mord weiß, sich aber keiner traut oder verpflichtet fühlt, Santiago Nasar zu warnen. Wir fragen uns – Warum?, doch für die Bewohner des Dorfes ist es eine Selbstverständlichkeit, durch einen Mord die Ehre einer Familie wiederherzustellen.

Zu Anfang fand ich es aufgrund der vielen Personen und den uns ungewohnten Namen schwierig, in die Geschichte einzutauchen, doch durch Márquez` tolle detailgenaue Beschreibungen des Dorfes, seiner Bewohner, der Tat und dessen Planung, fühlte ich mich schnell als stiller Beobachter mitten in das Geschehen hineingezogen. Wir erhalten Einblicke in die uralten Traditionen und erkennen, welche erschreckenden Konsequenzen daraus resultieren. Eine unerwartet spannende, sozialkritische Kriminalgeschichte vom Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez.

Mareike Berg, 2015

Vorgestellt von Christin Mai

Es war einmal ein Mann,
sein Name war Santiago Nasar,
der dachte, dass er alles kann,
ein riskanter, verrückter Narr.

Seine Blicke galten jungen Frauen,
wollte er ihnen unter die Röcke schauen,
säuselnde Worte in die Ohren raunen,
um ihnen schließlich die Unschuld zu klauen.

Ein Frauenheld auf ganzer Linie,
so sicher und selbstbewusst,
der am Ende auf der Erde kniete,
denn ein jeder hatte es gewusst.

Sie schrien es von den Dächern,
und überall brach Chaos aus,
während die Frauen sich Luft zufächerten,
schritten zwei Brüder hinaus.

Der Wind blies, das Meer lag still,
die Sterne strahlten am Himmelszelt,
keine Bedeutung was Nasar noch will,
denn hatte ein Ende seine Welt.

Die Messer wurden scharf gewetzt,
um zu retten des Schwesters Ehre,
Nasar´s Körper war schnell zerfetzt,
wenn es nur nicht so ein Trauerspiel gewesen wäre!

Was dann noch kam,
waren Worte der Trauer,
wiedergegeben voller Gram,
gespielt von kurzer Dauer.

So sei die Geschichte erzählt,
schon im ersten Satz,
Nasar wurde vom Glück verfehlt,
und starb auf des Hauses Platz.

Es schrie von allen Seiten,
dass ihn doch jemand rette,
doch wie heißt es schon seit Ewigkeiten?
Hätte, hätte, Fahrradkette!

Christin Mai, 2016

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