Gabriel Chevallier : Clochemerle

Die Novelle wurde 1934 unter selbigen Titel in Frankreich veröffentlicht.

Eine Anmerkung gibt es zu Beginn, nämlich, dass ich wohl das unscheinbarste aller Cover in den Händen habe, denn alle anderen deuten klarer auf den Inhalt hin, als jenes Exemplar, dass ich besitze. Eine fehlende Inhaltsangabe hinderte mich ebenfalls den Inhalt frühzeitig zu erkennen und einen anderen Titel zu wählen.

Haupthandlungsort ist das Städtchen Clochemerle im französischen Beaujalais mit seinen nahezu 3000 Seelen. Diese Menschen beschäftigen sich überwiegend mit dem Anbau und dem Trinken von Wein. Nebenbei tauscht man guten wie bösen Klatsch aus, die Kirche wird besucht und man geht auch das ein oder andere Mal fremd. Wobei Letzteres natürlich nach außen hin von allen verpönt wird. Doch wenn was bekannt wird, dann wird es hingenommen, solange es zwischen Personen aus dem Ort passiert.

Bewohner werden gleich im Übermaße vorgestellt, um das angekündigte üble Ende im Voraus zu erklären. Das Problem an sich ist nur gering. Es handelt sich hierbei lediglich um eine neu erbaute Bedürfnisanstalt an der Kirchenmauer. Diese Idee des Bürgermeisters Piéchut bekommt eine große Zustimmung, bis sich die frommste der frommen Bürgerinnen, das alte Fräulein Putet, darüber erzürnt und das Häuschen anklagt. Sie sieht und riecht nicht nur das Gebäude, sondern auch alle Männer, die dieses benutzen, sowie deren ungebührliches Verhalten. Die Ortschaft spaltet sich in für und gegen die Bedürfnisanstalt. Die wenigen Unparteiischen werden dabei einfach in die Angelegenheiten mit hineingezogen. Es kommt zu ersten Handgreiflichkeiten, deren spätere Weiterführung nur noch wenig mit dem Gebäude an sich zu tun hat. Eine Gruppe Soldaten wird zur Schlichtung nach Clochemerle geschickt. Dadurch entstehen neue außereheliche Vergnügungen. Auch hier mischt sich das Fräulein Putet ein und informiert anonym den gehörnten Ehemann. Da es sich hier um einen ortsfremden Offizier und die Schankfrau Adele handelt greift jeder mit ein, als es zu einer Schlägerei kommt. Die Situation muss erst eskalieren, dass die vom Wein benebelten Bewohner wieder Herr ihrer Sinne werden.

Das Lesen des Buches ist für mich nicht gerade leicht gewesen. Einerseits stellt der Erzähler in langen Episoden verschiedene, teilweise nur mäßig wichtige, Personen vor. Diese werden dann vom aktuellen Geschehen unterbrochen. Manchmal wird das Wort auch plötzlich an eine dritte Person übergeben, wodurch die Situation nochmals wechselt. Viel Wert wird auf das Aussehen und Wirken der Frauen auf die Männer in ihrer Umgebung gelegt. Teilweise werden Seitensprünge zwischen den Zeilen zugegeben, die man aber als gegeben hinnimmt. Und dennoch darf niemand davon erfahren, da das Ansehen dann doch wieder wichtig ist.

Erst nach dem ersten Viertel des Buches habe ich mich an die Erzählweise gewöhnt. Es ist für spezielle Geschmäcker gemacht, eventuell für Leser mit viel Sarkasmus und schwarzem Humor.

Alberich (2013)

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