Edmond Rostand: Cyrano de Bergerac

Die Geschichte erzählt von einem Degenheld,
Dessen Geschick so mancher Feind zum Opfer fällt.
Der Name des Helden ist in aller Munde:
Cyrano de Bergerac. Der selbst im Grunde
Seines Herzens Dichter ist.

Ein edler Mann ist er, sein Herz ist rein
Doch kann auch er nicht ohne Makel sein.
Cyranos Nase ist riesengroß
Und wagt jemand eine Beleidigung bloß,
So fordert de Bergerac ein tödliches Duell
Und alles Gelächter verstummt ganz schnell.

Selbstbewusst ist er mit Wort und Degen,
Doch wenn sich die großen Gefühle regen,
Nämlich beim Anblick Roxannes (sie ist ziemlich heiß)
Wird Cyrano ganz schüchtern und leis.
Denn niemals könnte sie den Hässlichen lieben,
Sie würde von seiner Nase vertrieben.

So ereignet es sich, dass Cyrano erfährt,
Wem Roxanne ihre Liebe gewährt:
Christian de Neuvillette, ein junger Kadett,
Von schönem Äußeren und auch sehr nett,
Doch ein Dummkopf ist er, dem es niemals gelänge
Ihre Sehnsucht nah Poesie zu stillen,
Drum hilft ihm Cyrano um ihretwillen.

So liebt denn Roxanne des Christians Gesicht
Und Cyranos Seele, die aus dessen Munde spricht.
Cyrano souffliert und schreibt liebliche Briefe
Über Verlangen und seiner Gefühle Tiefe.
Die Hochzeit scheint der Liebe Sieg,
Doch für die Kadetten heißt der Befehl: Krieg!

Der Hunger ist groß, der Krieg dauert lang,
Durch die feindlichen Linien gibt`s kein’ Durchgang.
Doch Cyrano schafft, was unmöglich erscheint,
Damit die Liebe Roxanne und Christian weiter vereint:
Täglich zweimal schreibt er nach Haus
Und schmuggelt die Briefe aus dem Schlachtfeld hinaus.

Roxanne wiederum, sehr besorgt um den Gatten
Täuscht die feindlichen Spanier,
Um den Truppen einen Besuch abzustatten.
Zu Christian sagt sie, was diesen doch stört
Und Cyrano mit überraschter Freude hört:
„Ich würde noch Dich lieben,
Wenn die Schönheit dir entschwunden.“

So eilt denn Christian zu dem einzigen Mann,
Der Roxanne die verdiente Liebe geben kann.
Und bevor Cyrano ihr kann gestehen,
Dass durch den Gatten hindurch, sie seine Seele hat gesehen,
Fällt Christian durch eine feindliche Kugel.
Cyrano will das Andenken nicht zerstören,
So wird Roxanne nie die Wahrheit hören.


Viel Wortwitz und heiteres Geschehen,
Erfreuen den Leser und man kann sehen,
Wie der Winkel des Mundes wieder und wieder
Sich verzück erhebt, keinesfalls fällt hernieder.
Eine Dreiecksbeziehung voll wunderbarer Wendung,
Man hofft sehr lange auf eine freudige Endung.

Die begehrte Roxanne solle doch erfahren,
Was sie bisher noch nicht kann erahnen:
Sie liebt den Hässlichen, dessen Charakter jedoch
So schön ist, dass weder Makel, noch
Eine riesige Nase die Liebe können vertreiben.
Sie sollen für immer glücklich zusammenbleiben.


Doch nun folgt noch der fünfte Akt,
Er spielt fünfzehn Jahre später exakt.
Roxanne wird wöchentlich besucht von dem Herrn
De Bergerac, den sie wirklich hat gern.
Um den geliebten Gatten trauert sie indes noch immer
Sie ahnt nicht, der Schmerz wird bald noch schlimmer:

Denn nach einem Unfall kommt Cyrano mit letzter Kraft
Und liest vor einen Brief mit Leidenschaft.
So erkennt denn Roxanne mit großer Pein,
Dass ihr Herz schon immer war sein.
In ihren Armen stirbt der verwundete Held.
Er hat sich zum Gatten dazugesellt.


Man beginnt dieses Stück und denkt noch heiter,
Welch Amüsement - ich lese schnell weiter.
Doch diese Geschichte beglückt nicht das Herz,
Sie endet mit einem gar furchtbaren Schmerz.
Aus Angst vor der Schmach, vor der Hässlichkeit,
Waren die Liebenden doch niemals vereint.

„Wer liebt, sieht den äußeren Makel nicht“,
Diese Moral im letzten Akt zerbricht.
„Hab keine Angst von deiner Liebe zu sprechen,
Sonst wird sich das Schicksal an dir grausam rächen!“
Dies scheint die Erkenntnis, die am Ende bleibt,
von der Edmond Rostand in seinem Werke schreibt.

Lea Steimle, 2013

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