Niccolò Machiavelli: Il Principe - Das Buch vom Fürsten

Vorgestellt von Simone Möbius

Nützliche Tipps und Ratschläge zum Führen einer Firma

Vorweg: Diesen kleinen Ratgeber mag der geborene Chef gar nicht nötig haben. Da er aber, mit viel Müh und Sorgfalt zusammengestellt, wertvolle Hinweise und Betrachtungen enthält, kann seine Lektüre dem eifrigen Geist nicht schädlich, dem stetig beschäftigten Gemüte eines Manager eine Erinnerung an Grundliegendes sein und vielleicht doch mit dem einen oder anderen weniger bekannten Tipp aufwarten.

In die Führung einer Firma kann gelangen, wer diese von seinen Vorfahren übertragen bekommt, selber eine Neue begründet oder aber bereits bestehenden Betrieb erweitert.
Ersterer hat es am einfachsten seine Position zu behaupten, denn er kann die vorhanden Firmenstrukturen bestehen lassen. Er wird selten zu grausamen oder beleidigenden Maßnahmen gegenüber seinen Untergebenen gezwungen sein und ist somit beliebter.
Der intelligente Chef wird dennoch darauf bedacht seine Position zu festigen um auch ohne seine Begünstiger bestehen zu können.

Dies gestaltet sich für denjenigen, der einen fremden Betrieb der eigenen Firma einverleibt schwieriger.
Die Mitarbeiter sind ihm nicht durch langjährige Treue gewogen, betrachten ihn gar als feindlichen Eroberer. Auf den Rückhalt seiner Mitarbeiter aber ist der gute Chef angewiesen. Er sollte daher darauf bedacht sein, auch hier die vorhanden Strukturen so weit wie möglich bestehen und den neu integrierten Betrieb zunächst beispielsweise als Frachise eigenständig weiter laufen zu lassen.
Um seine Position zu stärken, sollte der Chef jedoch Präsenz vor Ort zeigen, so sind Missstände schneller zu erkennen und Korruption und Missbrauch zu präventieren. Auf diese Weise kann er es auch vermeiden, die alten Manager des Betriebes zu beleidigen. Sollte er er doch welche kündigen müssen, sollten es alle auf einmal sein. Denn erfolgen viele unglückliche Wendungen zusammen, bleibt weniger Raum für die Diskussion der individuellen Schicksale.

Was die unmittelbar umliegende Konkurrenz betrifft, so gilt es die Marktposition zu behaupten. Dazu müssen Stäkere ausgeschaltet werden, sie sind eine Bedrohung. Schwächere hingegen sollten geschützt werden. Sie sind abhängig und bieten Chance auf treue Unterstützung.

Desweiteren sollte der Chef über einen intelligenten Geist und ein Höchstmaß an Bildung verfügen. Es gilt Missstände schnell zu erkennen und an der Wurzel anzupacken.
Er muss erkennen wann harte Maßnahmen nicht zu vermeiden sind und wann Milde das rechte Mittel ist. Denn es gilt Mitarbeiterloyalität und Arbeitsatmospäre zu erhalten, ist jedoch unmöglich unter unmoralischen Untergeben immerzu rechtschaffend zu handeln.
Ein Chef sollte sich den Ruf gewisser Freigebigkeit wahren, ohne verschwenderisch zu sein. Gehaltserhöhungen schaffen Anerkennung und Boni erhöhen die Loyalität. Verschwendet ein Chef die Mittel seines Unternehmens jedoch, gilt er als schwach und unüberlegt, außerdem müssen die Mitarbeiter um den Fortbestand ihres Arbeitesplatzes fürchten.
Seine Mitarbeiter sind mit unvermissverständlicher Autorität anzuweisen, doch ohne zu beleidigen. Hierzu kann es sinnvoll sein, sie zu überzeugen oder Manager einzusetzten, die unliebsame Maßnahmen durchsetzten, Missmut auf sich ziehen und als Sündenbock fungieren können.

Auch die Auswahl der Manager sollte bedächtig erfolgen. Denn ein Chef wird auch nach den Menschen beurteilt, mit denen er sich umgibt.
Sie sollten klug, aber nicht so ehrgeizig sein, dass sie eine Bedrohung werden könnten und nicht das eigene Wohl immerzu an vorderster Stelle im Sinne haben, um vertrauenswürdig und gute Ratgeber zu sein.
Schmeichler sind zu meiden. Um dennoch die Ehrfurcht vor dem Chef zu wahren, sollte er ausgewählten, klugen Menschen die Erlaubnis erteilen die Wahrheit zu sprechen.

Ein Chef sollte darauf achten, seine Firma möglichst selbstständig halten zu können, ohne auf andere angewiesen zu sein. Dazu gehört die gute Wirtschaftlichkeit ebenso wie die rechtzeitig Erkennung von Bedrohung aus dem Inneren, beispielsweise durch aufstrebende Untergebene, und den Schutz gegen Kriminalität von Außen, im Falle eines Ladens beispielsweise durch Sicherheitspersonal gegen Ladendiebstahl.
Sollte das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, bleiben seine Mitarbeiter dem Chef gewogen solange er ihre Gehälter zahlen kann und ihre Arbeitsstellen vor feindlicher Übernahme zu schützen vermag.


Dies ist nur ein kurzer Einblick, in all die Aspekte die Niccolò Machiavelli im 16. Jahrhundert beachtete. Das Werk hat bis in die Neuzeit hinein die Gemüter beschäftigt und viel Diskussionsstoff geliefert, scheint es doch so absolutistisch, beinahe grausam gegenüber dem individuellen Bürger, dass die Frage aufkam ob es ironischer Natur sei.
Ich denke: Nein.
Zum einen schrieb Machiavelli aus einem ganz anderen Zeitgeist herraus, einen sog. Fürstenspiegel. Zum anderen würde ich die Schrift eher als manipulativ einordnen, möglicherweise mit der einzigen Intention Lorenzo II de' Medici, dem das Buch das Fürsten als Geschenk gewidmet ist, zur Rückeroberung und Einigung Italiens zu bewegen und seine eigene Reputation wiederherzustellen. Darauf lassen die letzten Kapitel schliessen, die sich explizit mit den Themen Kriegswesen, Italiens Lage und einer Begründung für den günstigen Zeitpunkt diese jetzt zu ändern, befassen.
Weder auf den Machiavellismus noch auf all die anderen Diskussionen möchte ich näher eingehen. Il Principe lässt sich auch 'einfach so'lesen.
Sprachlich auf den ersten Blick ungewohnt, findet der Leser sich doch schnell ein, denn Machiavelli hat sein Werk sehr klar strukturiert. Er beginnt jedes Kapitel mit einer kurzen Einleitung ,stellt seine Thesen auf, erläutert diese, untermauert sie mit Beispielen und fasst sein Fazit am Ende zusammen, meist unter Bezugnahme auf die Einleitung.
Inhaltlich ist Das Buch vom Fürsten also leichter zu erfassen, als man annehmen mag.
Zudem beinhaltet es trotz bereits erwähnter 'Grausamkeit' viele interessante Gedankengänge, die sich auch aus unserer heutigen Welt nicht verweisen lassen, wie ich mit dem Versuch einige davon auf die Führung eines Unternehmens demonstrieren wollte. Es fragt unweigerlich danach, was sich wirklich verändert, was nur verändert scheint und was alles verändert werden muss, oder nur besser verstanden.

Simone Möbius, 28.02.2014

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