Rosario Castellanos - Das dunkle Lächeln der Catalina Díaz

vorgestellt von Claudia Hennemann

Mexiko gehört zwar geographisch zu Nordamerika, aufgrund der kulturellen Einflüsse sortiere ich diese Bücher jedoch zu Lateinamerika.



Ich wollte unbedingt noch ein Buch von einer weiblichen Autorin Mexikos lesen und habe im Internet recherchiert. Häufig begegnete mir der Name Rosario Castellanos, die als bedeutendste Autorin Mexikos des 20. Jahrhunderts gilt. Sie öffnete die Literatur in Mexiko für Frauen und einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt.

Frau Castellanos wurde in Mexiko-Stadt geboren und wuchs im Bundesstaat Chiapas auf, indem auch ihre Geschichte spielt. Trotz ihrer europäischen Herkunft hatte sie großes Verständnis für die indigene Bevölkerungsgruppe. Später lehrte sie an einer Universität in Mexiko und wurde zur mexikanischen Botschafterin in Israel ernannt.

Die Geschichte spielt in Ciudad Real (heute San Cristóbal de las Casas). Die Geschichte soll Anfang des 20. Jahrhunderts spielen, könnte aber auch zu einem späteren Zeitpunkt handeln, da sich an der Situation im Land kaum etwas geändert hat.

Um die Geschichte zu verstehen lohnt sich ein kleiner Exkurs in die mexikanische Geschichte:
Mexiko wurde 1519 von Hernán Cortes und den Spaniern erobert. Der letzte Herrscher der Azteken wird gestürzt und Mexiko-Stadt wird zur Hauptstadt von Nuevo Espana (Neu-Spanien). Die Spanier waren der indigenen Bevölkerung überlegen, da sie besser entwickelte und effizientere Waffen hatten. Außerdem wurden die Einheimischen durch die eingeschleppten Krankheiten geschwächt. Zudem wurden sie von den Großgrundbesitzern versklavt und mussten hart arbeiten. Die Folge daraus ist, dass die Urbevölkerung sich zahlenmäßig sehr reduzierte, denn mehrere Millionen der Indianer starben. Die Kultur und Religion der Indios wurde durch das Christentum verdrängt. Indianische Frauen wurden oft vergewaltigt, bekamen Kinder von europäischen Vätern und die beiden Rassen verschmolzen zu einer Mischbevölkerung, die Mestizen. Die Kolonialherrschaft dauerte fast 300 Jahre. Auch nach der Unabhängigkeit änderte sich im Land wenig. Die Jahre waren geprägt von Aufständen innerhalb des Landes, Gebietskämpfen mit den USA und 1863 intervenierten die Franzosen in Mexiko-Stadt.
1910 kam es zu einer erneuten Revolution innerhalb des Landes. Pancho Villa und Emiliano Zapata kämpfen mit Bauern, denen von der Regierung ihr Land enteignet wurden. Die Landreformen wurden nicht zufrieden stellend umgesetzt, so dass es 1994 zum erneuten Aufstand in Chiapas kommt. Die Regierung beschloss zwar neue Reformen, jedoch wurden auch diese nur mäßig umgesetzt.

Wer sich noch weitreichender mit der Geschichte Mexikos befassen möchte, sollte eine der folgenden Internetseiten besuchen: http://www.planet-mexiko.com/geschichte.html, http://www.laender-lexikon.de/Mexiko_Geschichte

Dies zeigt, dass die Geschichte der Unterdrückung und der Aufstände der Indios nicht nur damals ein aktuelles Thema in Mexiko waren.

Die Haupthandlung dreht sich um Catalina Díaz, die mit ihrem Leben sehr unzufrieden ist und als Seherin plötzlich zur Anführerin des Aufstandes der indigenen Bevölkerung wird.

Die weiße Oberschicht wird sehr genau und detailliert beschrieben, wahrscheinlich, weil die Autorin selbst zu dieser Schicht gehörte. Im Vergleich dazu werden die Indios weniger detailliert beschrieben. Es entsteht nur ein Gesamtbild. Folglich gelangt der Leser zu der Vorstellung, dass die Indios häufig betrunken, rückständig und den Weißen total ergeben sind.

Mir hat gut gefallen, dass hier Anhand eines Romans die wahre und ungeschönte Situation der verschieden Bevölkerungsgruppen erzählt wird. Jedoch sind, wie oben bereits erwähnt, die Beschreibungen nicht gleich gewichtet, sodass zu kaum einer Stelle Sympathie oder ein Mitfühlen für die indigene Bevölkerung aufkam. Ich konnte mich leider überhaupt nicht in die Seherin hineinversetzten und ihre zum Teil absurden Handlungen nachvollziehen.

Einen Großteil der Geschichte empfand ich als sehr zäh, da er ohne Witz oder Sprachgewandtheit den Alttag der weißen Oberschicht und die Mythen der indigenen Bevölkerung sehr ausgedehnt wiedergibt. Sehr spät kommt es zu einer drastischen und unvorhergesehenen Wendung. Catalina Díaz trifft eine extreme Entscheidung und leitet somit den Aufstand der Indios ein.
Nun werden die Schilderungen im Buch sehr drastisch und blutrünstig. Diese Passagen haben mich doch sehr überrascht, weil sie nicht wirklich zum Rest des Buches passen, jedoch geben sie treffend die schreckliche Situation der Aufstände wieder.

Alles in allem muss ich sagen, dass dieses Buch mich sehr unschlüssig zurücklässt. Ich finde dieses Buch aufgrund der oben bereits genannten Fakten in sich nicht ganz schlüssig. Die Intention der Autorin wird verfehlt, da das Ungleichgewicht der Darstellung in mir nicht das Mitgefühl mit den Indios erwachen lässt. Rosario Castellanos hat andere Schwerpunkte gesetzt als zum Beispiel Juan José Arreola. Bei Arreola empfand ich es als schön, dass auch die Katholiken mit einem leichten Witz kritisiert wurden und es nicht nur dieses typische Schwarz-Weiß-Denken gab. Allerdings hat auch dieses Buch bewirkt, dass ich mich als Leser mit dem Thema des Landraubs und der Behandlung der indischen Urbevölkerung auseinander zu setzen. Ich bin trotzdem froh eine Autorin mit in meine Leseliste aufgenommen zu haben.

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