Astrid Lindgren: Das entschwundene Land

Vorgestellt von Kerstin Schmidt

Eine Kundin kommt mit ihren Kindern in den Laden und steuert direkt auf die Kinderbuchabteilung zu. Die engagierte Buchhändlerin folgt der Familie und schaut ob sie behilflich sein kann und tatsächlich.

Buchhändlerin: „Guten Tag. Wie kann ich Ihnen helfen?“

Kundin: „Hallo. Ich habe tatsächlich eine Frage: Wo haben sie denn Literatur von Astrid Lindgren?“

Buchhändlerin: „Selbstverständlich haben wir ein paar Bücher von der Autorin im Hause. Im Moment wäre da zum Beispiel: die Kinder aus Bullerbü, die Brüder Löwenherz oder natürlich Pippi Langstrumpf.“

Kundin: „Pippi Langstrumpf… Das weckt Erinnerungen… Schade, dass es von Astrid Lindgren nicht auch einen Roman oder etwas Ähnliches gibt.“

Buchhändlerin: „Natürlich gibt es auch in der Belletristik etwas von ihr: „Das entschwundene Land“. Um genau zu sein erzählt sie in dem Buch von ihrer Kindheit. Einen Moment, bitte. Ich bin gleich wieder da“

Gesagt getan, die Buchhändlerin macht sich auf die Suche und wird auch schnell fündig. Wieder in der Kinderbuchabteilung:

Buchhändlerin: „Das hier wird Ihnen bestimmt gefallen. „Das entschwundene Land“ sind sieben Erzählungen mit autobiographischen Zügen von der Autorin. Hier erzählt sie uns über ihre Kindheit, über ihr Aufwachsen auf dem Hof der Eltern und auch wie diese sich kennen gelernt haben.“

Kundin: „Biografie? Aber ist das nicht ein wenig zu trocken?“

Buchhändlerin: „Ja, das ist einer der Vorurteile gegenüber biographischen Texten, aber das ist nicht immer der Fall. Astrid Lindgren schafft es gleich von der ersten Seite an den Leser zu fesseln. Es ist so als würde sie eins ihrer Kinderbücher lesen. Nur, das es sich hierbei nicht eine ihrer Figuren mit einer ausgedachten Geschichte handelt, sondern um die Geschichte ihrer Kindheit. Das Buch entführt uns nach Schweden, auf einen kleinen Hof auf dem Astrid Lindgren mit ihren Geschwistern aufgewachsen ist und viele Abenteuer erlebt hat. Beim Lesen merkt man sofort wo und wann die verschiedenen Figuren wie Pippi Langstrumpf, die sie später in ihren wunderbaren Büchern zum Leben erweckt ihren Ursprung haben. Auf jeden Fall kann ich mir sehr gut vorstellen das Ihnen das Buch gefallen würde.“

Kundin: „Das hört sich sehr interessant an. Das nehme ich gerne mit. Danke für die freundlich und kompetente Beratung.“

Buchhändlerin: „Sehr gern, kann ich sonst noch etwas für sie tun?“

Kundin: „Im Moment noch nicht, danke. Wir stöbern noch ein bisschen.“

Lindgren, Astrid: Das entschwundene Land

Ich liebe phantasievolle Bücher! Für mich ist ein Buch dann richtig gut, wenn ich mich ganz in ihm und seiner Welt verlieren kann. Das ist der Grund, weshalb ich Kinderbücher so mag. Und Astrid Lindren ist für mich die Königin des Kinderbuches. Selten habe ich solche Bücher gelesen. Mir scheint es manchmal, als könne sie in die Köpfe der Kinder hineinschauen und wüsste genau, wie sie fühlen und denken; was sie lustig oder spannend finden. Von der Medutzin, die dringend gebraucht wird, bis hin zur ollen Plutimikation in der Schule; vom Sachensucher spielen bis hin zur Pause am Limonadenbaum; von den Kindern aus der Krachmacherstraße bis hin zu dem weltbesten Karlsson vom Dach. Als Kind habe ich die Geschichten geliebt und sie faszinieren mich noch heute. Wie oft habe ich mich gefragt, wie kommt diese Frau nur auf so tolle Geschichten. Durch „Das entschwundene Land“ kann ich es endlich verstehen.

Eigentlich dachte ich, dass Astrid Lindgren in diesem Buch „nur“ die Liebesgeschichte ihrer Eltern erzählt. Eine wundervolle Geschichte einer unglaublichen, ein Leben lang anhaltenden Liebe, die mir am Schluss die Tränen in die Augen trieb!

„Was wäre die Welt ohne Liebe. Es wäre wohl eine öde Wüste für den Wanderer durchs Leben, sich nie geliebt zu fühlen oder selber lieben zu dürfen oder können. Nein, Du und ich wollen einander lieben mit ganzer, ungeschmälerter Liebe, um uns beiden das Leben dadurch so hold wie möglich zu machen.“

Aber diese Liebesgeschichte ist nicht alles, was es in diesem Buch zu entdecken gillt. Es folgen noch 5 Weitere Kapitel. Die nächsten zwei Erzählen von Astrid Lindgrens Heimat und ihrer Kindheit. Und während ich das so lese, beginne ich zu verstehen, wie sie ihre Kinderbücher mit so viel Leben füllen konnte und woher sie so manche Idee nahm. Sie erzählt von Landstreichern, die bei ihnen auf dem Heuboden Unterschlupf gesucht haben. Oder von Pelle, dem Vetter ihres Vaters, der einmal zugegen war, als ein Pferd sich nicht beschlagen lassen wollte. Doch Pelle begriff, dass der Hengst einfach nur kitzelig war und fasste ihn deshalb direkt am Huf an, woraufhin der Hengst in aller Ruhe beschlagen werden konnte. „Diese Geschichte muss dem Michel in Lönneberga zu Ohren gekommen sein!“ Oder einfach von den Streifzügen durch die Natur, die so viele tolle Plätze für Astrid und ihre Geschwister bereithielt.

In den nächsten zwei Kapiteln beschreibt Astrid Lindgren, wie sie als junges Mädchen zum Lesen gekommen ist und wie schön und wichtig es für sie war. Sie hält ein regelrechtes Plädoyer für Bücher und fordert Eltern direkt auf, ihren Kindern Bücher näher zu bringen und sie ihnen auf keinen Fall vorzuenthalten.

„Nehmt zehn jetzt lebende Menschen, die ihr hochschätzt und von denen ihr meint, dass sie wirklich etwas für die Menschheit geleistet haben, geht zurück bis in ihre Kindheit, blättert die Jahre um, und ich bin davon überzeugt, ihr findet zehn kleine Leseratten. Vielleicht waren es nicht immer sogenannte »gute« Bücher, die sie gelesen haben, aber gelesen haben sie, dessen bin ich sicher. Die Bücher gaben ihrer Phantasie Nahrung, und Phantasie war genau das, was sie brauchten, als sie sich als Erwachenene anschickten, die Welt zu verändern. Denn alles, was geschieht, muss zunächts einmal im der Phantasie eines Menschen Gestalt annehmen, wie sonst sollte es entstehen?“

Es folgt ein Kapitel für alle die gerne Kinderbuchautor werden möchten. Astrid Lindgren gibt Tipps und schreibt, worauf man ihres Erachtens nach achten muss. Ein Glückstreffen für mich, da ich wirklich darüber nachdenke, in dieser Richtigung tätig zu werden!

Und zum Schluss noch ein Leckerbissen. In dem letzten Kapitel „Wo kommen nur die Einfälle her“, erzählt Astrid Lindgren uns, wie sie auf so manche Gestalt aus ihren Kinderbüchern gekommen ist. Z.B. entstand Pippi Langstrumpf weil Astrid Lindgrens Tochter krank im Bett lag und sagte: „ Erzähl mir was von Pippi Langstrumpf.“ Und die Mama begann sich die haarsträubensten Geschichten über Pippi auszudenken. Auch Michel in Lönneberga war erst nur ein Name. „Rat mal was Michel in Lönneberga einmal gemacht hat!“, sagte Astrid Lindgren um einen kleinen „Schreihals“ zum Schweigen zu bringen.

Ein wundervolles Buch einer wundervollen Autorin!

Ein Muss in jedem Bücherregal!

(Jessica Schulz,2008)

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