Boris Sawinkow: Das fahle Pferd

Vorgestellt von Linus Zorg

Der Roman „Das fahle Pferd“ von Boris Sawinkow ist einerseits eine große literarische Leistung die Sawinkow vollbracht hat, andererseits ist es auch ein aussagekräftiges Panorama des russischen Terrorismus zum Ende der Zarenzeit, am Anfang des 20. Jahrhunderts. Denn dieses Buch ist nicht nur reine Fiktion, sondern Boris Sawinkow war tatsächlich ein Sozialrevolutionär und Terrorist der unter anderem im Jahre 1904 einen Mordanschlag auf den russischen Innenminister Wjatscheslaw von Plehwe durchgeführte und ein Jahr später an einem Anschlag auf den Großfürsten Sergei Romanow beteiligt war. Sawinkow war 1917 für eine kurze Zeit Kriegsminister, war aber strikt gegen die Bolschewiki und als Sie an die Macht kamen, floh er ein zweites Mal aus Russland. 1924 wurde er durch eine List der Sowjets in Russland gefangen genommen und starb ein Jahr später durch einen Sturz aus dem 5. Stock des Gefängnisses in dem er inhaftert war. Ob es Mord war, weiß man bis heute nicht.

Hier kann man direkte Parallelen zu dem Roman ziehen, denn die Handlung besteht aus einer Gruppe von Revolutionären die versuchen den Generalgouverneur der Stadt Moskau zu ermorden. Ein jeder in dieser Gruppe hat seinen eigenen Antrieb und rechtfertigt seine Aktionen auf eine andere Weise. Als hervorstechendes Beispiel ist hier Wanja zu nennen, der immer wieder die Bibel zitiert. Oder Heinrich, der nur wegen sein unsterblichen Liebe zu Erna ein Teil dieser Gruppe ist. Doch der interessanteste Charakter ist der Erzähler, denn obwohl er ja offensichtlich für seine Sache kämpft, kommt er oft nihilistisch rüber, denn absolut nichts bedeutet im etwas. Auf den Tod eines Genossen reagiert er absolut emotionslos und so kommt er auch immer wieder in Dialogen mit den anderen Gruppenmitgliedern rüber. Zum Beispiel Erna, die Bombenbauerin ist verliebt in Ihn und zeigt es Ihm immer wieder, er begegnet ihr jedoch nur mit Desinteresse und macht ihr immer wieder klar, dass er sie nicht liebt. Ich fand grade in einem kurzen Kapitel des Buches kann man das Motiv des Erzählers erkennen. Das Kapitel „8. Mai“ ist nur ein kurzer Absatz in dem der Erzähler über seine Absichten fast schon philosophiert und er kommt zu dem Schluss „Denn der Tod bedeutet – kein Gesetz.“ Ich fand in diesem kurzen Satz lässt sich erkennen wieso er handelt wie er es tut. In diesem Kapitel wird auch das einzige Mal der titelgebende Ausdruck „das fahle Pferd“ benutzt, das Reittier des Todes, dass überall wo sein Fuß den Boden berührt das Gras verwelken lässt und den Tod hinterlässt. Es wirkt fast so als sei das fahle Pferd, also der Tod sein ständiger Begleiter. Das einzige was den Erzähler aus dieser Haltung zum Leben herausreißt, ist seine Liebe zu der jungen, schönen Russin Jelena, die aber mit einem jungen, russischen Edelmann verheiratet ist. Beim Lesen hatte ich das Gefühl das der Protagonist, nur in den Dialogen mit Jelena wirklich wahrhaftig und ehrlich ist. Sie weiß auch was er macht wenn er sie verlässt doch ihr ist das egal denn sie liebt ihn. Sie bleibt aber trotzdem bei ihrem Mann, denn Ihr ist auch klar das eine Beziehung zu einem Terroristen nicht möglich ist.

Abschließend muss ich sagen, dass mir der Autor bis zu dieser Lektüre vollkommen unbekannt war und ich nicht wusste was mich erwartet. Im Nachhinein hat sich dieses Buch sehr gelohnt und ich kann es sehr empfehlen, aber es ist auch und vielleicht grade durch das Thema kein leichtes Buch. Boris Sawinkow hat aus dem französischen Exil außer diesem Buch, leider nur zwei andere geschrieben (die ich mir auf jeden Fall auch zulegen werde). Hätte Sawinkow sich auf die Literatur fokussiert, als auf das Geschäft mit dem Tod würde er heute vielleicht in einem Atemzug mit Namen wie Dostojewski,Tolstoi oder Turgenjew genannt werden.

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