Umberto Eco: Das Foucaultsche Pendel

Physikunterricht, Beweis der Erdrotation – das war meine erste Assoziation zu dem Titel. Doch um physikalisch, rationale Beweisführung geht es in diesem Roman nicht. „Das Foucaultsche Pendel“ ist ein mitreißender Krimi, der in die Welt der Mystiker und der Geheimlehren entführt.

Drei Mailänder Verlagslektoren, die sich aus beruflichen Gründen mit Esoterikern und Okkultismus beschäftigen müssen, fällt ein lückenhaftes und chiffriertes Dokument der Tempelritter in die Hände. Alle drei sind Skeptiker, doch mit den Methoden und Lehren der Okkultisten bestens vertraut. Sie beginnen voller Spott das Dokument zu entschlüsseln, nach dem Prinzip: „Alles beweist alles, wenn man nur fähig ist, die richtigen Verbindungen zu erkennen“. Auf diese Weise werden sie tatsächlich fündig: Sie entdecken den Welteroberungsplan der Templer. Doch was für die Lektoren ein intellektuelles Spiel ist, halten andere für Wahrheit und so wird aus dem Spiel tödlicher Ernst.

Mit der Klassifizierung „spannender Krimi“ wird man dem Roman allerdings nicht gerecht. Er enthält Elemente von Kriminal- und Abenteuerromanen, genauso philosophische und geschichtliche Diskurse und auch die Einzelgeschichten und die Entwicklung der drei Hauptpersonen sind wichtige Aspekte. „Das Foucaultsche Pendel“ ist alles andere als ein leicht zu lesender Roman. Er beginnt eigentlich mit dem Schluss und die Ereignisse werden im Rückblick geschildert bis hin zu der Szene, die schon am Anfang stand. Außerdem wimmelt es von Geheimbünden, Logen, Geheimlehren und geschichtlichen Daten, Fakten und Verweisen. Als Leser findet man sich in der gleichen Situation wie die drei Lektoren: mitten in einem Labyrinth von Ideen, Lehren und Ereignissen, das herausfordert, den Spuren zu folgen und Neues zu entdecken.

„Das Foucaultsche Pendel“ ist eines meiner Lieblingsbücher, denn es ist ein Buch, dass man immer wieder lesen kann und jedesmal findet man andere, neue Verweise. Die Parodie des „Großen Plans“ macht einfach Spaß, die unfassbare Sammlung von Wissen fasziniert. Die einfühlsam geschilderten Charaktere und Lebensgeschichten entführen den Leser in fremde Gedankenwelten; gleichzeitig vermittelt Umbert Eco seine Kritik an polarisierten Haltungen: weder absolute Rationalität noch Mystik führen zur Wahrheit. Wichtig ist der erlebte Augenblick – ganz im Sinne von Goethes Faust: „Augenblick, verweile doch du bist so schön.“

Alina Körber, 2008

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