Alon Hilu

Alon Hillu ist 1972 in Jaffa geboren. Neben Jrua studierte er Dramatic Writing an der Universität in Tel Aviv.

Seine Lehrer waren u.a. die führenden Dramatikern in Israel Jeshoschua Sobol und Schmuel Hasfari.

Der erste Roman von ihm erschien 2004 und heißt „Death of a Monk“

„Das Haus der Rajanis“ ist sein zweites Werk und wurde in etlichen Sprachen übersetzt.

Das Haus der Rajanis

Original 2008 Beck Verlag 2011 / 355 S.

Der Roman „Das Haus der Rajanis“ handelt vom jungen Agrarwissenschaftler Isaac Luminsky, welcher mit seiner jungen Frau sich ein neues Leben aufbauen möchte im heutigen Israel im Jahre 1895. Die jüdischen Siedler strömen ins Land und lassen sich nieder. Während Isaac sein Haus baut, lernt er den kleinen muslimischen Jungen Salach Rajani kennen und freundet sich mit ihm an. Der kleine Junge zeigt ihm die Farm, wo er lebt. Isaac ist begeistert von dem sehr fruchtbaren Land und als er die Mutter Afifa kennen lernt hat er sein Herz verloren. Der Vater von Salach Rajani ist sehr viel auf Geschäftsreise und somit selten da, deswegen kümmert sich Isaac um die Farm und kommt so der Mutter immer näher. Eines Tages erwischt Salach, seine Mutter und Isaac im Bett miteinander und aus der Vergötterung, welche er zuerst für Isaac empfand wird nun blanker Hass. Immer mehr verliert sich der Junge in Verfolgungswahn und Alpträume. Isaac steuert nicht gerade dazu bei die Situation zu entschärfen, sondern heizt sie stattdessen immer mehr an, in dem er alle Arbeiter auf der Farm entlässt und dafür jüdisch, europäische Siedler einsetzt. Irgendwann kommt es zur Eskalation und alle werden nur noch vom Hass gegenüber dem Anderen geleitet, was sie alle in eine tiefe Feindschaft stürzt, die bis heute noch existiert.

Alon Hilu spricht ein Thema in diesem Roman an, welches nicht so gerne in den Mund genommen wird. Bei ihm haben sowohl die Juden als auch die Moslems Schuld an der momentanen Situation. Sehr einfühlsam beschreibt er das Gefühl, welches auf beiden Seiten herrscht, das Misstrauen und das Fehlverhalten. Dabei bleibt er immer neutral und ergreift für niemanden Partei. Geschickt verknüpft er dies mit einem Roman, welcher nur so voll gepackt ist mit angespielten Situationen. Nicht umsonst wurde er für diesen Roman stark von den Strenggläubigen beider Seiten hart attackiert. Etwas Besonderes möchte ich noch ansprechen, welches mir beim Lesen aufgefallen ist, der Roman wird sowohl aus der Sicht des muslimischen Jungen Salach als auch aus der Sicht des Juden Isaac beschrieben. Während Salach sehr lange Sätzen formuliert und man als Leser das Gefühl hat, dass der Satz nie Enden wird, welches ein typisches Merkmal für die arabische Sprache ist, formuliert Isaac sehr kurze Sätze und hält sich nicht mit Beschreibungen auf, welches eher dem europäische Stil entspricht. Ich fand es sehr schön, dass man dies auch bei der deutschen Übersetzung gemerkt hat, die die Verschiedenheit der Sprachen aufzeigt.

Jan Lindert

Drucken/exportieren
QR-Code
QR-Code das_haus_der_rajanis (erstellt für aktuelle Seite)