Das letzte Einhorn

Einst in einem Zauberwald

es ward nie Winter, ward nie kalt,

Lebte ein Einhorn seit ew´gen Zeiten,

und nichts konnte ihm je Kummer bereiten.


Doch eines Tages zog es fort,

um zu suchen an jedwedem Ort.

Zerstreut wie feine Sandkörner,

glaubte es die and´ren Einhörner.


Auf seiner Suche blieb es nicht allein,

ein Zauberer wollte ihm zu Hilfe sein.

Doch Schmedricks Magie lag tief verborgen,

sogar versteckt vor den eignen Aug` und Ohren.


Das Einhorn ward meist unerkannt,

die Menschen hatten Wunder längst verbannt.

Nur was sie sahen, hatte sie gelehrt

und übrig blieb ein weißes Pferd.


Mit Ausnahme die Räuberbraut,

Molly Grue, die sich kaum traut,

Es das zu nennen, was es ist,

solange hat sie´s schon vermisst.


Bald hörten sie vom Roten Stier,

von König Haggard und Prinz Lír.

Und führte die drei in karges Land,

verflucht von einer Hexe Hand.


Schon lauerte der Stier auf sie,

und trieb das Einhorn fort wie Vieh.

Denn solche feurig´ Höllenbrut,

nahm selbst dem Einhorn allen Mut.


Nur Magie konnt´ es noch retten,

drum sprengte Schmendrick alle Ketten.

Und wo ein Einhorn ward gewesen,

schlug das Herz von einem Menschenleben.


Als Lady Amelie gelangte sie ins Schloss,

und da der finstre König die Gesellschaft genoss,

Durften sie bleiben solang es beliebte,

und es kam, dass der Sohn sich verliebte.


Bald verblasste das Einhorn in ihr,

verschwand wie alte Tinte auf Papier.

Und sie liebte den Prinzen in solchem Maß,

dass sie den Grund ihrer Reise fast vergaß.


Doch dann ward das Geheimnis aufgedeckt,

die Einhörner hielt man im Meer versteckt.

Der Stier hatte sie alle hineingetrieben,

wo sie aus Angst vor ihm für immer blieben.


Die Freunde machten sich auf, ihn zu bezwingen,

und zusamm´ mit dem Prinzen sollt es gelingen.

Den Stier selbst ins Meer zu bannen,

um die Freiheit der Einhörner wieder zu erlangen.


Lady Amelie erhielt ihre wahre Gestalt,

und kehrte als Einhorn zurück in ihren Wald.

Das Gefühl für den Prinzen kam nie zum Versiegen,

es war das einzige Einhorn, das je lernte zu lieben.


Isabel Bolinger, 26.12.2011

Peter S. Beagle - Das letzte Einhorn

Ein Einhorn beobachtet im Wald zufällig zwei Jäger und hört wie sie sich darüber unterhalten, dass schon lange keine Einhörner mehr gesehen wurden. Das Einhorn will es nicht glauben, hört aber, dass es das letzte seiner Art sein soll. Es macht sich auf den Weg durch die Welt, unterwegs gesellen sich Schmendrick der Zauberer und Molly Grue zu ihr. Gemeinsam sind sie auf dem Weg zur Burg von König Haggard, der den roten Stier beherbergen soll -das Wesen, dass vor langer Zeit alle Einhörner ins Meer getrieben haben soll.

Auf dem Weg müssen sie vielen Gefahren und Abenteuern trotzen, bis sie die Stadt Hagsgate am Fuße des SChlosses König Haggards erreichen. Das Schicksal dieser STadt ist eng verbunden mit dem des Schlosses und es geht die Legende um, ein Held soll kommen, der das SChloss zu FAll bringt und somit auch die Stadt erlöst.

Dort angekommen, kann das Einhorn nicht in ihrer Gestalt auftreten und wird von Schmendrick in einen Menschen verwandelt. Je länger die Suche nach dem Stier dauert, desto menschlicher wird das Einhorn. Prinz Lir, der Adoptivsohn Haggards verliebt sich in das Einhorn, auch sie ist nicht ganz ohne Gefühle und das obwohl sie als magisches Wesen weder Trauer noch Freunde kennt.

Bevor sie das Versteck, die Höhle des roten Stieres betreten, finden die Freunde heraus, dass der Stier Haggard gehört. Den Stier aus der Höhle gelockt, kämpft das Einhorn mit dem Stier um ihn ins Meer zu schicken und seine Artgenossen zu befreien -es gelingt ihm, dabei wird es zurück in ein Einhorn verwandelt.

Sie lässt Prinz Lir zurück, mit den Worten, es wäre das einzige magische Wesen das gefühlt hat, Freude und Leid kennt.


Am ehesten bekannt ist wohl der Zeichentrickfilm, der ebenso wie das Buch „Das letzte Einhorn“ heißt. Wer nicht gerne liest, ist auch mit dem Film gut dabei, eines der wenigen Werke die nahezu eins zu eins übernommen wurden. Im Buch gibt es noch die ein oder andere Geschichte mehr.

Für Freunde von schönen Geschichten, und Menschen die gerne viel Fantasie einbringen, ist das Buch ein gefundenes Fressen. Zauberhaft, romantisch, tragisch und voller Freude.

Mein Fazit: Ein Buch für jung und alt. Jederzeit ein Genuss, egal ob man den Film kennt oder nicht.

Peter S. Beagle: „Das letzte Einhorn“

„Das letzte Einhorn“(Originaltitel: „The last Unicorn“)…Viele assoziieren mit diesem Titel die sehr gelungende Zeichentrickverfilmung aus dem Jahre 1982 von Jules Bass und Arthur Rankin Junior. Oder auch den wundervollen Soundtrack, komponiert von Jimmy Webb(welcher damit der Band 'Amercia' ein erfolgreiches Comeback ermöglichte).

Aber was ist mit dem Ursprung des letzten Einhorns? Wer erschuf es? Kein geringerer als der US-amerikanische Fantasyschriftsteller Peter S. Beagle(der nebenbei auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat). Neben „Es kamen drei Damen im Abendrot“ und „He! Rebeck!“ zählt sein Werk „Das letzte Einhorn“, welches im Jahr 1968 erschien, definitiv zu seinen größten Erfolgen.

Peter S. Beagle erzählt uns von einem wunderschönen und sehr anmutigen Einhorn, welches seit Ewigkeiten anscheinend zufrieden in seinem magischen Fliederwald lebt. Durch seine Zauberkräfte, die ihm innewohnen, beschützt das weiße Geschöpf die Tiere im Wald vor den Jägern.

Eines Tages belauscht dieses unsterbliche Wesen zwei Jäger bei einem ihrer Gespräche. Der eine jammert über die schlechten Jagdbedingungen in diesem Wald und gibt die Schuld(zurecht) dem Einhorn. Der andere argumentiert dagegen, hat doch schon seit Ewigkeiten niemand mehr ein Einhorn sichten können! Es wird sie wohl nicht mehr geben, so meint er.

Das Einhorn, total durcheinander ob dieser Aussage, wird sich nun bewusst, dass es wohl tatsächlich das letzte Einhorn auf der Welt sein muss. Aber was ist mit ihnen geschehen? Das wunderbare Geschöpf entschließt sich der Sache auf den Grund zu gehen und möchte seine Artgenossen aufzuspüren. So verlässt es also seinen magischen, zeitlosen Wald.

Vom Schmetterling erfährt es als erstes von dem roten Stier, welches direkt aus dem Tiefen der Hölle hervorgekommen sein und alle Einhörner ins Meer getrieben haben soll. Das Einhorn möchte seine armen Artgenossen retten und begibt sich auf einen sehr gefahrvollen Weg. So trifft es auf Bauern, die es einfangen wollen und später auch auf die Jahrmarktshexe Mammy Fortuna, eine Schwindlerin, die ihre Kunden durch Illusionen weismacht, dass ein Löwe ein Mantikor wäre und ein Affe ein Satyr. Die einzig wahren übernatürlichen Wesen auf diesem Jahrmarkt sind das Einhorn selbst und eine grausame Harpiye(beide wurden von Mammy Fortuna nur durch Arglist gefangen genommen).

Doch glücklicherweise kommt dem Einhorn der untalentierte Zauberer Schmendrick zuhilfe, der das Einhorn neben der Hexe als solches erkennt. Er befreit es aus dem Gehege und aus Mitleid befreit das Einhorn auch die anderen Tiere, selbst die Harpiye, die es eigentlich auf das Einhorn abgesehen hat. Doch der Wunsch sich an der Hexe zu rächen überwiegt die Gier nach dem Tode des Einhorns und so stürzt sich die Harpiye mordlustig auf die Illusionistin.

Neben Schmendrick, der dem edlen Geschöpf von nun an auf Schritt und Tritt folgt, kommt auch eine neue Gefährtin dazu: Molly Grue, eine verbitterte Frau, die in ihren jungen Jahren vergeblich auf den Segen des Einhorns gewartet hat und sich nun mit Räubergesindel abgibt. Doch kaum sichtet Molly das Einhorn, sind alle Sorgen vergessen und alle Liebe und Zärtlichkeit kommen in ihren Zügen wieder zur Geltung, die jeder Frau innewohnen.

Sie erfahren, dass der Rote Stier dem finsteren König Haggard gehört, der in der Nähe von Hagsgate in seinem kalten Schloss wohnt. Also machen sie sich auf, Richtung Schloss. Doch der rote Stier kommt ihnen zuvor und versucht auch diesmal wieder ein Einhorn, nun das letzte seiner Art, ins Meer zu treiben. Das Einhorn ist der Gefahr nicht gewachsen und aus purer Verzweilfung und Angst verzaubert Schmendrick das fantastische Wesen in einen Menschen. Der rote Stier lässt von dem Menschen ab und zieht sich zurück, doch das Leid nimmt erst seinen Anfang. Wie konnte Schmendrick dem Einhorn das nur antun? Nun ist es dem Fluch der Menschen ausgesetzt: der Vergänglichkeit. Doch aller Wehklagen nützt nichts und so machen sich die drei auf zum Schloss um ihr Abenteuer fortzusetzen.

Dort treffen sie auf den verbitterten und selbstsüchtigen Tyrannen Haggard und seinen adoptierten Sohn Lír. Letzterer verliebt sich unsterblich in die wunderschöne Frau(das Einhorn), welche ihm als Lady Amalthea vorgestellt wird. Um auf dem Schloss bleiben zu können wird Schmendrick zur Belustigung Haggards sein Hofzauberer und Molly wird kochen und für den Haushalt zuständig sein(so leben auf dem kalten Schloss neben den dreien auch nur König, Prinz und zwei sehr betagte Wachen).

Am Anfang noch kalt, abweisend und zurückgezogen geht Lady Amalthea mit der Zeit doch auf die Liebesbekundungen Prinz Lírs ein. So hat er sich ihrer zuliebe extra von einem faulen Burschen zu einem nennenswerten Helden rangemausert. Auch die Zeit vergeht zu Lírs Gunsten. So vergisst die Lady Stück für Stück ihr früheres Ich und aller Glanz schwindet aus ihren Augen.

Doch bevor sie gänzlich zum Menschen wird können die drei dank Hilfe einer rätselhaft sprechenden Katze und der Hilfe des Prinzen den Stier, der von König Haggard zum Einfangen der schönen Geschöpfe gedacht war, aufspüren. Lady Amalthea wird durch die Hilfe Schmendricks, der so langsam seine eigene magische Macht findet, wieder zum Einhorn und stellt sich erneut dem erzürnten Biest. Doch ohne den Mut des Prinzen, der versucht seine Geliebte zu beschützen und dabei selbst tödlich verletzt wird, wäre es dem Einhorn nie gelungen selbst großen Mut zu schöpfen und sich erfolgreich gegen den Stief zur Wehr zu setzen. Es treibt das Biest ins Meer und befreit dadurch seine Artgenossen. Das Schloss stürzt durch die Einhörner in sich zusammen und reißt König Haggard mit in den Tod.

Nach dieser Heldentat erweist das Einhorn dem Prinzen einen letzten Liebesbeweis und erweckt ihn zu neuem Leben.

Dieses Buch ist mir sehr an Herzen gewachsen. Die Geschichte besticht neben viel Humor und viel Spannung auch durch Tiefgründigkeit. Die Dialoge sind sehr intelligent verfasst und es macht Spaß die Geschichte zu lesen.

(Melanie Fritzsche, 2008)

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