Alice Walker: Die Farbe Lila

Vorgestellt von Ina Bandholz

Lieber Gott,

Ich schreibe dir diesen Brief, als meinen letzten. Denn ich bin glücklich. Ich habe viel erlebt und mitgemacht in meinem Leben. Aber ich will und werde mich niemals beschweren, denn nur du hast mir mein Leben, meine liebenswerte Schwester und 2 Wundervolle Kinder geschenkt. Ich bin dir mit tiefen dank verbunden. Durch dich habe ich viel lernen dürfen, habe tolle Menschen kennen gelernt. Und ich weiß dass ich niemals, in keiner Situation alleine war. Denn du warst bei mir, ich muss gestehen, ich habe mich manchmal im stillen gefragt, wieso. Wieso bin ich eine Frau, wieso nehmen sich die Männer solch grausame Rechte heraus. Wie kommen sie dazu uns zu schlagen, zu vergewaltigen, und uns dann auch noch unsere Kinder weg zu nehmen. Warum? Ich habe mir oft diese Fragen gestellt. Aber ich bin nur zu einer Antwort gekommen.

- Jeder hat einen bestimmten Weg in seinem Leben, den er gehen muss, auch wenn er noch so Steinig und schwer erscheint. Und jeder muss seine eigenen Erfahrungen sammeln, und vor allem sollte jeder Mensch seine eigenen Spuren hinterlassen.

Ich, bin meinen eigenen Weg gegangen und ich habe meine eigenen Spuren hinterlassen. Ich bin so manch steilen Pfad in meinem Leben hinaufgegangen, habe so manchen Felsen aus dem Weg geräumt. Und auch mit allein Hindernissen wusste ich stets dass du bei mir warst. Das du da warst und ich mich immer auf dich verlassen konnte, ich wusste du hast einen Weg für mich vorgesehen. Und nun bin ich dort wo du mich hinführen wolltest.

Ich bin frei.

Ich habe die Freiheit, meine wundervollen Kinder und meine über alles, geliebte Schwester gefunden.

Ich bin angekommen.

In ewigem Dank und in ewiger Treue.

Celie

Meine eigene Meinung: Ich würde so eine Frau wie Celie gerne kennenlernen. Ich bewundere Celie für ihre hingebungsvolle Art, dafür dass sie sich niemals beschwert, alles hinnimmt und einfach ihren Weg geht. Egal in welcher Lebenslage sich Celie auch befindet sie meistert sie auf ihre ganz eigene Art und Weise. Ein absolut großartiges Buch was in keinem Bücherregal fehlen sollte.

(Ina Bandholz, 2012)

Vorgestellt von Svenja Simon

Lieber Gott,

hier bin wieder ich – Celie. Ich möchte dir jetzt meine ganze Geschichte erzählen: Ich war 14 Jahre alt als meine Mama anfing krank zu werden und mein Vater meinte ich habe ab jetzt alle ihre Aufgaben zu erledigen – auch im Bett. Ich ließ es über mich ergehen damit er meine kleine Schwester Nettie in Ruhe ließ. Zweimal war ich von ihm schwanger, aber er brachte die Kinder gleich nach der Geburt weg und sagte mir nicht wohin.
Nachdem du Mama zu dir geholt hattest, nahm er sich eine neue Frau und mich verheiratete er mit Mr….Meine kleine Nettie blieb bei ihm und nun musste sie auf sich selbst aufpassen, weil ich mit Mr…. in sein Haus zu gehen hatte. Ich musste seinen Haushalt führen, die Feldarbeit erledigen und seine ungezogenen Kinder erziehen. Er schlug und missbrauchte mich, doch als meine kleine Nettie zu uns kam um sich vor unserem Vater zu verstecken, wurde es kurze Zeit besser. Bis sich Mr…. an Nettie ranmachte. Weil sie nicht wollte, jagte Mr….sie wütend davon. Bevor sie verschwand, versprach sie mir, dass sie immer Briefe schreiben würde. Aber es kam nie einer an und ich dachte sie wäre tot.
Irgendwann brachte Mr….  seine Freundin Shug Avery die wunderschönste, selbstbewussteste Frau der ganzen Welt mit nach Hause. Ich pflegte sie als sie schlimm krank wurde und sie brachte mir bei, dass Liebe etwas Schönes sein kann, ganz ohne Schläge. Zum ersten Mal fühlte ich mich wie ein Mensch und wollte mir jetzt nicht mehr alles gefallen lassen müssen. So fing ich an Hosen zu nähen und zu verkaufen um nicht mehr auf das Geld von Mr…. angewiesen zu sein. Irgendwann habe ich ganz viele Briefe gefunden, die mir meine kleine Nettie über all die vielen Jahre geschickt hatte. Mr…. hatte sie einfach versteckt. In diesen Briefen schrieb sie mir, dass meine Kinder von Missionaren adoptiert wurden, die erst nach England und dann nach Afrika gingen. Netti ging mit als Nanny von den Beiden, um sie zu beschützen. Als ich das gelesen hatte, da hätte ich fast was ganz Schlimmes mit Mr…. gemacht. Shug half mir als ich Mr….und sein Haus verließ. Als mein Vater, der dann doch gar nicht mein richtiger Vater war starb und Nettie und ich das Haus erbten, kam Nettie mit meinen erwachsenen Kindern zu mir zurück. Wir sind jetzt wieder zusammen und endlich glücklich und dafür danke ich dir.

Amen

(Svenja Simon, 2011)

Vorgestellt von Isabel Bolinger

So wie Celie in dem Roman „Die Farbe Lila“ an den „lieben Gott“ schreibt, möchte ich Folgendes nun an Sie, meinen Leser, richten. In diesem Sinne:

Lieber Leser,

die folgende Geschichte erzählt von dem Leben einer farbigen Frau Anfang des 20. Jahrhunderts in den Südstaaten Amerikas. Celie ist vierzehn, als sie das erste Mal von ihrem Vater schwanger wird. Dass dieser Mann nicht ihr leiblicher Vater ist, erfährt sie allerdings erst viele Jahre später. Ihre Mutter bleibt im Unwissenden über die Taten ihres Mannes und stirbt schließlich früh. Celie muss sich um die Geschwister kümmern und versucht besonders ihre hübsche kleine Schwester Nettie vor ihrem Stiefvater zu schützen, auf die er immer öfter ein Auge wirft. Zwei Kinder bekommt sie von ihm und werden ihr auch gleich wieder entrissen. Celie kann zu dem Zeitpunkt nur hoffen, dass er sie nicht getötet hat. Nach der zweiten Geburt wird sie dann unfruchtbar.

Ein Mann aus der Gemeinde wird eines Tages auf Nettie aufmerksam und bittet den Vater um eine Heirat. Er braucht eine Frau, die für ihn und seine 4 Kinder sorgt. Doch ihr Vater lehnt ab, bietet im stattdessen Celie an, die inzwischen fast 20 ist. „Sie ist hässlich. Sagt er. Aber schwere Arbeit is nix Fremdes für die. Und Gott hat sie verschlossen. Mit der können Sies treiben, wie Sie wollen, und trotzdem brauchen Sie nachher keine Mäuler stopfen und Kleider ranschaffen.“ Nach einiger Bedenkzeit und nur widerwillig nimmt er Celie zur Frau und holt sie in sein Haus. Celie nennt ihren Mann die ganze Zeit nur „Mr.“ und erfährt erst Jahre später zufällig seinen Vornamen Albert, was mich ein bisschen schockiert hat und am allerbesten zeigt, wie zweckmäßig diese Ehe ist.

Im Grunde hat sich ihr Leben durch die Heirat nicht verändert: sie wird erneut missbraucht, ausgenutzt und nicht selten verprügelt. Und um das mal hervorzuheben, Celie lässt es auch einfach geschehen: die Kinder tanzen ihr auf der Nase rum, sie springt, wenn Albert nach ihr ruft, hält still, wenn er sie schlägt und auch wenn er mit ihr schläft, was jedesmal schrecklich für sie ist. Sie weiß, dass sie kämpfen müsste, aber sie sagt selbst, dass sie es einfach nicht kann. „Ich wehr mich nich. Ich bleib, wo ich soll. Dafür leb ich.“ Kurze Zeit nach der Heirat, flieht Nettie von Zuhause. Ohne Celie kann sie ihrem Stiefvater kaum etwas entgegensetzen. Sie verspricht, Celie bis zu ihrem Tod zu schreiben, die jedoch nie einen Brief erhält. In der Zwischenzeit begegnet Celie in der Stadt beim Einkaufen einer Frau mit einem kleinen Mädchen namens Olivia, von dem sie sofort erkennt, dass es ihre Tochter ist. Dieses Wissen und die Hoffnung, dass vielleicht auch ihr Sohn am Leben ist, lässt sie wieder ein wenig Glück verspüren.

Nach ein paar Jahren heiratet Alberts ältester Sohn Harpo die robuste und selbstbewusste Sofia. Celie findet in ihr eine Freundin, ist aber auch neidisch auf ihre Stärke. Sofia lässt sich von ihrem Mann nichts sagen und treibt diesen, der aus seinem Elternhaus ja etwas ganz anderes vorgelebt bekommen hat, zur Verzweiflung. Es geht sogar soweit, dass Harpo sie schlägt, um sie gefügiger zu machen und daraufhin von ihr grün und blau geprügelt wird. Das ist die erste Stelle, an der ich beim Lesen laut lachen musste, eine angenehme Überraschung, da ich ansonsten sehr im Ernst der Geschichte gefangen war.

Als nächstes tritt eine Person auf, die Celies Leben deutlich beeinflussen wird. Erfolgreiche Jazzsängerin und zugleich Alberts ehemalige Geliebte Shug Avery kommt mit ihrer Show in die Stadt und erzeugt ziemlichen Aufruhr. Einerseits geliebt und gefeiert, anderseits Anlass für viel bösen Tratsch. Denn Shug ist neben ihrem Gesang auch für kurze Kleider, reichlich Männergeschichten und eine sehr offenene (und damit unerwünschte) Art bekannt. Albert ist sofort wieder Feuer und Flamme für die Frau, die ihn sitzen gelassen hat. Celie ist ebenfalls vom ersten Hörensagen an von Shug fasziniert „Herrgott würd ich gern hingehen. Nicht tanzen. …Nich mal Shug Avery singen hörn. Ich wär schon zufrieden, wenn ich sie mit Augen sehen könnt.“ Als die Diva dann schwer krank wird, nimmt Albert sie Zuhause auf und nicht einmal der harsche Ton Celie gegenüber und anfängliche Beleidigungen können ihre Bewunderung trüben. Shug und Albert schlafen auch wieder miteinander, was Celie jedoch nicht stört, wenn sie nicht sogar erleichtert ist, dass er sie nun in Ruhe lässt. Mit der Zeit geht es der Sängerin wieder besser und die beiden Frauen kommen sich näher. Es entwickelt sich zunächst eine innige Freundschaft. Shug ist schockiert, als sie von Celie erfährt, wie Albert mit ihr umgeht. Sie setzt sich für sie ein und lässt Albert versprechen, Celie nicht mehr zu schlagen. Nachdem Celie von Anfang an eine gewisse Verliebtheit und auch körperlichen Reiz gegenüber Shug empfunden hat, finden die Frauen auch bald körperlich zueinander. Durch eine zufälligen Entdeckung kommt Celie dank Shug an die von Albert vorsetzlich zurückgehaltenen Briefe ihrer Schwester. Nun findet der Leser über viele Seiten an Celie gerichtete Briefe vor, in der Nettie ihr Leben erzählt. Wie sie als Kindermädchen zu den Adoptiveltern von Celies Kindern gekommen ist und später als Missonarin nach Afrika zu ihren Vorfahren ging. Die ganze Zeit konnte sie über Celies beiden Kindern wachen, die sehr glücklich und behütet aufgewachen sind. Zudem erfährt sie von ihr, dass der Mann, von dem sie gedacht hatte, er sei ihr Vater, nie mit ihr verwandt war. Dass ihre Kinder demnach keine Folge von Inzest sind, ist eine große Erleichterung für Celie. Die Briefe geben ihr unglaublich viel Kraft, aber auch unbändige Wut ihrem Mann gegenüber. Shug fasst den Entschluss, mit Celie wegzuziehen. Als sie dies nun Albert verkünden, der natürlich alles andere als begeistert ist, findet Celie das allererste Mal die Kraft sich zu wehren. Und wie! „Nur über meine Leiche, sagt Mr. …Was is denn jetzt kaputt?“ „Du bist ein gemeiner Hund, dass isses, was kaputt is, sag ich. Es wird Zeit, dass ich weggeh von dir und in die Schöpfung eintret. Und deine Leiche is grad die richtige Fußmatte dafür.“ Ein einziges Hochgefühl überkommt einen da, wenn Celie endlich ihre ganze Wut rauslässt und Albert damit konfrontiert, der verständlicherweise vollkommen schockiert ist.

Celies jahrzehnte Unterdrückung ist vorbei, zusammen mit Shug genießt von nun ihr Leben. Ihr Talent und ihre Freude am Nähen verhelfen ihr zu Arbeit und einem eigenständigem Leben. Als nach einiger Zeit ihr Stiefvater verstirbt, erbt sie auch noch das große Grundstück, auf dem sie aufgewachsen ist. Celie lernt mit ihrem Leben zufrieden zu sein, selbst als Shug sich erneut verliebt und sie für eine Weile verlässt. Sogar zu ihrem Mann entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft. Als krönender Abschluss kommt ihre Schwester Nettie mit Celies Kinder zurück nach Hause.

Die Tagebuchform des Romans ist sehr gelungen und hat mir das Gefühl vermittelt, ganz nah an Celies Schicksal teilhaben zu können. An die vorherrschende Sprache musste ich mich allerdings erst einmal gewöhnen, die sehr an Celie angepasst ist. Die einfachen Sätzen und dass z.B. „nicht“ zu „nich“ wird, sind da kein Problem, aber Ausdrücke wie „Hat der einen Bruder, wo Jimmy heißt?“ sind erst ein bisschen befremdlich. Darüberhinaus wird einem Celies Schicksal in einer ungeschmückten, ehrlichen und oftmals realistisch harten Art erzählt, was nicht immer angenehm, aber dafür doch sehr passend ist.

Alice Walker, eine US-amerische Autorin, ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur und die „Die Farbe Lila“ ihr bekanntestes Werk. Der 1982 erschienende Roman wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und von Steven Spielberg erfolgreich verfilmt. Alice Walker gilt als Feministin und ist politisch sehr aktiv. Ihr wurde vorgeworfen, Männer und Frauen in ihrem Roman zu schematisch und klischeehaft dargestellt zu haben. Meiner Meinung nach liegt man damit auch relativ richtig, aber wenn ich bedenke, was sie mit ihrem Buch aufzeigen wollte, finde ich dies sogar gerechtfertig und notwendig. Andernfalls hätte diese Handlung schließlich so gar nicht stattfinden können. Als Leser muss man sich nur vor Augen halten, dass ihre Charakterzeichnungen nicht auf alle Menschen anwendbar waren, allerdings auch leider nicht zu selten zutreffend.

Fazit: ein beeindruckender, ergreifender und kraftvoller Roman

(Isabel Bolinger, 2010)

Vorgestellt von Andrea Gaertner

„Lieber Gott, ich bin vierzehn Jahre alt. Ich bin immer brav gewesen. Vielleicht kannst du mir ein Zeichen geben, dass ich weiß, was mit mir passiert.…“

‚Die Farbe Lila’ ist ein trauriger und erschreckender, aber zugleich mutiger und hoffnungsvoller Einblick in das Leben farbiger Frauen in den 30er Jahren in Georgia. Alice Walker erzählt von einer jungen farbigen Frau, die ihr Leben in Briefen/ Tagebucheinträgen an den ‚lieben Gott’ festgehalten hat.

Miss Celie ist fast 20 Jahre alt, als sie an ‚Mr.—’, einen Witwer mit vier Kindern, verheiratet wird. Ihr Leben ist schon zu diesem Zeitpunkt von Missbrauch, Misshandlung, Unterdrückung und Ausnutzung durch ihren Stiefvater bestimmt. Ihre beiden Kinder, deren Vater ihr Stiefvater ist, wurden Celie nach der Geburt von ihm weggenommen. Durch die Heirat tritt für sie keine Verbesserung in ihrem Leben ein, da Mr.— eigentlich Miss Celies Schwester Nettie heiraten wollte, aber dies durch den Stiefvater verhindert wurde.

„… Nettie kann ich Ihnen nich geben. Die is zu jung.… Soll mal Lehrerin werden. Aber Celie können Sie haben.… Frisch is die nich mehr.… Sie is hässlich. Sagt er. Aber schwere Arbeit is nix Fremdes für die.…“

Miss Celie erfährt in ihrer Ehe nie Liebe und Geborgenheit, bis eines Tages die erkrankte Geliebte von Mr.— für längere Zeit bei Ihnen lebt und Miss Celie sie gesund pflegen soll. Shug Avery ist Sängerin und ganz das Gegenteil von Miss Celie. Sie ist elegant gekleidet, geschminkt und eine selbstbewusste Persönlichkeit.

„Und angezogen zum Umwerfen is sie. Sie hat ein rotes Wollkleid an und die Brust voll mit schwarzen Perlen.… Sie sieht so elegant aus, es is, wie wenn die Bäume ums Haus rum sich auf die Zehen stelln, dass sie besser sehen.“

Durch ihre Anwesenheit im Haus und ihre Aufmerksamkeit, die sie Miss Celie schenkt, sieht diese sich und die Welt um sie herum mit neuen Augen.

„Mein Leben hat aufgehört, wie ich von zuhause weg bin, denk ich. Aber dann denk ich noch mal. Es hat aufgehört mit Mr.–, vielleicht, aber mit Shug hat es wieder angefangen.“

Miss Celie wird stärker und selbstbewusster und tritt für ihr eigenes Leben ein. Sie fasst den Entschluss zu gehen, nachdem sie die Briefe ihrer Schwester Nettie gefunden hat, von der sie dachte, dass sie schon nicht mehr leben würde. Sie verlässt Mr.— und geht mit Shug nach Memphis.

„Er hat deine Briefe abgefangen, sagt Shug. Nä, sag ich, gemein is Mr.— ja manchmal, aber nich so gemein. Sie sagt, mhm, so gemein is er. Aber wieso hat er das denn gemacht?, frag ich. Er weiß doch, dass Nettie mir alles auf der Welt is.“

In Memphis beginnt sie Hosen zu schneidern, kehrt aber nach Hause zurück, da sie Haus und Land von ihrem verstorbenen Stiefvaters erbt und dort eine Hosenschneiderei eröffnet. Am Ende geschieht Miss Celie das größte Glück, denn ihre verloren geglaubte Schwester Nettie und ihre beiden Kinder kehren endlich zu ihr zurück.

„Wie Netties Fuß auf der Veranda aufkommt, sterb ich fast. Ich steh schwankend da zwischen Albert und Shug. Nettie steht schwankend da zwischen Samuel und, ich denk, das muss Adam sein. Dann fangen wir beide an, zu stöhnen und zu weinen. Wir torkeln aufeinander zu, wie wirs getan haben, wie wir kleine Kinder waren.… Nach einer Weile sagt sie: Celie. Ich sag: Nettie.“

Ich finde, ‚die Farbe Lila’ ist ein eindrucksvoller und gut geschriebener Roman über die Lebensverhältnisse der farbigen Familien in den Südstaaten und über die Rolle und Stellung der Frau. Es ist eine Geschichte über Lebensmut, Stärke, Liebe und Hoffnung und der Emanzipation im Kleinen. Die Frau hat den Haushalt zu führen, sich um die Kinder zu kümmern, braucht keine Bildung, hat keine Rechte und muss immer da sein, wenn der Mann es verlangt. Kurz gesagt, eine Frau bedeutet nichts.

Alice Walker verdeutlicht diese These insbesondere durch die Sprache, den Satzbau und die vielen kurzen Sätze von Miss Celie und die ‚Einfachheit/ Schlichtheit’ in allem:

„Es is nix Schlimmes mit Shug Avery. Sie is nur krank. Kränker, als ich in meinem Leben jemand gesehen hab. Sie is kränker, als meine Mama war, wie sie gestorben is.“ „Jetzt, wo ich weiß, dass Albert Nettie ihre Briefe versteckt, weiß ich auch genau, wo sie sind. In seiner Truhe.“

Besonders durch ihre Sprache und die Tagebuchform wirkt die Geschichte so authentisch und man fühlt mit Miss Celie in allen Situationen mit. Alice Walker stammt aus der Welt, die sie in ihrem Roman beschreibt. Sie hat Armut, Rassendiskriminierung, Gewalt und die Anfeindung von Mädchen und Frauen in der Gesellschaft der Südstaaten der USA selbst erfahren. 1983 erhielt sie als erste Afroamerikanerin den Pulitzerpreis für ihr Werk, das 1986 von Steven Spielberg verfilmt wurde und dadurch Weltruhm erlangte. Sie musste aber auch viel Kritik einstecken, da die Rolle des farbigen Mannes als zu negativ und gewalttätig dargestellt wurde. Heute zählt sie mit zu den bedeutendsten afroamerikanischen Schriftstellerinnen und engagiert sich noch immer stark als Bürgerrechtlerin und für die Rechte der schwarzen Frau.

Andrea Gaertner (2009)

Vorgestellt von Jenny Holzmann

Die Lebensgeschichte einer schwarzen Frau, die in ihrem Leben viele Schmerzen erleiden muss und erst noch zu sich selbst findet.

Dieser Roman behandelt ca. 50 Jahre aus dem Leben von Celie, die mit ihrer Schwester Nettie in ihrem Elternhaus aufwächst. Ihr Vater vergeht sich regelmäßig an ihr. Sie lässt das über sich ergehen, am Anfang, weil sie denkt das es so sein muss. Später dann, um ihre Schwester zu schützen.

„…ich hab zu ihm gesagt, er soll mich nehmen und nicht Nettie, wo unsere neue Mama krank ist.“

Von ihrem Vater bekommt sie dann auch zwei Kinder, die er ihr beide weg nimmt und sie an eine anderen Familie übergibt. Eines Tages kommt dann ein Mann vorbei und will Nettie heiraten. Dagegen hat aber ihr Vater etwas und er bietet ihm Celie an. Sie sei zwar nicht Hübsch und klug, aber sie kann gut putzen und schwanger könnte sie auch nicht mehr werden. Celie muss mit dem Mann gehen und ist froh endlich ihrem Vater zu entkommen. Trotzdem macht sie sich Sorgen um Nettie, die nun alleine und ohne Celies Schutz bei ihm zuhause zurück bleibt.

In der Neuen Familie wird Celie auch nicht besser behandelt. Ihr Ehemann vergewaltigt und schlägt sie. Die Kinder sind unfreundlich und gemein zu ihr.

„…meinen Hochzeitstag hab ich zugebracht mit Wegrennen vor dem ältesten Jungen.(…) Er hat einen Stein genommen und mir ein Loch in den Kopf geschlagen.“

Niemand traut ihr etwas zu und alle halten sie für dumm. Sie wird von den Kinder gehänselt und nicht ernst genommen. Eines Tages steht Nettie dann bei ihr auf der Veranda und erzählt Celie, dass sie es zuhause nicht mehr ausgehalten hat. Nettie darf für eine Zeit bei Celie bleiben, aber als sie sich den Annährungsversuchen von Mr.– , Celies Ehemann verweigert, muss sie das Haus verlassen. Noch bevor Nettie weg ist, versprechen sie sich gegenseitig, immer Briefe zu schreiben.

Da Celie aber nie einen Brief ihrer Schwester bekommt, glaub sie sehr bald, das diese bereits tot ist. Es geling Celie erst, aus ihrer passiven und demutvollen Rolle auszubrechen, als sie Shug Avery, eine Sängerin und Ex-Freundin ihres Ehemannes kennen lernt. Shug lehrt sie, was es heißt, Freude zu empfinden, spaß zu haben. Und vor allem zeigt sie Celie wie es sich anfühlt wenn man sich selbst mag. Die beiden beginnen eine Freundschaft, später auch Liebe zu einander zu empfinden. Durch Shugs Hilfe findet Celie später die vielen Briefe ihrer Schwester, die ihr Ehemann vor ihr geheim gehalten hat. Nun beginnt Celie um ihr Leben und um ihre Freiheit zu kämpfen.

„Du bist ein gemeiner Hund, das isses, was kaputt is, sag ich. Es wird Zeit, dass ich weggeh von dir und in die Schöpfung eintret. Und deine Leiche ist grad die richtige Fußmatte dafür.“

Dieses Buch ist in Form von Briefen geschrieben. Entweder sind sie an Gott, Celie selbst oder an Nettie gerichtet. Diese Briefe zeigen das Elend und das qualvolle Leben einer schwarzen jungen Frau, die nicht durch weiße Menschen, sondern durch andere schwarze misshandelt wird.

„Wenn Pa sagt, du sollst was tun, dann tust dus, sagt er. Wenn er sagt, nich, dann tust dus nich. Wenn du nich tust, was er sagt, dann schlägt er dich. Manchmal schlägt er mich sowieso, egal, ob ich tu, was er sagt, oder nich.“

Dieser Roman ging mir sehr unter die Haut. Es zeigt einem deutlich, das Menschen, die in ihre Rollen gezwängt werden nur schwer die Grenzen dieser Rolle brechen können. Mir gefällt dieser Roman sehr gut, da die Briefe sehr authentisch geschrieben sind, dass ich Celie und ihre Geschichte nur schwer vergessen konnte. Doch das bewundernswerte an diesem Buch ist weder die ganze Geschichte, noch der so realistisch wirkende Schreibstil, es ist der Charakter von Celie. Trotz allem was sie in ihrem Leben erleiden muss, ist sie eine starke Frau die später ihr Leben selbst in die Hand nimmt.

„Ich bin arm, ich bin schwarz, vielleicht bin ich hässlich und kann nich kochen, sagt eine Stimme zu allem, was zuhört. Aber ich bin da!“

Und das es Celie zum Ende des Buches vergönnt ist, ihre Schwester und ihre Kinder wiederzusehen, macht das Buch zu einem gelungenes Werk!

„Dann fangen wir beide an, zu stöhnen und zu weinen. Wir torkeln aufeinander zu, wie wirs getan haben, wie wir kleine Kinder waren.“

(Jenny Holzmann, 2008)

Vorgestellt von Svenja Buschmann

Walkers bekanntestes Werk „Die Farbe Lila“ ist die Geschichte von Celie, einer schwarzen Frau die Anfang des 19. Jahrhunderts in Amerika aufwächst. Schon seit ihrer Kindheit ist Celie es gewöhnt, zu gehorchen, keine Fragen zu stellen und sich selbst und ihre jüngere Schwester Nettie vor ihrem Pa zu beschützen. Als ihre Mutter stirbt muss sie die Rolle der Mutter übernehmen - sie versorgt ihre Geschwister und ist ihrem Pa unterworfen. Er benutzt sie ab jetzt als Mutterersatz, sodass sie zwei Kinder von ihm bekommt und er sorgt dafür, dass die Babys gleich nach der Geburt weggegeben werden. Im jungen Teenageralter wird sie mit einem Mann (den sie übrigens nur Mister nennt) verheiratet, der selbst schon Kinder hat und von nun an besteht ihr Leben nurnoch aus Parieren und sie verliert jegliches Selbstwertgefühl. Celies Schwester Nettie kann gerade noch vor dem brutalen Vater fliehen doch Celie hat keinerlei Anhaltspunkte, wo sich ihre Schwester aufhalten könnte. Als Shug Avery in der Familie auftaucht, verändert sich alles. Shug ist eine ehemalige Liebhaberin von Celies Mann und sie bleibt einige Zeit in der Familie. Sie ist eine berühmte Sängerin mit Stil und viel Geld. Sie ist viel gereist und ist das komplette Gegenteil zu Celie. Doch Shug ist der einzige Mensch seit langer Zeit, der Celie zuhört und sie als Frau und nicht als Hausskalvin sieht. Durch Shug lernt Celie langsam wieder, zu lächeln und findet den von Gott gegebenen Sinn im Leben wieder. Als Shug und Celie durch einen Zufall im Briefkasten einen Brief von Nettie finden, sind sie sich ganz sicher, dass Mister noch weitere Briefe von Nettie versteckt haben muss. Gut versteckt, unter einer Kiste finden sie schließliche zahlreiche Briefe von ihrer verloren geglaubten Schwester. So stellt sich heraus, dass Nettie nun in Afrika lebt - sie wurde von einer Pastorenfamilie aufgenommen und arbeitet als Missionarin. Nettie fand heraus, was mit Celies beiden Kindern passiert ist. Sie leben mit ihr in einem afrikanischen Dorf, denn das Pastorenpaar zog Celies Kinder groß. Nun, beschließt Celie, ist Schluss! Sie verlässt mit Shug den Mister und möchte in Memphis ein neues Leben anfangen. Dort baut sie sich eine kleine Näherein auf, die zu ihrer eigenen Verwunderung so gut läuft, dass sie bald eine Wohlhabende Dame ist. Als Celies Pa stirbt, kehr sie zum ersten Mal in ihre frühere Heimat zurück und erbt sein Anwesen. Jetzt stellt sich heraus, dass Celies Papa garnicht ihr leiblicher Vater war, sondern nach dem Tod ihres richtigen Vaters Celies Mutter geheiratet hat. Sie zieht in das Haus ihrer Kindheit und als Nettie endlich aus Afrika zurück kommt, bringt sie auch Celies Kinder mit. Nun sind alle wieder vereint und Celie sagt: „Ich komme mir bisschen seltsam vor mit den Kindern. Einmal sind sie ja größer geworden. Und dann seh ich, dass sie denken, dass ich und Nettie und Shug […] ihnen richtig alt vorkommen und wie wenn wir nicht mehr so richtig wissen was läuft. Aber ich glaub, wir kommen uns garnicht alt vor. Und wir sind so glücklich. Eigentlich glaube ich, so jung sind wir noch nie gewesen.“

Mit diesen Sätzen endet Walkers Roman und lässt hoffen, dass Celie nun tatsächlich alle schweren Lasten von ihren Schultern nehmen kann. Der geschickt inszenierte Roman voller höhen und tiefen lässt wohl niemanden kalt. Die Briefe, die Celie regelmäßig an Gott schreibt, um nicht völlig zu verzweifeln, helfen ihr über die schwersten Stunden ihres Lebens hinweg. Denn egal wie aussichtslos ihre Situation erscheint, den Glauben kann ihr niemand nehmen. Dass Celie am Ende doch noch aus ihre Käfig fliehen kann, gönnt man ihr von ganzem Herzen!

(Svenja Buschmann 2013)

Vorgestellt von Pauline Koch

Die Farbe Lila

Eine Auseinandersetzung mit dem Entwicklungsroman von Alice Walker.

1982 wird der Briefroman „Die Farbe Lila“ von Alice Walker veröffentlicht. Ein Jahr später wurde sie mit den renommiertesten Literaturpreisen der USA ausgezeichnet,dem Pulitzer Preis für Fiktion sowie dem National Book Award für Fiktion. Im Jahr 1995 wird das Buch unter der Regie von Steven Spielberg verfilmt und 2005 als Broadway Musical aufgenommen. Ihr drittes Buch brachte Alice Walker zum Erfolg. Zurecht, denn sie schreibt authentisch, kritisch und mit viel Gefühl. Sie verarbeitet eine kritische Zeit in der Afroamerikanischen Geschichte, die von Rassismus und Sexismus geprägt ist, auf der anderen Seite aber auch vom Feminismus, von starken Frauen, die einen Wandel bewirken.

Im weiteren Verlauf des Textes werde ich die zuvor genannten gesellschaftskritischen Themen näher beleuchten, mit Textbeispielen belegen und die Entwicklung einzelner Personen herausarbeiten. Am Ende werde ich dann noch kurz auf die Intention und Beweggründe der Autorin eingehen.

Zunächst möchte ich auf den Rassismus eingehen, der eine weit zurückreichende Geschichte hat. Im 17 Jahrhundert kamen die ersten Schwarzen als Sklaven nach Amerika seit dem herrscht eine soziale Ungleichheit zwischen der schwarzen Minderheit und der weißen Mehrheit, die die Schwarzen als minderwertig betrachtet. Seit jeher kämpfen sie um Freiheit, Gleichberechtigung , politischen und sozialen Einfluss. Trotz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Verfassung von 1787, die im Sinne der Aufklärung, die Gleichheit aller Menschen proklamierte, änderte sich nur wenig. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Verfassungszusätze, die die Rechte der Schwarzen verbesserten. Beispielsweise wurde im Zusatzartikel 13 die Sklaverei abgeschafft und im Artikel 14 wurde ihnen das Wahlrecht zugesprochen. Der Haken an der Sache war allerdings das durch Lesetests und Wahlsteuern auch dieses Recht beschränkt war. Durch die Jahrzehnte lange Sklaverei waren sie immer noch wirtschaftlich und sozial abhängig, da sie keine Schul- oder Berufsbildung genossen haben. Ende des 19 Jahrhunderts verschärfte sich die Rassentrennung durch den Fall Plessy v. Ferguson. Der Oberste Gerichtshof hatte zu entscheiden ob die im Bundesstaat Louisiana nach Hautfarben getrennten Zugwagons gegen die Verfassung verstoßen würden. Das Gericht verneinte dies. Durch das Urteil des Gerichts wurde das Prinzip „seperate but equal“, separat aber gleich, in den Südstaaten etabliert. Bis weit ins 20 Jahrhundert hinein gab es separate Einrichtungen und Eingänge für Schwarze.1

Der Roman spielt in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts in Gorgia, also in einer Zeit wo Rassimus und Rassentrennung noch sehr präsent waren. Ein Beispiel hierfür ist die Szene aus dem Buch in der Sophia, die Frau von Harpo, von der Frau vom Bürgermeister angesprochen wird, ob sie nicht ihr Mädchen sein wolle. Sophia verneint dies und gerät in ein Handgemenge mit dem Bürgermeister, nachdem dieser sie geschlagen hat (S.66 ff). Hierfür wird sie zu einer 12 Jährigen Gefängnisstrafe verurteilt (S.68). Nach drei Jahren wird sie vorzeitig entlassen, aber nur unter der Voraussetzung, dass Sie als Haushaltshilfe beim Bürgermeister arbeitet, durch den sie erst in diese Situation gelangt ist.(S.75) Sophia sieht sich selbst als Sklavin. „Die haben mich in eine kleine Abstellkammer oben unterm Dach gesteckt … Ich muß Tag und Nacht Gewehr bei Fuß stehn. Die lassen mich meine Kinder nicht sehen. Die lassen mich keinen Mann sehen. Gut, nach fünf Jahren darf ich einmal im Jahr dich sehen.“ (S.77) Diese Szene illustriert besonders eindrucksvoll die soziale Abhängigkeit in die Sophia unfreiwillig gerät. In einer weiteren Szene hat Sophia eine Auseinandersetzung mit ihrem weißen Ziehkind, Eleanor Jane, sie versucht ihr deutlich zu machen, dass viele Farbige so viel Angst vor den Weißen haben, dass sie ihnen alles erzählen würden um nur keinen Ärger zu machen. „… Manche Farbigen haben doch solchen Schiß vor dem Weißvolk, daß sie sogar sagen, sie mögen die Baumwollfabrik gern.“ Im weiteren Verlauf des Buches merkt Eleanor, dass Sie Sophia für selbstverständlich nimmt und fängt an Sophia unter die Arme zu greifen. Dies ist zwar nur ein kleiner Schritt den eine einzelne Person macht, es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt hin zum Respekt für einander. Ich denke Sophias Geschichte steht repräsentativ für das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in jener Zeit. Eleanors Verhalten wiederum spiegelt die Ignoranz und Selbstverständlichkeit dar und ihre Einsicht steht für den Wandel, den die Gesellschaft gehen sollte.

Ein weiteres kritisches Thema das Alice Walker in Ihrem Roman verarbeitet ist der Sexismus gegenüber den schwarzen Frauen. Hier bezieht sie sich aber auf den Sexismus der Afroamerikanischen Männer ihren eigenen Frauen gegenüber, womit sie heraus kristallisiert welche Rolle die Schwarze Frau zu dieser Zeit spielte. Das wird besonders deutlich an der Protagonistin Celie. In dem ersten Brief schreibt Celie an Gott „… Kein freundliches Wort hat er mir gegeben. Sagt nur,du machst jetzt, was deine Mama nicht wollen hat. Erst tut er sein Ding an meine Hüfte und wackelt da so rum. Dann grabscht er mir an die Titten. Dann schiebt er sein Ding in meine Muschi. Das hat weh getan, und ich hab geschrien. Da fängt er an mich zu würgen, und sagt, halt liebers Maul und gewöhn dich dran. Aber mich dran gewöhnen kann ich nicht. …“ In dieser Szene ist sie erst 14 und wird von dem Mann vergewaltigt, den sie für ihren Vater hält. Fast sechs Jahre später taucht Mr. auf und möchte Nettie, Celies Schwester als Frau haben, doch ihr Vater will Celie an Mr. verheiraten. „… Sie ist häßlich. Sagt er. Aber schwere Arbeit ist nichts fremdes für sie… Mit der können Sies treiben,wie sie wollen, und trotzdem brauchen Sie nachher keine Mäuler stopfen und Kleider ranschaffen…“.(S.11) Sie wird hier einzig und allein als Objekt betrachtet, dass sie benutzen können und welches dazu dient die Kinder zu versorgen und den Haushalt zu machen. Diese Haltung der Männer den Frauen gegenüber ist ein immer wiederkehrendes Thema der Geschichte. Celie leidet darunter und fängt an sich nach und nach selbst hässlich und minderwertig zu fühlen. „Ich finds schrecklich,wie ich ausseh, ich find schrecklich,was ich anhab.“(S.57) Erst langsam und durch die Hilfe starker Frauen erlangt sie ihr Selbstwertgefühl und Selbstbestimmung zurück. Damit wird ein drittes großes Thema aus dem Buch angeschnitten, der Feminismus. Alice Walker hat viele starke Frauencharaktere kreiert, wie beispielsweise Shug, Sophia und Nettie. Shug Avery, die schöne Sängerin, in die Celie sich verliebt und die ihr zeigt wie schön und wertvoll sie ist. An einem Abend in der Bar von Mr.s Sohn, Harpo, singt Shug ein paar Lieder, das eine hat sie nach Celie genannt. Diese ist so gerührt, denn noch nie hat jemand etwa nach ihr benannt. „Sie sagt, das Lied, das ich jetzt sing, heißt „Miss Celies Lied“. Weil sies mir aus dem Kopf gekratzt hat, wie ich krank war. … Das is das erste Mal, daß jemand was gemacht hat und nach mir genannt hat.“ (S.57ff)Die Beziehung zwischen Shug und Celie spielt eine zentrale Rolle. Zunächst freunden sich die beiden an und Shug verhilft ihr zu neuen Lebensmut, zeigt ihr dass es sich lohnt zu leben. Aber nach und nach wird ihre Beziehung intensiver und sie verlieben sich. Homosexualität wird in dieser Zeit noch nicht toleriert, weshalb sie sehr verhalten und diskret sind, alles findet nur hinter verschlossenen Türen statt. Shug selbst gesteht sich ihre Liebe zu Celie erst spät ein, was Celie verzweifeln lässt und trotzdem macht es ihr auch in gewisser Weise Mut, da sie weiß dass sie noch etwas fühlt. Dann ist da Sophia die sich trotz ihrer schwierigen Lage wieder aufrappelt und versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sie verkörpert für mich die Kämpfernatur. Nettie, die zurück zu ihren Wurzeln reist um etwas zu verändern, sich zu verlieben und mit jedem Brief den sie Celie schreibt ihr etwas Kraft zu geben, auch wenn sie nicht weiß ob sie sie jemals liest. Nachdem Celie die Briefe von Nettie gefunden hat, fängt sie an ihrer Schwester alles zu berichten und nicht mehr an Gott zu schreiben. Dieses neu gewonnene Glück droht zu zerreißen in einem Telegram vom Amerikanischen Verteidigungsministerium heißt es, sie sei auf einem Schiff gewesen, welches angegriffen wurde und sie sei ertrunken. Doch Celie gibt trotz ihrer Verzweiflung und dem Schwund des Vertrauens ins Leben, die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann wieder vereint sein werden.(S.195ff) All diese Frauen zeigen ihr auf ihre eigene Art und Weise, dass es sich lohnt zu leben, dass sie etwas wert ist. Shug zeigt ihr was es bedeutet sich schön zu fühlen und zu lieben, auch wenn es schmerzt. Außerdem bringt sie Celie dazu mit ihr nach Memphis zu kommen und ihr Leben selbst in die hand zu nehmen. Sophia zeigt ihr durch ihre Art indirekt, dass sie sich nicht alles gefallen lassen muss, dass man sich für sich selbst stark machen muss. Und Nettie erzählt ihr von anderen Kulturen, einer anderen Welt und zeigt ihr, dass es so viel mehr auf der Welt gibt, Gutes und Schlechtes. Außerdem sagt sie ihr durch ihre Briefe, dass sie sie nach all den Jahren nicht vergessen hat und immer an sie denkt, sie liebt.

Nicht nur diese starken Frauencharaktere lassen auf einen feministische Perspektive des Buches schließen, auch der Titel macht Anspielungen in diese Richtung. Denn die Farbe Lila spielt in dem Roman selbst keine große Rolle, weshalb zu vermuten ist, dass sie ein Symbolträger ist. Seit Ende des 19 Jahrhunderts steht die Farbe Lila für Emanzipation, Gleichberechtigung der Frau, Frauenliebe etc… Vor allem in den 1920er und 70er Jahren war die Farbe von großer Bedeutung.2 Lila ist aus den Farben rot und blau zusammengesetzt, weiblich und männlich, und ist damit ein Symbol für die Gleichheit von Mann und Frau.

Zur Entwicklung von Celie ist zu sagen, dass sie sich von der Unterdrückung und Fremdbestimmung loslöst. Sie findet heraus was sie glücklich macht, sie fängt sogar an Mr. zu verzeihen, der angefangen hat seine patriarchale Haltung abzulegen und seine Fehler einzugestehen. In einem der letzten Briefe beschreibt Celie ihre Art der Versöhnung und gleichzeitig beschreibt sie den ersten Schritt den die beiden machen in Richtung Gleichberechtigung. „… Das war an dem Tag,wo er mich besucht hat,wie ich grad am nähen war,und mich gefragt hat,was denn so Besonderes an meinen Hosen dran is. Jeder kann die anziehn, sag ich. Männer und Frauen sollen aber nich das gleiche anhaben, sagt er. Die Männer sollen die Hosen anhaben. So, sag ich. Das müsstest du mal den Männern in Afrika erzählen… Die Leute in Afrika ziehn an, was in der Hitze bequem is, sag ich… Jedenfalls mögen die Männer und Frauen schöne Kleider gern. Gewänder hast du vorhin gesagt, sagt er. Gewänder, Kleider. Jedenfalls keine Hosen. Na so was aber auch, sagt er. Und die Männer nähen in Afrika auch, sag ich. Tun sie das? Sagt er. Jaha, sag ich, die sind nich so hinterm Mond wie die Männer hier. Wie ich klein war, sagt er, hab ich immer mit Mama nähen wollen, weil sie das ständig getan hat. Aber alle haben mich ausgelacht. Aber,weißt du, es hat mir gefallen.“(S.209ff) Celie zeigt Mr. darauf hin wie man näht. Er akzeptiert das etwas wie nähen auch Männer machen können und Frauen Hosen tragen können. Es scheint vielleicht, das sei nur eine Kleinigkeit, aber es hat eine große Bedeutung. Eine große Bedeutung für Entwicklung der beiden und eine große symbolische Bedeutung im Bezug auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Der Roman endet in dieser hoffnungsvollen Stimmung, in der sich für Celie nun alles zum Besseren wendet. Eine Stimmung in der auch langsam der Wandel der Gesellschaft beginnt.

Welche Beweggründe hatte Alice Walker um diesen tiefgründigen, gesellschaftskritischen Roman zu schreiben?

Der Roman basiert auf der Geschichte ihrer Großtante, in der Rolle von Celie. In einem Interview sagt sie, sie wolle sich ihren Verwandten näher fühlen, zu einer Zeit in der sie noch nicht existierte.3 In einem weiteren Interview wird sie gefragt ob die Farbe Lila eine Art Stimme ist für diejenigen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sie antwortet darauf, dass es das definitiv ist, das es ein Weg ist Männer und Frauen zu unterstützen, die in einer missbräuchlichen Beziehung sind und heraus zu finden versuchen wie wir in diese Position geraten, nachdem wir uns nach 400 Jahren Sklaverei immer noch gegenseitig wie Sklaven behandeln.4

Persönliche Botschaft:

Für mich war dieser Roman sehr ergreifend und tiefgründig. Er hat mir gezeigt wie sehr uns unsere Geschichte prägt und dass wir aus ihr lernen sollten, um nicht die selben Fehler zu machen. Wir sollten unsere Mitmenschen und uns selbst respektieren und nicht den Mut verlieren uns für diejenigen einzusetzen die wir lieben. Alice Walker schreibt schonungslos, kritisch und hoffnungsvoll. Sie verbindet Realität und Fiktion gekonnt und berührt einen, so dass man noch lange über diese Geschichte nachdenken lässt. Genau aus diesen Gründen hat mir der Roman so gut gefallen, er lässt einen nicht los, man fängt an über die Geschichte der Menschheit nachzudenken, über seine eigene Geschichte. Den im Laufe der Zeit gab es immer wieder Unterdrückung, Verfolgung und Versklavung von Minderheiten und das nicht nur in den Südstaaten, nein überall auf der Welt behandeln sich die Menschen so grauenvoll. Dieser Roman öffnet die Augen über unsere Vergangenheit, sie öffnet die Augen für unsere Zukunft, in der die Gleichheit aller Menschen hoffentlich bestand hat.

1.https://docupedia.de/zg/Afroamerikanische_Geschichte#The_Long_Civil_Rights_Movement

2.https://www.viversum.de/online-magazin/bedeutung-der-farbe-lila

3.https://www.youtube.com/watch?v=uALf_v0zxgE

4.https://blackfilm.com/20030321/features/alicewalker.shtml

                                                                     (Pauline Koch,2019)
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