Mo Yan - Die Knoblauchrevolte


„Mo Yan beschreibt mit viel Spannung den Kampf des Einzelnen gegen die staatliche Willkür im heutigen China. Die Stärke des Romans ist die Mischung aus bitterem Realismus und Poesie.“ Der Spiegel
„Die Romane des chinesischen Literaturnobelpreisträgers Mo Yan sind großartig und befremdend.“ Die Zeit
„In unserer Gegend gab es großartige Erzähler, die abends die wildesten Anekdoten zum Besten gaben. Das war schon früh mein Traum: wie diese Bauern endlos Geschichten erzählen zu können. Tatsächlich wurde ihre Sprache, die ungestüm, übertrieben und drastisch ist, zur Sprache meiner Bücher.“ Mo Yan

Das Buch beschreibt das Schicksal gleich mehrerer Menschen, deren Schicksal durch einen Knoblauchstrang verbunden ist. 1987 spitzt sich die Lage in der ländlichen Provinz Paradis in China immer weiter zu. Laut Planwirtschaft sollten alle Bauern Knoblauch anbauen, doch als es Zeit für die Ernte ist, sind die Kühlhäuser schon voll und die Bauern können ihren Ertrag nicht wie geplant verkaufen. Viele Schicksale hängen von dieser Ernte ab, wie das Leben von Gao Ma und seiner großen Liebe Jinji, ihrer Eltern, Brüder und Nachbarn. Als die Bauern gegen die korrupte Regierung revoltieren liegt der scharfe Geruch von Knoblauch und Verzweiflung in der Luft.

Das Buch vereint die Geschichten mehrerer Personen, die aus dem selben Dorf stammen und deren Schicksal mit dem Aufstand der Knoblauchbauern gegen die korrupte Regierung verknüpft ist. Durch die verschiedenen Perspektiven und nicht chronologische Reihenfolge wirkt das Buch zerrissen, was sich auch in den einzelnen Personen und der Gesellschaft widerspiegelt. Einerseits wurden neue Gesetze eingeführt, andererseits werden diese Gesetzten von den Behörden nicht durchgesetzt und die Beamten betreiben Vetternwirtschaft und entscheiden willkürlich, ob sie nun die neuen Regeln anwenden, oder sich an die Traditionen halten. Davon sind auch Gao Ma und Jinji betroffen: Laut neuem Gesetz soll man sich den Ehepartner selber aussuchen können, doch Jinjis Eltern arrangieren für sie und ihre zwei Brüder Ehen, die sie selbst mit Gewalt durchsetzen wollen, während das Gesetz wegsieht. Gewalt, Diebstahl und sogar Totschlag werden toleriert, solange Regierungsbeamte oder ihre Verwandten sie begehen.

„Ungestüm, übertrieben und drastisch“ werden die Bauern in dem Buch „Die Knoblauchrevolte“ in ihrem Verhalten und ihrer Sprache dargestellt, genau so, wie Mo Yan es von den großartigen Erzählern seiner Kindheit kannte. Jinji beklagt im Buch, dass sie nie mit ihrer großen Liebe Gao Ma einen einzigen schönen Tag verbracht hat, wie denn auch, wenn jeder nach Knoblauch riecht und sogar das Blut der Leute schließlich so danach stinkt, dass sie immer kurz vor dem Erbrechen steht. Mo Yan beschreibt die Bauern auf unromantischste Art und Weise: gewalttätig, dreckig und mit Fäkalien beschmutzt. Selbst angedeutete Liebesszenen werden durch den stechenden Dunst des Knoblauchs überdeckt.

Die einzig schöne Szene im Buch wird am Anfang beschrieben, während die Dorfgemeinschaft dem Klang des Blinden Sängers lauscht, greift Gao Ma nach Jinjis Hand und besiegelt damit ihr tragisches Schicksal.

2012 gewann Mo Yan den Literaturnobelpreis, ein Anlass für viele Proteste, da Mo Yan ein von der Regierung gelobter Schriftsteller ist und die Frage aufkam, ob eine Person die der kommunistischen Partei so nahe steht diesen Preis bekommen sollte. Dazu muss man sagen, jeder der je ein Werk von Mo Yan gelesen hat, würde nie zu diesen Kritikern gehören. „Die Knoblauchrevolte“ strotzt vor Kritik am korruptem System und zeigt die ärmliche Lage der Bauern 1987.

Am Ende einer Rezension schreibt der Rezensent immer seine Meinung. Ich denke Mo Yans „Die Knoblauchrevolte“ ist ein Buch bei dem sich die Gemüter wohl scheiden.

Ich brauchte mehrere Anläufe um das Buch fertig zu lesen. Immer wieder war ich von der Sprache und dem Inhalt so abgestoßen, dass ich es beiseite legen musste. Grob gesagt, die Präsenz von Fäkalien war doch überwältigend. Gleich am Anfang des Buches wird detailliert beschrieben, wie sich jemand in die Hose pinkelt und im folgenden, wie gefurzt und uriniert wird und wie die Personen diese Fäkalien dann auf die unterschiedlichsten Weisen wieder zu sich nehmen. Als ich das Buch durchgelesen hatte und man mich fragte, worum es handelte war mein erster Kommentar:

Fäkalien und so ganz nebenbei Liebe.

Als ich länger über das Buch nachdachte und darüber sprach viel mir noch eines zu „Die Knoblauchrevolte“ ein: Eine überaus beliebte TV-Sendung benutzt die gleichen Mittel und auch sie wird millionenfach gesehen, gelobt und hat sogar einen Emmy gewonnen. Ja genau: South Park!

Natürlich betont die Sprache das Dasein der Bauern und auch die Situation des Regims, aber poetisch finde ich das nun überhaupt nicht! Trotzdem hat Mo Yan seinen Platz in der Weltliteratur verdient, denn er hat genau das geschafft, was er wollte: Mit ungestümer, übertriebener und drastischer Sprache hat er ein bildgewaltiges Werk geschaffen, dass einem ein so fremdes Land wie China um 1987 näher bringt und das mir auf jeden Fall noch lange in Erinnerung bleiben wird.


Vorgestellt von Svenja Schwäke 2019

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