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Die Farbe Lila Eine Auseinandersetzung mit dem Entwicklungsroman von Alice Walker.

1982 wird der Briefroman „Die Farbe Lila“ von Alice Walker veröffentlicht. Ein Jahr später wurde sie mit den renommiertesten Literaturpreisen der USA ausgezeichnet,dem Pulitzer Preis für Fiktion sowie dem National Book Award für Fiktion. Im Jahr 1995 wird das Buch unter der Regie von Steven Spielberg verfilmt und 2005 als Broadway Musical aufgenommen. Ihr drittes Buch brachte Alice Walker zum Erfolg. Zurecht, denn sie schreibt authentisch, kritisch und mit viel Gefühl. Sie verarbeitet eine kritische Zeit in der Afroamerikanischen Geschichte, die von Rassismus und Sexismus geprägt ist, auf der anderen Seite aber auch vom Feminismus, von starken Frauen, die einen Wandel bewirken.

Im weiteren Verlauf des Textes werde ich die zuvor genannten gesellschaftskritischen Themen näher beleuchten, mit Textbeispielen belegen und die Entwicklung einzelner Personen herausarbeiten. Am Ende werde ich dann noch kurz auf die Intention und Beweggründe der Autorin eingehen.

Zunächst möchte ich auf den Rassismus eingehen, der eine weit zurückreichende Geschichte hat. Im 17 Jahrhundert kamen die ersten Schwarzen als Sklaven nach Amerika seit dem herrscht eine soziale Ungleichheit zwischen der schwarzen Minderheit und der weißen Mehrheit, die die Schwarzen als minderwertig betrachtet. Seit jeher kämpfen sie um Freiheit, Gleichberechtigung , politischen und sozialen Einfluss. Trotz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Verfassung von 1787, die im Sinne der Aufklärung, die Gleichheit aller Menschen proklamierte, änderte sich nur wenig. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere Verfassungszusätze, die die Rechte der Schwarzen verbesserten. Beispielsweise wurde im Zusatzartikel 13 die Sklaverei abgeschafft und im Artikel 14 wurde ihnen das Wahlrecht zugesprochen. Der Haken an der Sache war allerdings das durch Lesetests und Wahlsteuern auch dieses Recht beschränkt war. Durch die Jahrzehnte lange Sklaverei waren sie immer noch wirtschaftlich und sozial abhängig, da sie keine Schul- oder Berufsbildung genossen haben. Ende des 19 Jahrhunderts verschärfte sich die Rassentrennung durch den Fall Plessy v. Ferguson. Der Oberste Gerichtshof hatte zu entscheiden ob die im Bundesstaat Louisiana nach Hautfarben getrennten Zugwagons gegen die Verfassung verstoßen würden. Das Gericht verneinte dies. Durch das Urteil des Gerichts wurde das Prinzip „seperate but equal“, separat aber gleich, in den Südstaaten etabliert. Bis weit ins 20 Jahrhundert hinein gab es separate Einrichtungen und Eingänge für Schwarze.1 Der Roman spielt in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts in Gorgia, also in einer Zeit wo Rassimus und Rassentrennung noch sehr präsent waren. Ein Beispiel hierfür ist die Szene aus dem Buch in der Sophia, die Frau von Harpo, von der Frau vom Bürgermeister angesprochen wird, ob sie nicht ihr Mädchen sein wolle. Sophia verneint dies und gerät in ein Handgemenge mit dem Bürgermeister, nachdem dieser sie geschlagen hat (S.66 ff). Hierfür wird sie zu einer 12 Jährigen Gefängnisstrafe verurteilt (S.68). Nach drei Jahren wird sie vorzeitig entlassen, aber nur unter der Voraussetzung, dass Sie als Haushaltshilfe beim Bürgermeister arbeitet, durch den sie erst in diese Situation gelangt ist.(S.75) Sophia sieht sich selbst als Sklavin. „Die haben mich in eine kleine Abstellkammer oben unterm Dach gesteckt … Ich muß Tag und Nacht Gewehr bei Fuß stehn. Die lassen mich meine Kinder nicht sehen. Die lassen mich keinen Mann sehen. Gut, nach fünf Jahren darf ich einmal im Jahr dich sehen.“ (S.77) Diese Szene illustriert besonders eindrucksvoll die soziale Abhängigkeit in die Sophia unfreiwillig gerät. In einer weiteren Szene hat Sophia eine Auseinandersetzung mit ihrem weißen Ziehkind, Eleanor Jane, sie versucht ihr deutlich zu machen, dass viele Farbige so viel Angst vor den Weißen haben, dass sie ihnen alles erzählen würden um nur keinen Ärger zu machen. „… Manche Farbigen haben doch solchen Schiß vor dem Weißvolk, daß sie sogar sagen, sie mögen die Baumwollfabrik gern.“ Im weiteren Verlauf des Buches merkt Eleanor, dass Sie Sophia für selbstverständlich nimmt und fängt an Sophia unter die Arme zu greifen. Dies ist zwar nur ein kleiner Schritt den eine einzelne Person macht, es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt hin zum Respekt für einander. Ich denke Sophias Geschichte steht repräsentativ für das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen in jener Zeit. Eleanors Verhalten wiederum spiegelt die Ignoranz und Selbstverständlichkeit dar und ihre Einsicht steht für den Wandel, den die Gesellschaft gehen sollte.

Ein weiteres kritisches Thema das Alice Walker in Ihrem Roman verarbeitet ist der Sexismus gegenüber den schwarzen Frauen. Hier bezieht sie sich aber auf den Sexismus der Afroamerikanischen Männer ihren eigenen Frauen gegenüber, womit sie heraus kristallisiert welche Rolle die Schwarze Frau zu dieser Zeit spielte. Das wird besonders deutlich an der Protagonistin Celie. In dem ersten Brief schreibt Celie an Gott „… Kein freundliches Wort hat er mir gegeben. Sagt nur,du machst jetzt, was deine Mama nicht wollen hat. Erst tut er sein Ding an meine Hüfte und wackelt da so rum. Dann grabscht er mir an die Titten. Dann schiebt er sein Ding in meine Muschi. Das hat weh getan, und ich hab geschrien. Da fängt er an mich zu würgen, und sagt, halt liebers Maul und gewöhn dich dran. Aber mich dran gewöhnen kann ich nicht. …“ In dieser Szene ist sie erst 14 und wird von dem Mann vergewaltigt, den sie für ihren Vater hält. Fast sechs Jahre später taucht Mr. auf und möchte Nettie, Celies Schwester als Frau haben, doch ihr Vater will Celie an Mr. verheiraten. „… Sie ist häßlich. Sagt er. Aber schwere Arbeit ist nichts fremdes für sie… Mit der können Sies treiben,wie sie wollen, und trotzdem brauchen Sie nachher keine Mäuler stopfen und Kleider ranschaffen…“.(S.11) Sie wird hier einzig und allein als Objekt betrachtet, dass sie benutzen können und welches dazu dient die Kinder zu versorgen und den Haushalt zu machen. Diese Haltung der Männer den Frauen gegenüber ist ein immer wiederkehrendes Thema der Geschichte. Celie leidet darunter und fängt an sich nach und nach selbst hässlich und minderwertig zu fühlen. „Ich finds schrecklich,wie ich ausseh, ich find schrecklich,was ich anhab.“(S.57) Erst langsam und durch die Hilfe starker Frauen erlangt sie ihr Selbstwertgefühl und Selbstbestimmung zurück. Damit wird ein drittes großes Thema aus dem Buch angeschnitten, der Feminismus. Alice Walker hat viele starke Frauencharaktere kreiert, wie beispielsweise Shug, Sophia und Nettie. Shug Avery, die schöne Sängerin, in die Celie sich verliebt und die ihr zeigt wie schön und wertvoll sie ist. An einem Abend in der Bar von Mr.s Sohn, Harpo, singt Shug ein paar Lieder, das eine hat sie nach Celie genannt. Diese ist so gerührt, denn noch nie hat jemand etwa nach ihr benannt. „Sie sagt, das Lied, das ich jetzt sing, heißt „Miss Celies Lied“. Weil sies mir aus dem Kopf gekratzt hat, wie ich krank war. … Das is das erste Mal, daß jemand was gemacht hat und nach mir genannt hat.“ (S.57ff)Die Beziehung zwischen Shug und Celie spielt eine zentrale Rolle. Zunächst freunden sich die beiden an und Shug verhilft ihr zu neuen Lebensmut, zeigt ihr dass es sich lohnt zu leben. Aber nach und nach wird ihre Beziehung intensiver und sie verlieben sich. Homosexualität wird in dieser Zeit noch nicht toleriert, weshalb sie sehr verhalten und diskret sind, alles findet nur hinter verschlossenen Türen statt. Shug selbst gesteht sich ihre Liebe zu Celie erst spät ein, was Celie verzweifeln lässt und trotzdem macht es ihr auch in gewisser Weise Mut, da sie weiß dass sie noch etwas fühlt. Dann ist da Sophia die sich trotz ihrer schwierigen Lage wieder aufrappelt und versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sie verkörpert für mich die Kämpfernatur. Nettie, die zurück zu ihren Wurzeln reist um etwas zu verändern, sich zu verlieben und mit jedem Brief den sie Celie schreibt ihr etwas Kraft zu geben, auch wenn sie nicht weiß ob sie sie jemals liest. Nachdem Celie die Briefe von Nettie gefunden hat, fängt sie an ihrer Schwester alles zu berichten und nicht mehr an Gott zu schreiben. Dieses neu gewonnene Glück droht zu zerreißen in einem Telegram vom Amerikanischen Verteidigungsministerium heißt es, sie sei auf einem Schiff gewesen, welches angegriffen wurde und sie sei ertrunken. Doch Celie gibt trotz ihrer Verzweiflung und dem Schwund des Vertrauens ins Leben, die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann wieder vereint sein werden.(S.195ff) All diese Frauen zeigen ihr auf ihre eigene Art und Weise, dass es sich lohnt zu leben, dass sie etwas wert ist. Shug zeigt ihr was es bedeutet sich schön zu fühlen und zu lieben, auch wenn es schmerzt. Außerdem bringt sie Celie dazu mit ihr nach Memphis zu kommen und ihr Leben selbst in die hand zu nehmen. Sophia zeigt ihr durch ihre Art indirekt, dass sie sich nicht alles gefallen lassen muss, dass man sich für sich selbst stark machen muss. Und Nettie erzählt ihr von anderen Kulturen, einer anderen Welt und zeigt ihr, dass es so viel mehr auf der Welt gibt, Gutes und Schlechtes. Außerdem sagt sie ihr durch ihre Briefe, dass sie sie nach all den Jahren nicht vergessen hat und immer an sie denkt, sie liebt.

Nicht nur diese starken Frauencharaktere lassen auf einen feministische Perspektive des Buches schließen, auch der Titel macht Anspielungen in diese Richtung. Denn die Farbe Lila spielt in dem Roman selbst keine große Rolle, weshalb zu vermuten ist, dass sie ein Symbolträger ist. Seit Ende des 19 Jahrhunderts steht die Farbe Lila für Emanzipation, Gleichberechtigung der Frau, Frauenliebe etc… Vor allem in den 1920er und 70er Jahren war die Farbe von großer Bedeutung.2 Lila ist aus den Farben rot und blau zusammengesetzt, weiblich und männlich, und ist damit ein Symbol für die Gleichheit von Mann und Frau.

Zur Entwicklung von Celie ist zu sagen, dass sie sich von der Unterdrückung und Fremdbestimmung loslöst. Sie findet heraus was sie glücklich macht, sie fängt sogar an Mr. zu verzeihen, der angefangen hat seine patriarchale Haltung abzulegen und seine Fehler einzugestehen. In einem der letzten Briefe beschreibt Celie ihre Art der Versöhnung und gleichzeitig beschreibt sie den ersten Schritt den die beiden machen in Richtung Gleichberechtigung. „… Das war an dem Tag,wo er mich besucht hat,wie ich grad am nähen war,und mich gefragt hat,was denn so Besonderes an meinen Hosen dran is. Jeder kann die anziehn, sag ich. Männer und Frauen sollen aber nich das gleiche anhaben, sagt er. Die Männer sollen die Hosen anhaben. So, sag ich. Das müsstest du mal den Männern in Afrika erzählen… Die Leute in Afrika ziehn an, was in der Hitze bequem is, sag ich… Jedenfalls mögen die Männer und Frauen schöne Kleider gern. Gewänder hast du vorhin gesagt, sagt er. Gewänder, Kleider. Jedenfalls keine Hosen. Na so was aber auch, sagt er. Und die Männer nähen in Afrika auch, sag ich. Tun sie das? Sagt er. Jaha, sag ich, die sind nich so hinterm Mond wie die Männer hier. Wie ich klein war, sagt er, hab ich immer mit Mama nähen wollen, weil sie das ständig getan hat. Aber alle haben mich ausgelacht. Aber,weißt du, es hat mir gefallen.“(S.209ff) Celie zeigt Mr. darauf hin wie man näht. Er akzeptiert das etwas wie nähen auch Männer machen können und Frauen Hosen tragen können. Es scheint vielleicht, das sei nur eine Kleinigkeit, aber es hat eine große Bedeutung. Eine große Bedeutung für Entwicklung der beiden und eine große symbolische Bedeutung im Bezug auf die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Der Roman endet in dieser hoffnungsvollen Stimmung, in der sich für Celie nun alles zum Besseren wendet. Eine Stimmung in der auch langsam der Wandel der Gesellschaft beginnt.

Welche Beweggründe hatte Alice Walker um diesen tiefgründigen, gesellschaftskritischen Roman zu schreiben?

Der Roman basiert auf der Geschichte ihrer Großtante, in der Rolle von Celie. In einem Interview sagt sie, sie wolle sich ihren Verwandten näher fühlen, zu einer Zeit in der sie noch nicht existierte.3 In einem weiteren Interview wird sie gefragt ob die Farbe Lila eine Art Stimme ist für diejenigen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Sie antwortet darauf, dass es das definitiv ist, das es ein Weg ist Männer und Frauen zu unterstützen, die in einer missbräuchlichen Beziehung sind und heraus zu finden versuchen wie wir in diese Position geraten, nachdem wir uns nach 400 Jahren Sklaverei immer noch gegenseitig wie Sklaven behandeln.4

Persönliche Botschaft:

Für mich war dieser Roman sehr ergreifend und tiefgründig. Er hat mir gezeigt wie sehr uns unsere Geschichte prägt und dass wir aus ihr lernen sollten, um nicht die selben Fehler zu machen. Wir sollten unsere Mitmenschen und uns selbst respektieren und nicht den Mut verlieren uns für diejenigen einzusetzen die wir lieben. Alice Walker schreibt schonungslos, kritisch und hoffnungsvoll. Sie verbindet Realität und Fiktion gekonnt und berührt einen, so dass man noch lange über diese Geschichte nachdenken lässt. Genau aus diesen Gründen hat mir der Roman so gut gefallen, er lässt einen nicht los, man fängt an über die Geschichte der Menschheit nachzudenken, über seine eigene Geschichte. Den im Laufe der Zeit gab es immer wieder Unterdrückung, Verfolgung und Versklavung von Minderheiten und das nicht nur in den Südstaaten, nein überall auf der Welt behandeln sich die Menschen so grauenvoll. Dieser Roman öffnet die Augen über unsere Vergangenheit, sie öffnet die Augen für unsere Zukunft, in der die Gleichheit aller Menschen hoffentlich bestand hat.

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